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Avatar #115459
am Donnerstag, 20. Oktober 2016 um 04:50

EuGH KIPPT ARZNEI PREISBINDUND

Kommentar zur Nachricht
EuGH kippt Preisbindung für verschreibungs­pflichtige Medikamente
vom Mittwoch, 19. Oktober 2016
Lest mal
Avatar #110206
am Donnerstag, 20. Oktober 2016 um 11:46

möglicherweise hört das Gemauschel jetzt endlich auf

Der EuGH hat eine sehr kluge und richtungsweisende Entscheidung getroffen.
Man kann tatsächlich mit dieser Entscheidung die Hoffnung verknüfen, daß die Mondpreise für viel zu viele Phramaprodukte endlich der Vergangenheit angehören werden.
Auch die absolut undurchsichtigen Krankenkassenrabatte werden überflüssig, sie werden sogar kontraproduktiv sein. Die einzig Leidttragenden werden die großen Krankenkassen sein, die ihre schwarzen Geschäfte nicht mehr mit der Industrie machen können.
Die Industrie muß in einem geeinten Europa aufhören damit, in Deutschland andere Preise anzubieten, als z.B. in Portugal.
Es sind schöne Aspekte.
Was die Apotheken vor Ort angeht, ist das EuGH-Urteil mittelfristig ebenfalls ein Segen. Auch die Apotheken vor Ort dürfen jetzt Medikamente dort einkaufenb, wo sie am preiswertesten sind. Man sollte sich ohnehin verabschieden von der bisher gepflegten Apothekerbeteiligung am Warenumsatz und Pauschalen einführen für das Management rund ums Rezept, die Bestellung, die Beratung. Es würde den Apothekerberuf aufwerten.
Dieses Urteil kann endlich dazu führen, die Pharmaindistrie wegzubringen vom Shareholder-Value, der höher steht als der medizinische Nutzen. Uns Beitragszahler wird es definitiv entlasten.
Avatar #115425
am Donnerstag, 20. Oktober 2016 um 19:39

Hoffentlich irren Sie sich nicht @kairoprax

Es gibt schon genug Schwierigkeiten mit Rabattverträgen. Ich versuche schon seit Wochen ein Medikament von einer Firma zu bekommen mit der die Barmer-GEK einen Vertrag abgeschlossen hat.
Es ist ein Handelsunternehmen, das wiederum einen Hersteller damit beauftragt hat, der aber nicht liefern kann.

Von dem 2. Vertragshändler muss ich fast jede 2. Tablette wegwerfen, da sie sich trotz Teilungsrille weder mit einem Tablettenteiler, noch mit dem Messer in 2 gleiche Stücke teilen kann. Mit den Fingern zu teilen, fast unmöglich. Wenn es nicht beim ersten mal klappt, kann ich sie gleich wegwerfen. Ich vermute sogar dass die Rille nur produktionsbedingt ist.

Auf dem Beipackzettel steht nämlich nicht, dass sie teilbar ist, sondern nur, dass man evtl. mit der Hälfte der Dosierung beginnen sollte. Aber die halbe Dosierung ist als Tablette nicht verfügbar.

Andererseits gibt es Tabletten, die zwar eine wirklich Teilungsrille haben (Phenprocoumon), aber tatsächlich nicht genau brechen.

Ich dachte auch einmal, die Pharmafirmen sind schuld, aber es ist nun mal ein großer Forschungsaufwand nötig. Wenn ich mich nicht irre, erreicht nur jede 100. Entwicklung die Marktreife.

"Chorknaben" sind die Firmen natürlich nicht. Aber erst jetzt wurde ein Medikament entwickelt, bei dem eine unter Umständen tödliche Nebenwirkung nicht auftritt, nämlich eine Q-T-Zeitverlängerung, wie sie bei allen vergleichbaren Medikamten (Psychopharmaka) auftritt. Insbesondere im Zusammenhang mit Amiodaron ist es sehr gefährlich.

Was macht der G-BA? Er erkennt keinen Zusatznutzen und tritt nicht in Preisverhandlungen ein. Insbesondere die Vertreter des Spibu waren dagegen. Beschluss ist Beschluss. So gab es alleine für "meinen" Bereich schon 3 Fehlentscheidungen des G-BA.

Das kommt davon, wenn die Krankenkassen nur aufs Geld schauen und keine Fachkenntnis aufweisen können. Das neue Medikament ist leider zunächst 4 - 5 mal so teuer. Aber so gefährdet man Menschenleben. Irgendwo muss auch der Hersteller von Generika sparen. Mittlerweile hat ich sogar das Gefühl, dass die Wirkstoffäquivalenz auch noch abweicht. Erlaubt sind nämlich zwischen 85 und 125 %. Seriöse Firmen für Generika liegen höchstens bei +/- 5 %.

Apotheken müssen beraten und sollen das auch, ich habe das gestern erst gemerkt, als ich mir Amiodaron geholt habe. Ich musste schon das bisherige Medikament (Sertralin) stark einschränken, bzw. Venlafaxin weglassen. Früher stand auf den Beipackzetteln auch die lieferbare Dosierung und ob sie teilbar sind oder nicht.

Nichts gegen Sparmaßnahmen. Aber die können nach "hinten losgehen". Bei den "Kassenrabatten" ist eigentlich alles klar. Der "preisgünstigste" bekommt den Zuschlag, die Leistungsfähigkeit wird nicht geprüft.

Gestern habe ich erfahren, dass auch bei den Blockbustern "Statine" noch ein Informationsmangel herrscht. Nämlich Atorvastatin vs. Simvastatin. 2005 wurde auch kein Zusatznutzen bescheinigt, weil die Wirkung auf 1: 1 festgesetzt wurde. Dadurch verschreiben heute noch die Ärzte heute noch das scheinbar billigere Simvastatin, statt Atirvastatin. Tatsächliche Wirkung: Atorvastatin ist mehr als doppelt so wirksam, wie Simvastatin und damit billiger mit weniger Wechselwirkungen.

Ich frage mich, wie die Krankenkassen jetzt reagieren. Werden sie jetzt die Apotheken, die beraten auf den "Internetpreis" herunterdrücken?

Gerade die großen werden sich das leisten können, sie machen ja die Zusammenschlüsse gerade deshalb weil sie mehr Marktmacht haben. Was bei den Verträgen dabei rauskommt, muss der Patient wohl ausbaden. Ständig andere Firmen und sogar die Tabletten sind nicht mehr zu vierteln, sondern nur noch zu halbieren. Da lasse ich mir demnächst kleinere Teildosen verschreiben und dann bleiben mir von 14 Teilen einige im Hals stecken.

Bei noch 118 Krankenkassen herrscht so wie so ein Preiskampf. Möglichst schnell die Krankengeldbezieher auf Reha schicken, das zahlt ja dann die RV im allgemeinen, obwohl mitunter keine Rehafähigkeit vorliegt. "Arbeitsfähig" aus Reha entlassen, obwohl der Arzt weiterhin das Gegenteil bescheinigt. Interessiert nicht. Dann gehen die Streitereien los. Widerspruch - ablehnen - Anwalt - doch weiterzahlen, weil für bisherige Tätigkeit AU und keine Verweisungstätigkeit, weil diese erst nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses sein darf. Auch zur Kündigung haben die Krankenkassen schon am Telefon geraten.

In solchen Fällen machen sie die Menschen gesund. In anderen Fällen gehen die Kassenmitarbeiter zu den Ärzten und fragen mal so beiläufig, ob nicht doch eine schwerwiegendere Krankheit vorliegt. Denn dann erhalten sie natürlich mehr aus dem "Topf".

Außerdem täuschen die Preise im Ausland, oft werden diese nämlich von der Regierung subventioniert (weis ich von Frankreich). Also einer zahlt immer die Rechnung.

Mauscheln, dass tun die Krankenkassen bestimmt nicht mit den Pharmafirmen, denn sie drücken die Preise, indem sie bei neuen, weil teuren Medikemanten keinen Zusatznutzen anerkennen. Dann dürfen die Hersteller nur knapp über dem angeblich vergleichbarem Medikament liegen. Einmal es dadurch schon Böhringer Ingelheim ein Antidiabetikum nicht hergestellt hat, weil der G-BA andeutete er sehe keinen Zusatznutzen, obwohl durch dieses neue Medikament die Niere nicht belastet worden wäre. In einem anderen Fall hat die Firma "Lund" den Vertrieb in Deutschland eingestellt. (Vortioxitin, das keine Q-T-Zeit Verlängerung verursacht).

Bald werden die Firmen für Deutschland den Vertrieb von neuen Medikamenten einstellen.

Aber da Sie Arzt sind, erlaube ich mir Sie darauf hinzuweisen (als Patient), dass Sie solche Medikamente auch auf "Kassenrezept" ausstellen dürfen, wenn der Patient das benötigt. Das ist im § 31, Abs. 1, Satz 4 SGB V so festgelegt. Da braucht auch die Kasse nicht vorher gefragt zu werden. Geht auch für Medikamente aus dem Ausland. Ich habe mich da extra (weil Ausland, für Inland habe ich schon Gebrauch davon gemacht) bei der UPD erkundigt. Diese berät die Patienten auch in rechtlicher Hinsicht. Ich bekam gleich dazugesagt, wenn die Kassen das ablehnen, müssen sie Widerspruch einlegen.

Als Arzt müssen Sie damit rechnet, dass Sie von der Kasse wegen Rückfragen deshalb Ihre kostbare Zeit gestohlen bekommen.

Das derzeitige System und Gebaren im Gesundheitswesen wird immer mehr zur "Kloake". Ich habe leider das "Glück" mit Mehrfacherkrankungen und sammele viel Erfahrungen und habe als voll EM-Rentner ein klein wenig mehr Zeit, mich zu informieren.

Aber es ist eine Schande, dass der Spitzenverband Bund als großartiger fachlicher Nicht Wisser das Sagen hat.

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