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Avatar #677446
am Donnerstag, 27. Oktober 2016 um 09:54

Therapiefreiheit und Aufrichtigkeit

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Onkologen: Nutzenbewertung darf Therapiefreiheit nicht einschränken
vom Mittwoch, 26. Oktober 2016
Wer könnte im Ernst gegen Therapiefreiheit sein? Als Patient erwarte ich freilich ehrliche Informationen darüber, was über die mir empfohlenen Methoden der Behandlung bekannt ist. Wenn man mir dann sagt, dass es aus klinischen Studien für eine Chemotherapie keine Belege für einen Zusatznutzen gibt, würde ich sehr hellhörig werden, wenn ein Onkologe sie mir trotzdem empfiehlt. Der Verweis auf die individuelle Indikationsstellung klingt gut, hat aber in der Weise, wie sie der Berufsverbandsvorsitze offenbar vornimmt, nichts mit guter Medizin zu tun. Dann auch noch von jahrelanger Lebensverlängerung zu sprechen, ist mehr als kühn. Es ist sehr zu begrüßen, dass die wissenschaftliche Fachgesellschaft der Hämatologen und Onkologen sich der chosing-wisely-Initiative angeschlossen haben. Dass das Ärztblatt die Aussagen von Herrn Schmitz abdruckt, ist einerseits journalistische Pflicht. Unkommentiert freilich sind diese Aussagen gefährlich.

Prof. Dr. med. Norbert Schmacke
Institut für Public Health und Pflegeforschung
Universität Bremen (ipp.uni-bremen.de)
Avatar #79783
am Donnerstag, 27. Oktober 2016 um 15:55

Eine unzureichende Rechtfertigung

dafür, zugunsten einer minimalen Überlebensverlängerung Gelder zu verbraten, die bei anderen Versicherten eine Lebensverlängerung bewirken könnten. Wieviele Tausende Menschen zugunsten einer fragwürdigen Lebensverlängerung von Krebskranken wegen Einsparungen bei ihrer Behandlung früher sterben müssen, hat noch niemand ausgerechnet... Schnöde Erpressung ist das. Nur weil Onkologen der Mut fehlt, zuzugeben, dass sie oft machtlos sind.
Avatar #115425
am Donnerstag, 27. Oktober 2016 um 17:32

Beim G-BA haben zu viele Medikaemente keinen Zusatznutzen, obwohl dieser vorhanden ist.

Also, das was der G-BA beschließ ist manchmal schlicht kriminell. Manche Medikamente haben sehr wohl einen Zusatznutzen, sogar laut den Leitlinien des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. Diese werden vom G-BA einfach geleugnet.

Selbst wenn nach dem Beschluss Zweifel auftreten, sorgen die Vertreter des Spitzenverbandes Bund der GKV dafür, dass dies (wegen des hohen Preises für neue Medikamente) nicht geschieht.

Ob man bei Krebs noch einmal Chemo machen sollte, nur wegen ein "paar Wochen", das ist eine andere Sache. Davon kommt man jetzt auch ab, wenn es eine schmerzlindernde Medikation auch täte. Aber manchmal soll das Wachstum der Tumore verhindert werden. Sinnvoll kann eine Chemo sein, dass die Schmerzen nicht noch größer werden.

Deshalb Onkologen, wehret Euch bitte.

Ich muss leider immer wieder betonen, dass es noch den § 31 Abs. 1, Satz 4 gibt, nachdem der Arzt die Medikation auf "Kasse" bestimmen darf. Davon habe ich schon gebrauch gemacht und muss es wahrscheinlich in Kürze wieder machen. Aber das weis kein Arzt anscheinend. In Zukunft soll auch noch diese "Betrugssoftware" von der Nutzenbewertung in den Praxen installiert werden.

Der G-BA - zumindest der Spibu - sollte sich ganz raushalten, weil er von Medizin keinerlei Ahnung hat. Aber wie soll man das verhindern? Die Krankenkassen beeinflussen sogar die medizinische Behandlung der Patienten. Leider habe ich kürzlich erfahren, dass sogar die KV Bayern am Telefon meinen Arzt falsch beraten hat. Er sollte 2 Privatrezepte ausstellen und nur jedes 3. Rezept auf Kosten der Kasse. In der Homepage der KVB stand jedoch unter dem Link Medikamente, dass dieses von der Krankenkasse erstattet wird.
Avatar #702827
am Freitag, 28. Oktober 2016 um 09:24

Es geht um Therapieverantwortung und informierte Entscheidungen

Therapiefreiheit wird gerne missverstanden. Ärzte haben eine Therapieverantwortung. Der Nutzen der Behandlung muss für die betroffenen Patienten nachweisbar größer sein als der mögliche Schaden. Selbst dann haben die Patienten nach dem Patientenrechtegesetz ein Anrecht auf eine informierte Entscheidung. Alle Optionen mit Wahrscheinlichkeitsangaben zu Nutzen und Risiken, einschließlich der Möglichkeit von der empfohlenen Behandlung Abstand zu nehmen, müssen in neutraler, verständlicher Form präsentiert werden. Kriterien für die Informationsprozesse wurden vom Deutschen Netzwerk Evidenzbasierte Medizin in der Guten Praxis Gesundheitsinformaitonen (GPGI) formuliert.
Überleben und Lebensqualität bei fortgeschrittenen Krebserkrankungen sind oft besser unter palliativer Behandlung als unter Chemotherapie.
Die Patienten wünschen und haben ein Recht auf Evidenzbasierte medizinische Verfahren.
Avatar #115425
am Freitag, 28. Oktober 2016 um 17:39

@ Ingrid Mühlhauser

Soweit ich informiert bin, hat leider die evidenzbasierte Medizin den Nachteil, dass sie sich in erster Linie auf den Durchschnitt bezieht.

Die individuellen Werte kommen dabei zu kurz.

Aber ansonsten gebe ich Ihnen durchaus recht. Mein Bruder hat das leider mitgemacht. Chemo bis zuletzt. Ob wirklich dadurch das Leiden besser geworden ist, ist fraglich.

Als ihm der Onkologe sagte, dass "wir" 6 Wochen gewonnen haben, meinte er nur: Sie vielleicht, ich nicht.

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