am Dienstag, 22. August 2017 um 16:25

Vorschlag für eine Reform der Heilpraktikerausbildung

Der "Fach-Heilpraktiker" birgt die Gefahr, daß bestimmte Heilweisen verschwinden, da er auf den Rahmen des zuerst gelernten Berufs zugeschnitten ist. Der Heilpraktiker-Beruf sollte schon während des Dritten Reichs abgeschafft werden. Bedingung dafür war, daß die Ärzteschaft alternative Heilweisen übernimmt. Das ist m.E. bisher nur unzureichend geschehen. Der Grund dafür ist ein einseitiges Wissenschaftsverständnis, das die persönliche Erfahrung zugunsten mechanistischer Modelle abwertet. Gerade spirituelle Heilweisen werden als "Esoterik" abgestempelt, obwohl auch sie wissenschaftlich untersucht werden könnten. Falls das doch geschieht, scheitern Versuchsanordnungen häufig an fehlender Reproduzierbarkeit, da man im spirituellen Bereich stärker als im physischen Bereich mit Kräften in Berührung kommt, die sich der Kontrolle entziehen.

Die bisherige Heilpraktikerausbildung ist unzureichend, da lediglich schulmedizinisches Wissen vermittelt wird, mit der Absicht, dadurch die Erkennung eventueller Gefahren für den Patienten zu ermöglichen. Es ist ungefähr so, wie wenn zur Erlangung des Führerscheins nur theoretisches Wissen abgefragt, aber keine Fahrausbildung gegeben und keine Fahrprüfung durchgeführt würde.

Dabei gibt es an den Heilpraktikerschulen bereits zahlreiche Fachausbildungen, deren Besuch aber für die Erlangung der Heilpraktikererlaubnis nicht vorgeschrieben ist und für die es auch keine staatliche Prüfung (durch die Gesundheitsämter) gibt.

Deshalb mein Vorschlag: Die Heilpraktikerprüfung wird insofern erweitert, als die Heilpraktiker dem Amtsarzt anhand von Kommilitonen als Klienten vorführen, wie sie später arbeiten wollen. Das bisherige Multiple-Choice-Verfahren zur Überprüfung schulmedizinischen Wissens wird entweder dem ärztlichen Standard angepaßt (also dieselben Fragen und Antworten für alle, die öffentlich zugänglich sind wie die Fragebögen für die schriftliche Fahrprüfung) - oder abgeschafft.

Ich denke, daß sich das schulmedizinische Wissen n i c h t dafür eignet, nach Multiple-Choice-Manier geprüft zu werden, da die Wirklichkeit komplexer als die möglichen Antworten ist, die zur Wahl stehen. Zum Beispiel gibt es über die Nützlichkeit das Impfens verschiedene Auffassungen. Dasselbe gilt für die Zusammenfassung von Symptomen zu Krankheitsbildern, v.a. bei psychischen Störungen und erst recht für die Auswahl der Therapiemethoden, die für Heilpraktiker einerseits beschränkter ist als für Ärzte, andererseits Optionen enthält, die von Ärzten zwar als "unwissenschaftlich" klassifiziert werden, aber trotzdem helfen bis heilen können.

Der Vorteil einer staatlichen Überprüfung der therapeutischen Fähigkeiten der Heilpraktikeranwärter liegt in der Gleichstellung mit anderen Gesundheitsfachberufen, für die es eine Kassenzulassung gibt, die dann auch für Heilpraktiker möglich wäre.

Die Diskussion über die Grenzen der Behandlungsmöglichkeiten muß sowieso ärztliche und heilpraktische Therapiemethoden gleichermaßen umfassen. Wünschenswert wäre m.E. eine organisierte Zusammenarbeit von Ärzten und Heilpraktikern unter eindeutiger Trennung der Verantwortungsbereiche.
am Dienstag, 22. August 2017 um 21:28

Ich verstehe die Heilpraktiker/innen nicht

Zum Beispiel Clemens-X am Montag, 21. August 2017, 23:23

Da startet eine Initiative, den Heilprakterberuf aus dem rechtlichen und medizinischen Zwielicht herauszuholen, die Ausbildung staatlich zu regeln usw., und anstatt die ausgestreckte Hand zu ergreifen, schlagen viele von denen, die sich öffentlich äußern, haltlos und unter Ausstoß wüstester Beschimpfungen um sich.

Es kann doch nicht sein, dass der gesamte Heilpraktikerstand hinter diesem Gebrüll steht?

Zumal, jetzt wieder bezogen auf Clemens-X, ein Teil seiner Kritik am Medizinbetrieb ja schon in der Münsteraner Erklärung aufgegriffen wird, z.B. das problematische Vergütungssystem.

Wenn ich dann aber lese, dass der Kommentator seine psychotherapeutischen Kenntnisse und Fähigkeiten im Selbststudium erworben hat, verstehe ich es etwas besser. Psychotherapeuten sind aus gutem Grund vollausgebildete Ärzte. Würden Sie Ihre Frau zu einem Gynokologen schicken, der seine Kenntnisse im Selbststudium erworben hat? Oder sich selbst einer Operation bei einem ebensolchen Chirurgen unterziehen?

Ich denke, den Münsteranern geht es genau um Leute wie Sie.
am Dienstag, 22. August 2017 um 23:37

Nationalsozialistisches Strandgut

Allein die Anwesenheit der Heilpraktikant*Innen mit ihrem esoterischen Dünkel sind ein Tritt vor den Bauch der übrigen Heilberufe, die eine dreijährige Ausbildung mit einem staatlich qualifizierten Abschluß absolviert haben, verbunden mit einer kontinuierlichen Fortbildungspflicht. Die Option eines Fach-Heilspraktikanten ist eine weitere Verballhornung des deutschen Gesundheitswesen. Das Heilspraktikertum gehört abgeschafft. Die Heilpraktiker sollen etwas vernünftiges lernen und dann einem ehrlichen Beruf nachgehen.
am Mittwoch, 23. August 2017 um 12:06

Ein Mediziner ist einer, der Medizin studiert hat!

Für uns Ärzte ist es ein großes Ärgernis, dass unqualifizierte Heilpraktiker weitgehend unkontrolliert ihr Unwesen treiben dürfen, während wir im Vorschriftendschungel ersticken und dabei die Zeit verlieren, die wir eigentlich unseren Patienten widmen sollten.
Der Ärger beginnt schon damit, dass HP sich „Alternativ-Mediziner“ nennen, was ja so klingt, als hätten sie Medizin studiert. In Wirklichkeit verfügen viele davon lediglich über eine Schmalspurausbildung, auf deren Basis sie dann rätselhafterweise völlig ungestört Doktor spielen dürfen. Richtig aber ist, dass Naturheilverfahren und „sanfte Medizin“ einen durchaus berechtigten Platz in einem ganzheitlichen Medizinansatz haben. Und dafür gibt es eben den Arzt für Naturheilverfahren, der nach 6 Jahren Medizinstudium eine entsprechende Spezialausbildung durchlaufen hat. Richtig ist auch, dass das Geschäftsmodell der HP darauf beruht, dass sie sich Zeit nehmen können, was Vertrauen schafft und damit den Grundstein für Selbstheilungsprozesse legt, welche die HP dann als ihren Verdienst beanspruchen. Daraus ergibt sich dann auch die Lösung des Problems: Die Möchtegern-Mediziner gehören in der Tat abgeschafft und durch Ärzte für Naturheilverfahren ersetzt. Und das so eminent wichtige ärztliche Gespräch muss endlich so gut vergütet werden, dass auch wir uns die Zeit nehmen können, die unsere Patienten verdienen.
am Donnerstag, 24. August 2017 um 07:44

@Gunthard Heller

Ich finde Ihre Vorschläge sehr gut. Sachlich und zielführend. So könnte man es machen.

Leider wird es so nicht kommen. Die "Expertengruppe ohne Experten" verfolgt offensichtlich nicht das Ziel, Heilpraktiker zu einer qualifizierteren Berufsgruppe zu machen. Diese Gruppe zielt eindeutig nur darauf ab, den Heilpraktiker in der Öffentlichkeit zu diffamieren. Warum sonst finden sich im Memorandum so viele sachliche und rechtliche Falschaussagen? Warum sonst ist dieses Memorandum so populistisch verfasst? Warum wurde kein einziger Vertreter der Heilpraktikerverbände angehört? Das Ganze hat den Charakter einer Hetzschrift, um unliebsame Konkurrenz loszuwerden. Die Gelegenheit ist günstig, bald sind Bundestagswahlen.

Eine Aufwertung des Heilpraktikerberufes ist nicht gewünscht. Er soll weg, er muss weg, bevor er noch mehr finanziellen Schaden in den Arztpraxen anrichtet. Denn hauptsächlich da liegt die Gefahr der Heilpraktiker, sie sind schlicht unliebsame Konkurrenz.

Wie gefährlich Heilpraktiker tatsächlich sind, lässt sich sicher auch an der Höhe der Kosten für Berufshaftpflicht festmachen. Sie liegt bei Heilpraktikern bei ca. 10 € monatlich. Das eine Versicherung die Prämie anhand des Schadenaufkommens festmacht, wird wohl jeder wissen.

Zusätzlich empfehle ich die Lektüre des Berichtes "Ungeduldige Ärzte, falsche Anreize", die man über Google finden kann.

Kurzum, Heilpraktiker helfen vielen Menschen. Und es ist ein Irrglaube, dass nach dem geforderten Verbot die ganzen "abtrünnigen" Patienten wieder zu ihren Ärzten laufen, die ihnen vorher auch schon nicht helfen konnten. Es seihe denn, die Ärzteschaft böte auf einmal auch ein naturheilkundliches Angebot. Ein Schelm, wer dann rein finanzielle Interessen dahinter vermutet. Was denken sich die Experten eigentlich, wie dumm die Patienten sind, dass man sie auf diesem Wege einfach entmündigen könnte?

Jeder seriöse Heilpraktiker arbeitet gerne und aufgeschlossen mit dem Arzt des jeweiligen Patienten zusammen. Und oft klappt das auch ganz hervorragend, zum Wohle des Patienten. Anscheinend hat die Münsteraner "Expertengruppe" ihre Hausaufgaben eher schlecht bis gar nicht gemacht. Das ist echt peinlich.

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Expertengruppe schlägt Reform des Heilpraktikerberufs vor
vom Montag, 21. August 2017

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