am Montag, 21. August 2017 um 14:20

Abschaffung des Heilpraktikerberufes wie bei den Dentisten?

Kommentar zur Nachricht
Expertengruppe schlägt Reform des Heilpraktikerberufs vor
vom Montag, 21. August 2017
Ein Auszug aus dem zitierten "Memorandum" zur Abschaffung des Heilpraktikerberufes: "Die Abschaffungslösung bestünde darin, den staatlich geschützten Beruf des Heilpraktikers zu annullieren. Als Vorbild könnte dabei die Neustrukturierung der bundesdeutschen Zahnheilkunde im Jahr 1952 dienen. In deren Rahmen wurde der Ausbildungsberuf „Dentist” (Zahntechniker mit nicht-akademischer Weiterbildung) zu Gunsten des akademisch ausgebildeten Zahnarztes abgeschafft." Als 1952 das Zahnheilkundegesetz eingeführt wurde, haben die 15.000 Dentisten allerdings eine 60-stündige qualifizierende Schulung durchlaufen und damit eine ordentliche zahnärztliche Approbation erworben. Machen wir das dann mit den bereits exisitierenden Heilpraktikern genauso? Zusatzkurs und ärztliche Approbation?
am Montag, 21. August 2017 um 23:23

Ekelhafte Lobbyisten-Aktivität um den Heilpraktikerberuf auszurotten!

Geht es der Ärzteschaft derzeit schon sooo schlecht, dass sie sich den Marktanteil der Heilpraktiker unter den Nagel reißen müssen?

Das Argument der Patientengefährdung durch Heilpraktiker beruht auf der Tatsache, dass diese keiner Berufsausbildungsordnung unterliegen und damit keine durch Prüfungen gesicherte Qualifikation aufweisen können.
Allerdings ist es allzu durchsichtig, dass dieses Argument nur vorgeschoben ist, um die eigenen Ziele, nämlich die Vernichtung des Heilpraktikerberuf, zu betreiben:
Als Schein-Beweise für die Notwendigkeit einer entsprechenden Qualifikation werden gebetsmühlenartig Fallbeispiele angeführt, in denen einzelne Heilpraktiker in grober Weise gegen die bestehenden gesetzlichen Vorgaben aus dem Heilpraktikergesetz und dessen Ausführungsverordnung verstoßen haben und damit ihre Patienten gefährdet oder sogar fahrlässig getötet haben. Somit bestehen bereits genügend starke gesetzliche Regelungen, die Tätigkeit von Heilpraktikern angemessen zu begrenzen und ihre Patienten zu schützen. Zusätzliche Regelungen sind daher überflüssig.

Alle weiteren von den selbst ernannten Experten vorgebrachten Argumente beinhalten Annahmen, Beobachtungen und Schlussfolgerungen über die diversen Motivationen von Patienten, die sich für die Beauftragung eines Heilpraktikers entscheiden. Dabei wird umfangreich über das Image eines Heilpraktikers und was dieses Image bei Patienten bewirkt, spekuliert. (siehe hier: https://www.aerzteblatt.de/archiv/192959/Heilpraktikerwesen-Selbstbestimmung-und-Gefahr)
Letztlich ist dies aber der Bereich eines legitimen Marketing, denn Heilpraktiker müssen sich am „freien Markt” behaupten, während die Ärzteschaft aufgrund der Kassensitze und der Überweisungen / Zuweisungen wenig vom rauen Wind des Marktes verspüren. Es wird geradezu der Eindruck erweckt, als würden Heilpraktiker im Rahmen ihres Marketing grundsätzlich falsche und zu hohe Erwartungen bei ihren Patienten / Klienten erzeugen, sodass allein dadurch bereits dem Missbrauch Tür und Tor geöffnet sein würde.

Solch eine Darstellung grenzt an Verleumdung eines ganzen Berufsstand! Heilpraktiker unterliegen genau so wie die Ärzteschaft den strengen Vorschriften des Heilmittelwerbegesetz (HMWG) sowie den Vorschriften des Gesetzes gegen den Unlauteren Wettbewerb (UWG). Wenn sich in der Gesellschaft allmählich immer mehr ein Image zugunsten der Heilpraktiker entwickelt, dann sollte die Ärzteschaft lieber mal darüber nachdenken, welche Korrekturen sie vornehmen müssten, um ihr eigenes Image zu stärken! Eines der gewichtigsten Argumente der Heilpraktiker ist doch, dass sie sich Zeit nehmen für ihre Patienten. (Stichwort „sprechende Medizin”) Hingegen ist eine Arztpraxis aufgrund der harten Vorgaben der Abrechnungskodierung und EBM-Punkte gezwungen, die Minuten zu zählen, die einem Patienten zugestanden werden können, damit die Praxis wirtschaftlich bleibt. Und das spüren die Patienten natürlich!

Abgesehen von diesen Fakten gestatte ich mir einen Blick auf die beiden Vorschläge der sogenannten Expertenkommission (oder besser Lobbyisten-Club?):
Der erste Vorschlag sieht vor, dass es künftig „Fach-Heilpraktiker” geben solle als Zusatzqualifikation für bestehende Gesundheitsfachberufe. Dies bedeutet zwangsläufig zugleich, dass alle derzeit aktiven Heilpraktiker, die keine Ausbildung in einem Gesundheitsfachberuf haben, nicht mehr arbeiten dürfen! Zugleich stellt sich die Frage, welche Vorteile es einem Angehörigen eines Gesundheitsfachberuf bringen sollte, nun auch eine Zusatzqualifikation als „Fach-Heilpraktiker” zu erwerben. Seine Befugnisse werden hierdurch wohl kaum erweitert. Dieser Zusatz-Titel würde die Marktchancen dieser Anbieter kaum verbessern. Letztlich führt dieser Vorschlag dazu, dass es bald keine Heilpraktiker mehr geben wird.
Der zweite Vorschlag ist wenigstens ehrlich, weil er im Klartext die ersatzlose Abschaffung des Heilpraktikerberufs fordert.

Das Ergebnis der Expertenrunde aus Münster sind nicht etwa ihre jetzt veröffentlichten Lösungsansätze, „wie das Heilpraktikerwesen zum Nutzen der Patienten reformiert werden sollte”, sondern ehrlich formuliert: „Wie das Heilpraktikerwesen am besten abgeschafft werden kann”.

Ich arbeite seit über 4 Jahren als Heilpraktiker der Psychotherapie in Rottweil. Gerne hätte ich an so mancher qualifizierter Fortbildung teilnehmen wollen. Aber diese Fortbildungen stehen nur approbierten Psychotherapeuten zur Verfügung. So musste ich mir meine Qualifikation durch Selbststudium von Fachbüchern selbst beibringen. Die Ärzteschaft incl. der Psychotherapeuten schotten sich offensichtlich gründlich ab. Zugleich macht man aber Heilpraktikern den generellen Vorwurf, dass sie keine ständige Fortbildung betreiben würden. – Ganz schön fies, nicht wahr???

Verstehen tue ich das Ganze nicht, wenn ich an Marktanteile im Gesundheitswesen denke: Meine Klienten haben meist keinen GKV-finanzierten Psychotherapieplatz in angemessener Zeit erhalten können. Demnach ist die Nachfrage nach Psychotherapie derart groß, dass den Psychotherapeuten kein Gewinn durch die Tätigkeit von Heilpraktikern entgeht. Und ich wette, bei der Ärzteschaft ist es ebenso!

Clemens M. Hürten - Heilpraktiker der Psychotherapie - Rottweil
am Montag, 21. August 2017 um 23:55

Die Heilpraktiker

rufen doch ständig nach einer geregelten Ausbildug und Prüfungsodnung... für Heilberufe gibt es die aber bereits: Wer professionell Heilkunde ausüben will, muss nur Ausbildung und Prüfungen nach den Vorgaben der Approbationsordnung durchlaufen... niemand wird daran gehindert, Abitur und Studium samt echter Prüfungen zu absolvieren (keine 80-Fragen-Spielereien), wenn er sich zum Heilen berufen fühlt!
Kranke Menschen glauben doch, dass "Heilpraktiker" TATSÄCHLICH eine mediziniche Ausbildung erhalten haben - dabei braucht man nicht einmal Heilpraktiker zu sein, um eine "Heilpraktikerschule" zu betreiben, und die "Überprüfung" durch den Amtsarzt ist kein "Examen"
am Dienstag, 22. August 2017 um 09:04

Sehr kritisch

Ich bin Mitte 50 und inzwischen drei Mal Opfer ärztlicher Kunstfehler geworden. Diese waren teilweise so gravierend, dass für mich daraus lebenslange gesundheitliche Beeinträchtigungen resultieren. In keinem Fall hat einer der behandelnden Ärzte den Anstand besessen für die Folgen seines Tuns einzustehen.

Vor zwei Jahren hatte ich erhebliche gastro-intestinale Beschwerden. Daraufhin habe ich eine entsprechende, an ein Krankenhaus angegliederte Praxis aufgesucht, in der mir ohne Anamnese die behandelnde Ärztin eine Darmspiegelung empfahl, bei der dann auch gleich eventuell vorhandene Divertikel entfernt werden könnten wozu ich doch bitte gleich meine Einwilligung geben solle. Meine vorgetragenen Bedenken und die Frage nach Alternativen interessierten sichtlich nicht.

Daraufhin habe ich eine erfahrene Heilpraktikerin aufgesucht, die meinen Beschwerden auf den Grund gegangen ist. Ich bin seit zwei Jahren beschwerdefrei.

Was nun die Kosten für das Gesundheitswesen anbetrifft: meine Fehlbehandlungen mit den erforderlich gewordenen Folge OPs bzw Rehamassnahmen sind die Versichertengemeinschaft teuer zu stehen gekommen, ganz abgesehen davon, dass sie mich zweimal fast das Leben gekostet hätten.
Meine Heilpraktikerbesuche habe ich selber bezahlt und dafür inkl Medikamente ca € 120 aufgewendet.

Ich bin eine mündige Bürgerin, komme aus einem Arzthaushalt und traue mir durchaus zu, beurteilen zu können, wem ich mich anvertraue und situativ richtig zu handeln.
So zu tun, als kämen nur durch unfähige Heilpraktiker Menschen zu Schaden und nicht durch unfähige Ärzte halte ich für absurd, es zeugt auch von einer völlig unkritischen Selbstwahrnehmung. Ich finde das schlicht atemberaubend.

Wie wäre es mit mehr Selbstkritik und kehren vor der eigenen Tür, bevor man vor der des Nachbarn kehrt?
Wie wäre es ausserdem mit mehr bürgerlicher Selbstbestimmung? Wir brauchen nicht dauernd Jemanden, der es vermeintlich gut mit uns meint und zu unserem Wohl weiter Gesetze und Verordnungen erlässt. Wir können im Zweifelsfall selbst entscheiden, das Recht zum Irrtum inkludiert.
am Dienstag, 22. August 2017 um 13:12

Was ist das Ziel?

Wenn das Ziel der Expertengruppe die Ausbildung ist, dann müsste ein Vorschlag doch folgendermaßen aussehen. Regulieren Sie die Ausbildung und setzen Sie die Zulassungshürden etwas höher. Es gibt in Deutschland ein ausgeprägtes System an Heilpraktikerschulen, an denen die medizinische Ausbildung gelehrt und auf die Prüfung vorbereitet wird. Da einer der Hauptkritikpunkte auf der Ausbildung liegt, sollte man das "so oder so" bereits gelebte in ein Gesetz gießen. Die Ausbildung hat an einer Schule zu erfolgen, die dann auf die Staatliche! Prüfung vorbereitet. Alle anderen Vorschläge, wie abschaffen oder deutlich eingrenzen, zeigt die wahre Intention der Gruppe - sich einer erfologreichen Konkurrenz zu entledigen. Am besten fangen wir einmal bei den 17.000 Ärztefehlern im Jahr an. Warum gibt es in Kliniken keine genormten Checklisten zu Arbeitsabläufen, wie beispielsweise im Cokcpit um Fehler zu vermeiden. Wieso darf ein Assistenzarzt in den moisten Fällen seinem Chefarzt nicht widersprechen, um durch eine Diskussion vielleicht zu einer besseren Lösung zu finden. Vielleicht hilft auch hier ein Blick in einen Beruf der genauso wenig Fehler veträgt - den Pilotenjob. Aber das ist hier ja nicht das Thema. In aller Kürze: Ausbildung kann man starker regulieren (dann wird das bereits gelebte in ein Gesetz gegossen), aber Vorschläge wie abschaffen sind wirklich sehr daneben und lassen die Intention der Verfasser all zu deutlich durchscheinen.

Ich habe bereits ein Studium hinter mir und arbeite erfolgreich in meinem Job. Dennoch verfolge ich mein Interessensgebiet die Medizin über die Heilpraktikerausbildung. Auf die Prüfung bereite ich mich seit 2,5 Jahren vor (Schulbesuch). Aktuell mit einer intensiven Vorbereitung auf die Prüfung. Das ist alles andere als eine einfache Prüfung, die man geschenkt bekommt, sondern erfolgt letzlich durch den Amtsarzt! Ich finde es fast schon erschreckend, wie hier auch die Amtsärzte diskreditiert werden, die die Prüfung ja abnehmen.

Die Regulierung der Ausbildung war ja bereits letztes Jahr schon in Diskussion (aufgrund der Todesfälle, bei der ein HP u.a. gegen das Arzneimittelgesetz verstoßen hatte). Hier gab eine Anhörung, bei der die Ärztekammer gegen eine weitere Regulierung der Ausbildung war, da diese den Beruf ja weiter aufwerten würde und damit weiterhin Konkurrenz machen würde. Ich habe einige Ärzte in meinem Freundeskreis und alle unterstützen meine Ausbildung. Von allen kam die Aussage, dass sie sich dann lieber bei mir behandeln lassen wollen, als von Kollegen. Vielleicht sollte man eher mal die Ökonomisierung des Gesundheitssystem hinterfragen, in dem nur noch Kosten zählen und nicht mehr der Mensch (wie viele Ärzte bezeugen können). Beispielsweise nachzulesen in einem Interview pensionierter Ärzte bei der Süddeutschen.

In Summe wirkt die Veröffentlichung wie ein Hilfeschrei, der deutlich aufzeigt was im regulären Medizinbetrieb falsch läuft. Nur weil Heilprakitiker scheinbar besser auf den Menschen eingehen und mehr und mehr Zulauf haben, obwohl der Patient selbst zahlen muss, kann man doch nicht nach deren Abschaffung verlangen. Vielmehr ware es doch notwendig sich ein mal zu hinterfragen, warum viele Patienten immer mehr und mehr das Vertrauen in die reguläre Medizin verlieren.

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