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Avatar #108046
am Montag, 22. August 2016 um 07:57

Zusätzliches Geld für Selbstverständlichkeit?

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Medikationsplan: KBV fordert angemessene Bezahlung
vom Freitag, 19. August 2016
Endlich wurde gesetzlich vorgeschrieben, was eigentlich für jeden (Haus-)Arzt eine Selbstverständlichkeit sein sollte: dass bei Patienten mit 3 oder mehr regelmäßig eingenommenen Medikamenten die Einnahme aller Medikamente erfragt und dokumentiert wird. Da Medikamente sich gegenseitig beeinflussen, auch wenn es nur OTC-Präparate sind, gehört ein Erfragen und Dokumentieren aller eingenommenen Medikamente eigentlich zum ärztlichen Standard. Wieso wird dann jetzt von einer zusätzlichen Leistung gesprochen, für die man zusätzliches Geld haben will?
Ich finde es schlimm genug, dass eine solche Selbstverständlichkeit überhaupt erst gesetzliche geregelt werden muss, damit sie in der ärztlichen Praxis umgesetzt wird!
Avatar #691359
am Dienstag, 23. August 2016 um 11:04

Zuwendung ist extrem wichtig,

aber sie ist ganz schlecht messbar. Ein Medikationsplan ist schnell gedruckt, aber das Sammeln der Information im Vorfeld (wenn auch Wirkstoffe aus anderen Quellen berücksichtigt werden sollen) ist Teil der sprechenden Medizin und benötigt Zeit und Zuwendung. Da aber lt. SGBV das Wirtschaftlichkeitsgebot gilt, wird auch nur das Meßbare bezahlt, und die sprechende Medizin gehört leider nicht dazu.

Wenn die sprechende Medizin wirklich angemessen bezahlt würde, dann hätte meine Vorrednerin Recht und der Medikationsplan wäre eine Selbstverständlichkeit. So kann man den Vorschlag der KV auch nur als zweitbeste Lösung betrachten, die Vergütung bleibt eingefroren auf ihrem bisherigen Niveau und der Medikationsplan wird als Sonderleistung betrachtet.

Wenn eine hochwertige medizinische Versorgung für Alle auch in Zukunft gewährleistet werden soll, müssen nach meiner Meinung grundlegende Strukturreformen her. Eine Reduzierung der Kosten im Krankenhaussektor geht nicht ohne eine deutliche Aufwertung des ambulanten Sektors. Dies wiederum geht nicht ohne Abstriche beim bisherigen Dogma des unbegrenzten Leistungsversprechens. Auch die jetzt schon sichtbaren Strukturveränderungen im Krankenhaussektor zeigen ein Erodieren des Dogmas der wohnortnahen Versorgung. Das Problem dabei ist, diese Strukturreformen sind notwendig, sie sind unpopulär, sie bedeuten Einschnitte für die Patienten, mit einer öffentlichen Diskussion zu diesem Thema kann man Wahlen nicht gewinnen sondern nur verlieren, und deshalb werden diese Entscheidungen bis zum allerletzten Augenblick hinausgezögert. Auch wenn die Regenbogenpresse Ärzte-Bashing betreibt und unendliche Wirtschaftlichkeitsreserven unterstellt, so kann ich nur sagen, mit den jetzigen Strukturen ist die Zitrone ausgequetscht. Und selbst ein zusätzliches Tröpfchen aus dieser Zitrone (eine Selbstverständlichkeit wie ein Medikationsplan) gibt das jetzige System nicht mehr her.

PS: Man kann den Medikationsplan auch als wachsendes Dokument sehen, jeder Beteiligte im System packt seine Informationen einfach hinein. Aber irgendwann muss sich jemand die Mühe machen, alte Wirkstoffe aus dem Plan zu entfernen und die verbliebenen Wirkstoffe auf ihre Wechselwirkungen zu analysieren, und da sind wir wieder bei der Zuwendung und sprechenden Medizin angelangt...
Avatar #93082
am Dienstag, 23. August 2016 um 21:55

Eigenverantwortung der Patienten stärken

Guten Tag,

mir kommt eines in der ganzen Diskussion zu kurz. Da sind unzählige Beteiligte. Doch was ist eigentlich mit dem Patienten, dem das dienen soll? Was tut er dazu? Was kann er machen?

Ich habe seit Jahren einen eigenen Medikationsplan dabei. Der wird immer aktualisiert, enthält alles, was ich einnehme (Vorlage Aktionsbündnis Patientensicherheit).

Nötig sind leider mehrere Ärzte, also wird jeder auch aktuell versorgt. Ändert sich etwas, wird bei nächster Konsultation informiert. Plan einscannen, fertig.

M. e. müssen alle Beteiligten mehr auf die Patienten in die Pflicht nehmen. Die Eigenverantwortung stärken. D.h., letztlich bereits in der Schule damit anfangen, diese Dinge den Menschen beizubringen (total realitätsferne Idee).

Es braucht einen Zugriff der Patienten auf die Daten der eGK, eine zentrale Patientenakte.

Was die Dosierungsanweisungen angeht: Ich habe seit x-Jahren in den Apotheken nicht mehr erlebt, dass wie früher auf die Schachteln geschrieben wurde, wie einzunehmen ist... Das ging auch.

Nervig auch die ganzen Anamnesebögen in den Praxen. Warum zum Deibel nicht ein einheitliches Formular, dass alle verwenden und der Patient bei seinen Unterlagen hat? Kopie bei neuem Arzt, fertig. Die Inhalte sind oft identisch. Auch das kann sich Patient selbst machen. Nur lesen können wir nicht abnehmen.

Avatar #93082
am Dienstag, 23. August 2016 um 22:07

P.S.:

Extrem nervig ist auch, dass es keine ordentlichen Apps gibt, mit denen man seine Medikamente, Befunde, Laborwerte etc. verwalten kann. Alles nur Flickwerk, nicht zu Ende gedacht, unzureichend gemacht. Für Blutdruck eine App, für Diabetes eine weitere und so viel Schrott dabei. Da wäre so vieles möglich... Doch geht es so oft an den Bedürfnissen vorbei. Versuchen Sie mal eine App zu finden, mit der sie ihre Medikamente wirklich ordentlich verwalten können... Da werden Sie nichts finden.
Avatar #115425
am Mittwoch, 24. August 2016 um 13:14

Unzählige Rabattverträge sind ein noch größeres Problem

Durch den ständigen Wechsel der Herstellerfirmen durch Rabattverträge der Krankenkassen besteht eine immer größere Gefahr, dass die Wirkstoffe vertauscht werden können.

Man muss schon sehr gute Augen - oder eine sehr teure Sehhilfe - haben, dass das nicht passiert.

Außerdem ist bei jeder Firma das Handling etwas anders. Tabletten mit Bruchrillen kann man kaum brechen, selbst ein guter Tablettenteiler ist dagegen machtlos. Die Tablette verrutscht und es gibt bestenfalls ein Drittel zu zwei Drittel.

Tabletten ohne Bruchrillen können gleich zerbröseln, andere bleiben an der Mundschleimhaus schon hängen.

Einsparungen alle auf Kosten der Gesundheit der Patienten, besonders der älteren.

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