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Avatar #106067
am Dienstag, 23. August 2016 um 21:45

§ 203 StGB gilt auch für die Bundesregierung!

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Schweigepflicht: Dialog statt Aktionismus
aus Dtsch Arztebl 2016; 113(33-34) vom Montag, 22. August 2016
Bundesinnenminister Thomas de Maizière kann keinen einzigen Fall nennen, bei dem IS(IS)-Terroristen oder Amokläufer mit ihren Haus-, Fach- bzw. Klinikärzten oder Psychotherapeuten vorher ausführlich ihre Attentatspläne im diagnostischen oder therapeutischen Setting besprochen haben.

Angriffe auf die bestehende Rechtslage bei der Schweigepflicht nach § 203 StGB: „Verletzung von Privatgeheimnissen“, die im Übrigen auch für Minister, Amtsträger, Anwälte, Notare, Berater, Seelsorger (vgl. Edathy-Affäre im Deutschen Bundestag) etc. gilt, hätte bei juristischen Berufsgruppen einen Aufschrei der Empörung und verfassungsrechtlichen Widerstand gegen den Bundesinnenminister bedeutet.

So hat er es völlig unangemessen mal bei Ärzten- und Psychotherapeuten versucht. Wollte er mit „law and order“ im Wahlkampf punkten? Oder waren wir Ärzte oder Psychotherapeuten nur „Versuchskaninchen“, um die Lage zu peilen? 

Was aber ausgerechnet Ärzte zum Anti-Terrorkampf beitragen sollen, außer – selbstverständlich ohne zusätzliche Mittel und Honorar bzw. ohne jede öffentliche Anerkennung – allen Opfern zu helfen, Notfall-OPs, Erstversorgung, Krisenintervention (das bayrische Traumanetzwerk im Münchener Katastrophenfall war vorbildlich!) und Nachsorge zu organisieren sowie auch die überlebenden Täter medizinisch zu behandeln, hatte der Bundesinnenminister in seinem Übereifer nicht mal ansatzweise auf dem Schirm.

Ärzte, Psycho- und Physiotherapeuten bzw. das hochqualifizierte Personal in der gesamten Gesundheits - und Krankenversorgung machen kompetent ihren Job.

Machen Sie den Ihren, Herr Bundesinnenminister! Aber lassen Sie uns mit der sowieso schon löchrigen Schweigepflicht in Ruhe weiterarbeiten und rudern Sie nicht ständig zurück, nachdem Sie mit Ihren verbalen Ausfällen gerade noch die Stützen dieser Gesellschaft attackiert haben.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z. Zt. Bergen aan Zee/NL)
Avatar #84550
am Donnerstag, 25. August 2016 um 22:01

Herr

Ich bin mit dem sehr geehrten Herrn, M. Schmedt einverstanden.
Verhältnis zwischen Arzt und Patient kann sich nur auf gegenseitigen Vertrauen basieren. Es war so und wird so immer bleiben.
Dazu sehr wichtig, dass die Patienten das Vertrauen des Arztes nicht mißbrauchen. Indem sie sein Fehlverhalten zu Mitmenschen mit dem Erkrankung in Verbindung setzen.
Ja, Irren ist menschlich.
Ich bin für Schweigepflicht ohne wenn und aber.
Mit freundlichen Grüß
G. Eistrach
Avatar #64454
am Sonntag, 4. September 2016 um 12:09

Schweigepflicht ist ein hohes Gut - aber nicht alle würdigen es

Eine Sensibilität für die Schweigepflicht ist offenbar bei manchen Kollegen und Körperschaften nur sehr fokussiert vorhanden.

Unlängst hat ein Landeskriminalamt unter Beihilfe durch die Krankenhausgesellschaft zum Bruch der Schweigepflicht aufgerufen: Es ging um einen Brandstifter, der sich möglicherweise bei der Tat verletzt und ärztliche Hilfe gesucht hat. Vergleichbares fand sich vor Jahren, als eine Ärztekammer ihre Mitglieder dazu aufrief, nach dem Fund eines toten Neugeborenen verdächtige Patientinnen zu melden.

In beiden Fällen ging es "nur" um die Strafverfolgung, nicht einmal mehr um das Verhindern der Tat. Wie soll das Plädoyer für die Schweigepflicht überzeugen, wenn solche Aufrufe sich unwidersprochen in den Verlautbarungen "ärztlicher" Institutionen finden?

Dr. M. Holtel
Lüdinghausen

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