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am Donnerstag, 24. August 2017 um 19:53

Würdeloses HeilprG!

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Bundespsychothe­rapeutenkammer will heilpraktischen Psychotherapeuten abschaffen
vom Donnerstag, 24. August 2017
Die Problematik der drei Todesfälle bei einem Heilpraktiker in einer alternativen Krebsklinik im Jahr 2016 nahe der niederländischen Grenze unter Anwendung des Präparates „3-Bromopyruvat“ als experimentelle allopathische Chemotherapie von Krebskranken war nicht – wie irrtümlich von medizin- und bildungsfremden Kreisen in Aufsichtsbehörden, Verwaltung, Gesundheitswesen und Jurisprudenz angenommen – die Homöopathie.
Die Homöopathie als Behandlungsmethode bezieht sich in der Regel auf Krankheiten, Gesundheits- und Befindlichkeitsstörungen, die mit oder ohne Therapie auch spontan von selbst ausheilen können. Unter diesem „Schutzschirm“ ist und bleibt diese „besondere Therapierichtung“ (SGB V) in der Bevölkerung beliebt und wird meist unproblematisch und unkritisch betrachtet.

Völlige Überschätzung der eigenen Fähigkeiten
Das Hauptproblem bei dem onkologischen Sterbedrama in NRW waren übermotivierte, in „illusionärer Verkennung“ ihrer Fähigkeiten und Begrenzungen ebenso invasiv und interventionell wie notfallmedizinisch inkompetent arbeitende Heilpraktiker gewesen. Dabei sollte eigentlich gelten: Alle – inklusive der Ärzteschaft – sollten ihre professionellen Grenzen kennen! Geschützt werden hier Heilpraktiker-Scharlatane, die es im Übrigen unter Ärzten ebenfalls geben kann, durch eine weltweit einmalige juristische Fiktivkonstruktion: Akademisch grundlagen-orientiert, pathophysiologisch, klinisch und in der Praxis ausgebildete Ärzte werden mit „Erfahrungsheilern“ ohne wissenschaftlich fundierte Ausbildung nahezu gleichgestellt.

Entwertung der ärztlichen Ausbildung
Darum ist das Heilpraktikergesetz als „HeilprG“ einfach nur würdelos! Es entwertet Abitur und Vollstudium Humanmedizin, PJ und klinische Fachausbildung. Es zieht die Befähigung zur Ausübung der Heilkunde als sogenannte „Heilkunde-Erlaubnis“ und „Heilkunde-Privileg“ ins Lächerliche. Das kann man auch billiger haben: Einfach den „Heilpraktiker“ ohne zusätzliche Berufsausbildung machen! Dann kann man sich nach Herzenslust an Patienten als freiwilligen Versuchskaninchen austoben; wird damit jedoch genauso entwertet.

Hilfe aus dem Ministerium
Und wer hilft einem dabei, ohne störende Ausbildungshürden, ohne lästiges Arztregister, Bundes- und Landesärztekammern, Weiterbildungs- und Fortbildungspflichten, Berufsordnungen bzw. weitere staatliche Kontroll- und Aufsichtsbehörden? Ein völlig unbedarftes „Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz“ mit einem geradezu „bahnbrechenden“ Heilpraktikergesetz von 1939, das auch noch weitschweifig und kommentarlos im Internet präsentiert wird:
„Gesetz über die berufsmäßige Ausübung der Heilkunde ohne Bestallung (Heilpraktikergesetz), HeilprG, Ausfertigungsdatum: 17.02.1939
„Heilpraktikergesetz in der im Bundesgesetzblatt Teil III, Gliederungsnummer 2122-2, veröffentlichten bereinigten Fassung, das zuletzt durch Artikel 15 des Gesetzes vom 23. Oktober 2001 (BGBl. I S. 2702) geändert worden ist“. [...] Die Reichsregierung hat das folgende Gesetz beschlossen, das hiermit verkündet wird:
§ 1 (1) Wer die Heilkunde, ohne als Arzt bestallt zu sein, ausüben will, bedarf dazu der Erlaubnis.
(2) Ausübung der Heilkunde im Sinne dieses Gesetzes ist jede berufs- oder gewerbsmäßig vorgenommene Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Krankheiten, Leiden oder Körperschäden bei Menschen, auch wenn sie im Dienste von anderen ausgeübt wird.
(3) Wer die Heilkunde bisher berufsmäßig ausgeübt hat und weiterhin ausüben will, erhält die Erlaubnis nach Maßgabe der Durchführungsbestimmungen; er führt die Berufsbezeichnung
„Heilpraktiker“.
§ 2 (1) Wer die Heilkunde, ohne als Arzt bestallt zu sein, bisher berufsmäßig nicht ausgeübt hat, kann eine Erlaubnis nach § 1 in Zukunft ... erhalten.
(2) Wer durch besondere Leistungen seine Fähigkeit zur Ausübung der Heilkunde glaubhaft macht, wird auf Antrag des Reichsministers des Innern durch den Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung unter erleichterten Bedingungen zum Studium der Medizin zugelassen, sofern er seine Eignung für die Durchführung des Medizinstudiums nachweist.
§ 3 Die Erlaubnis nach § 1 berechtigt nicht zur Ausübung der Heilkunde im Umherziehen.
§ 4 und § 5 Wer, ohne zur Ausübung des ärztlichen Berufs berechtigt zu sein und ohne eine Erlaubnis nach § 1 zu besitzen, die Heilkunde ausübt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.
§ 5a (1) Ordnungswidrig handelt, wer als Inhaber einer Erlaubnis nach § 1 die Heilkunde im Umherziehen ausübt.
(2) Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße bis zu zweitausendfünfhundert Euro geahndet werden.
§ 6 (1) Die Ausübung der Zahnheilkunde fällt nicht unter die Bestimmungen dieses Gesetzes.
(2)Eingangsformel
§ 7 Der Reichsminister des Innern erläßt ... die zur Durchführung ... dieses Gesetzes erforderlichen Rechts- und Verwaltungsvorschriften.
§ 8 (1) Dieses Gesetz tritt am Tag nach der Verkündung in Kraft.
(2) Gleichzeitig treten § 56a Abs. 1 Nr. 1 und § 148 Abs. 1 Nr. 7a der Reichsgewerbeordnung, soweit sie sich auf die Ausübung der Heilkunde im Sinne dieses Gesetzes beziehen, außer Kraft.“

Juristische Nazi-Propaganda im 21. Jahrhundert?
Das ist nicht nur übelste juristische Nazi-Propaganda einer demokratisch gewählten Deutschen Bundesregierung des 21. Jahrhunderts. Das ist auch ein Schlag ins Gesicht aller staatsexaminierten Ärzte, die auf hohem professionellen Standard ihre ärztliche Profession ausüben. Es entwertet ihre universitäre, theoretisch und praktisch orientierte, klinische und ambulante, wissenschaftliche und versorgungsmedizinische Ausbildung und beschädigt die rechtliche Bedeutung der Erteilung einer Heilkunde-Erlaubnis mit sogenannter „Bestallung“.
Und dies vor dem Hintergrund, dass ein HeilprG auch noch unter „Sieg Heil“-Rufen von Nazi-Schergen, die damit die Ausrottung und Vertreibung von jüdischen Ärzten und jüdischen Patienten bejubelten, verabschiedet wurde. Der Deutschen Reichsregierung fehlten Ärzte an allen Ecken und Enden, die wenigen weiblichen wurden meistens gar nicht für voll genommen: An den Kriegsfronten, in den Lazaretten, in den Akutkliniken, in den Praxen in Stadt und Land.

Das ist die eigentliche Entstehungsgeschichte dieses m. E. würdelosen und schändlichen Heilpraktiker-Gesetzes!

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #99598
am Donnerstag, 24. August 2017 um 20:05

Ist der Virus der Anti-Heilpraktikerkampagne jetzt auch auf die Psychotherapeuten gesprungen?

Nachdem bereits hier im Ärzteblatt eine umfangreiche Diskussion stattfindet und ich mich über die einen ganzen Berufsstand verleumdende und diffamierende Kampagne der „Münsteraner Expertengruppe” erregt hatte:
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/77728/Expertengruppe-schlaegt-Reform-des-Heilpraktikerberufs-vor#comment27449
platzt mir bei diesem Artikel der Kragen! Wer derart mit der Keule ausholt, hat es nicht anders verdient:

1.) Die durchschnittliche Wartezeit auf einen Psychotherapieplatz beträgt zwischen 9 und 12 Monate!
Angesichts dieser in mehreren Stellungnahmen der Bundes­psycho­therapeuten­kammer bestätigten Tatsache hier zu schreiben: „stehen genügend hochqualifizierte appro­bierte Psychotherapeuten zur Verfügung, sodass Patienten nicht auf Angebote von Heilpraktikern zurückgreifen müssen“... ist absolut grotesk!
Aber halt! Bei der Kritik an den Wartezeiten ging es um das (IMHO berechtigte) Eigeninteresse der Psychotherapeuten, mehr Kassenplätze zu erhalten. Jetzt geht es aber darum, Krieg gegen die Heilpraktiker zu führen!

2.) Im og. Artikel meint der BDP: ...„reichen diese Ausbildungen keinesfalls aus, um kompetent und gefahrenfrei psychologische Beratung oder gar Psychotherapie ausüben zu können...“

OK, Ihr habt es nicht anders gewollt - hier meine Antwort:
Nennen wir konkret einige Beispiele aus meiner Praxis:

Eine approbierte Psychotherapeutin fauchte mich am Telefon an, wenn ich glaubte, ich könnte die gleiche Leistung erbringen wie sie, die dafür über 11 Jahre Studium und Fach-Ausbildung gemacht hätte, dann wär ich schief gewickelt.
Eine stark depressive Klientin, die zuvor bei dieser Therapeutin in Behandlung war, wurde von dieser nicht nach Suizidalität gefragt! Mit diesem „Kunstfehler” hätte die approbierte Kollegin nicht mal die Heilpraktikerprüfung bestanden!

Ein depressiver Klient, der in Begleitung seiner Frau in meine Praxis kam, berichtete von einer probatorischen Stunde bei einem Psychiater, der nach ca. 15 Minuten Gesprächsdauer seine Nagelpfeile hervor holte. Als sein Patient daraufhin schwieg, ermunterte der Psychiater ihn: „Erzählen Sie ruhig weiter, ich höre schon noch zu!”

Eine depressive Klientin erhielt über eine Psychiaterin seit drei Jahren hochdosiertes Citalopram und litt unter extremer Gewichtszunahme, Hitzewallungen und Schwindel. In diesen drei Jahren lag das Rezept für die jeweils nächste Schachtel nach telefonischer Bitte der Klientin in der Praxis zur Abholung bereit. In den drei Jahren erfolgte keine weitere Therapie. Die Psychiaterin, die hier in Rottweil (gerade in Fachkreisen!) wegen ihrer äußerst freigiebigen Verordnungspraxis unter der Hand als „Drogenlieferant Nr.1” bezeichnet wird, hat in diesen drei Jahren niemals ein Blutbild und ein EKG machen lassen! Und dies ist definitiv kein Einzelfall.

Einer Klientin, dessen Problematik sich mir gemäß F61 eindeutig darstellte, wurde durch das Gutachten eines verantwortungslosen Psychiaters jegliche Psychotherapie verweigert, da die Klientin angeblich vorrangig an ADHS leide, aber nicht „krankheitseinsichtig” sei. Solange diese Krankheitseinsicht fehle, könne keine Psychotherapie Erfolg haben. Nach etwa einjähriger Therapie in meiner Praxis war die Klientin erfolgreich und nachhaltig therapiert.

Vier Klientinnen, eine mit PTBS (F43), eine mit PTBS (F43) in Verbindung mit F61, zwei mit Borderline haben über Jahre hinweg keinen Psychotherapeuten in Rottweil und 30km Umgebung gefunden. Über eine befreundete Psychotherapeutin erfuhr ich, dass es leider viele Kollegen gäbe, die angesichts voller Wartelisten lieber „leichtere” Fälle nehmen, die weniger Arbeit machen.

Mir geht es nicht um „Kollegen-Bashing”. Aber wenn ständig negative Beispiele von Heilpraktiker-Verfehlungen publiziert werden und die Ausbildung als mangelhaft kritisiert wird, dann darf ich sicher ausnahmsweise fünf Beispiele nennen, bei denen die angeblich so wertvolle Ausbildung (deren Inhalt und Aufbau im Übrigen von den Psychotherapeuten selbst kritisiert wird!) offensichtlich nicht vor elementaren Fehlern bewahrt hat und auch die angeblich ständig geprüfte Fortbildung nichts genützt hat.

Wenn ich jetzt noch an den rein medizinischen Bereich denke, dann wird mir z.B. angesichts der extremen Hygieneprobleme in deutschen Kliniken (MRSA in Verbindung mit Kostendruck, Personalabbau und Shareholder-Value) ganz schlecht. (Die Ärzteschaft könnte sich ja wehren!)

Ich wünsche mir eine kollegiale Zusammenarbeit, bei der jeder die Arbeit des anderen respektiert und jeder seine eigenen Grenzen beachtet – zum Wohle der Patienten: Primum nihil nocere, secundum bene facer

Clemens M. Hürten – Heilpraktiker der Psychotherapie – Rottweil
Avatar #99598
am Donnerstag, 24. August 2017 um 20:06

Ist der Virus der Anti-Heilpraktikerkampagne jetzt auch auf die Psychotherapeuten gesprungen?

Nachdem bereits hier im Ärzteblatt eine umfangreiche Diskussion stattfindet und ich mich über die einen ganzen Berufsstand verleumdende und diffamierende Kampagne der „Münsteraner Expertengruppe” erregt hatte:
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/77728/Expertengruppe-schlaegt-Reform-des-Heilpraktikerberufs-vor#comment27449
platzt mir bei diesem Artikel der Kragen! Wer derart mit der Keule ausholt, hat es nicht anders verdient:

1.) Die durchschnittliche Wartezeit auf einen Psychotherapieplatz beträgt zwischen 9 und 12 Monate!
Angesichts dieser in mehreren Stellungnahmen der Bundes­psycho­therapeuten­kammer bestätigten Tatsache hier zu schreiben: „stehen genügend hochqualifizierte appro­bierte Psychotherapeuten zur Verfügung, sodass Patienten nicht auf Angebote von Heilpraktikern zurückgreifen müssen“... ist absolut grotesk!
Aber halt! Bei der Kritik an den Wartezeiten ging es um das (IMHO berechtigte) Eigeninteresse der Psychotherapeuten, mehr Kassenplätze zu erhalten. Jetzt geht es aber darum, Krieg gegen die Heilpraktiker zu führen!

2.) Im og. Artikel meint der BDP: ...„reichen diese Ausbildungen keinesfalls aus, um kompetent und gefahrenfrei psychologische Beratung oder gar Psychotherapie ausüben zu können...“

OK, Ihr habt es nicht anders gewollt - hier meine Antwort:
Nennen wir konkret einige Beispiele aus meiner Praxis:

Eine approbierte Psychotherapeutin fauchte mich am Telefon an, wenn ich glaubte, ich könnte die gleiche Leistung erbringen wie sie, die dafür über 11 Jahre Studium und Fach-Ausbildung gemacht hätte, dann wär ich schief gewickelt.
Eine stark depressive Klientin, die zuvor bei dieser Therapeutin in Behandlung war, wurde von dieser nicht nach Suizidalität gefragt! Mit diesem „Kunstfehler” hätte die approbierte Kollegin nicht mal die Heilpraktikerprüfung bestanden!

Ein depressiver Klient, der in Begleitung seiner Frau in meine Praxis kam, berichtete von einer probatorischen Stunde bei einem Psychiater, der nach ca. 15 Minuten Gesprächsdauer seine Nagelpfeile hervor holte. Als sein Patient daraufhin schwieg, ermunterte der Psychiater ihn: „Erzählen Sie ruhig weiter, ich höre schon noch zu!”

Eine depressive Klientin erhielt über eine Psychiaterin seit drei Jahren hochdosiertes Citalopram und litt unter extremer Gewichtszunahme, Hitzewallungen und Schwindel. In diesen drei Jahren lag das Rezept für die jeweils nächste Schachtel nach telefonischer Bitte der Klientin in der Praxis zur Abholung bereit. In den drei Jahren erfolgte keine weitere Therapie. Die Psychiaterin, die hier in Rottweil (gerade in Fachkreisen!) wegen ihrer äußerst freigiebigen Verordnungspraxis unter der Hand als „Drogenlieferant Nr.1” bezeichnet wird, hat in diesen drei Jahren niemals ein Blutbild und ein EKG machen lassen! Und dies ist definitiv kein Einzelfall.

Einer Klientin, dessen Problematik sich mir gemäß F61 eindeutig darstellte, wurde durch das Gutachten eines verantwortungslosen Psychiaters jegliche Psychotherapie verweigert, da die Klientin angeblich vorrangig an ADHS leide, aber nicht „krankheitseinsichtig” sei. Solange diese Krankheitseinsicht fehle, könne keine Psychotherapie Erfolg haben. Nach etwa einjähriger Therapie in meiner Praxis war die Klientin erfolgreich und nachhaltig therapiert.

Vier Klientinnen, eine mit PTBS (F43), eine mit PTBS (F43) in Verbindung mit F61, zwei mit Borderline haben über Jahre hinweg keinen Psychotherapeuten in Rottweil und 30km Umgebung gefunden. Über eine befreundete Psychotherapeutin erfuhr ich, dass es leider viele Kollegen gäbe, die angesichts voller Wartelisten lieber „leichtere” Fälle nehmen, die weniger Arbeit machen.

Mir geht es nicht um „Kollegen-Bashing”. Aber wenn ständig negative Beispiele von Heilpraktiker-Verfehlungen publiziert werden und die Ausbildung als mangelhaft kritisiert wird, dann darf ich sicher ausnahmsweise fünf Beispiele nennen, bei denen die angeblich so wertvolle Ausbildung (deren Inhalt und Aufbau im Übrigen von den Psychotherapeuten selbst kritisiert wird!) offensichtlich nicht vor elementaren Fehlern bewahrt hat und auch die angeblich ständig geprüfte Fortbildung nichts genützt hat.

Wenn ich jetzt noch an den rein medizinischen Bereich denke, dann wird mir z.B. angesichts der extremen Hygieneprobleme in deutschen Kliniken (MRSA in Verbindung mit Kostendruck, Personalabbau und Shareholder-Value) ganz schlecht. (Die Ärzteschaft könnte sich ja wehren!)

Ich wünsche mir eine kollegiale Zusammenarbeit, bei der jeder die Arbeit des anderen respektiert und jeder seine eigenen Grenzen beachtet – zum Wohle der Patienten: Primum nihil nocere, secundum bene facer

Clemens M. Hürten – Heilpraktiker der Psychotherapie – Rottweil
Avatar #99598
am Donnerstag, 24. August 2017 um 20:08

Anti-Heilpraktikerkampagne jetzt auch bei Psychotherapeuten?

Nachdem bereits hier im Ärzteblatt eine umfangreiche Diskussion stattfindet und ich mich über die einen ganzen Berufsstand verleumdende und diffamierende Kampagne der „Münsteraner Expertengruppe” erregt hatte:
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/77728/Expertengruppe-schlaegt-Reform-des-Heilpraktikerberufs-vor#comment27449
platzt mir bei diesem Artikel der Kragen! Wer derart mit der Keule ausholt, hat es nicht anders verdient:

1.) Die durchschnittliche Wartezeit auf einen Psychotherapieplatz beträgt zwischen 9 und 12 Monate!
Angesichts dieser in mehreren Stellungnahmen der Bundes­psycho­therapeuten­kammer bestätigten Tatsache hier zu schreiben: „stehen genügend hochqualifizierte appro­bierte Psychotherapeuten zur Verfügung, sodass Patienten nicht auf Angebote von Heilpraktikern zurückgreifen müssen“... ist absolut grotesk!
Aber halt! Bei der Kritik an den Wartezeiten ging es um das (IMHO berechtigte) Eigeninteresse der Psychotherapeuten, mehr Kassenplätze zu erhalten. Jetzt geht es aber darum, Krieg gegen die Heilpraktiker zu führen!

2.) Im og. Artikel meint der BDP: ...„reichen diese Ausbildungen keinesfalls aus, um kompetent und gefahrenfrei psychologische Beratung oder gar Psychotherapie ausüben zu können...“

OK, Ihr habt es nicht anders gewollt - hier meine Antwort:
Nennen wir konkret einige Beispiele aus meiner Praxis:

Eine approbierte Psychotherapeutin fauchte mich am Telefon an, wenn ich glaubte, ich könnte die gleiche Leistung erbringen wie sie, die dafür über 11 Jahre Studium und Fach-Ausbildung gemacht hätte, dann wär ich schief gewickelt.
Eine stark depressive Klientin, die zuvor bei dieser Therapeutin in Behandlung war, wurde von dieser nicht nach Suizidalität gefragt! Mit diesem „Kunstfehler” hätte die approbierte Kollegin nicht mal die Heilpraktikerprüfung bestanden!

Ein depressiver Klient, der in Begleitung seiner Frau in meine Praxis kam, berichtete von einer probatorischen Stunde bei einem Psychiater, der nach ca. 15 Minuten Gesprächsdauer seine Nagelpfeile hervor holte. Als sein Patient daraufhin schwieg, ermunterte der Psychiater ihn: „Erzählen Sie ruhig weiter, ich höre schon noch zu!”

Eine depressive Klientin erhielt über eine Psychiaterin seit drei Jahren hochdosiertes Citalopram und litt unter extremer Gewichtszunahme, Hitzewallungen und Schwindel. In diesen drei Jahren lag das Rezept für die jeweils nächste Schachtel nach telefonischer Bitte der Klientin in der Praxis zur Abholung bereit. In den drei Jahren erfolgte keine weitere Therapie. Die Psychiaterin, die hier in Rottweil (gerade in Fachkreisen!) wegen ihrer äußerst freigiebigen Verordnungspraxis unter der Hand als „Drogenlieferant Nr.1” bezeichnet wird, hat in diesen drei Jahren niemals ein Blutbild und ein EKG machen lassen! Und dies ist definitiv kein Einzelfall.

Einer Klientin, dessen Problematik sich mir gemäß F61 eindeutig darstellte, wurde durch das Gutachten eines verantwortungslosen Psychiaters jegliche Psychotherapie verweigert, da die Klientin angeblich vorrangig an ADHS leide, aber nicht „krankheitseinsichtig” sei. Solange diese Krankheitseinsicht fehle, könne keine Psychotherapie Erfolg haben. Nach etwa einjähriger Therapie in meiner Praxis war die Klientin erfolgreich und nachhaltig therapiert.

Vier Klientinnen, eine mit PTBS (F43), eine mit PTBS (F43) in Verbindung mit F61, zwei mit Borderline haben über Jahre hinweg keinen Psychotherapeuten in Rottweil und 30km Umgebung gefunden. Über eine befreundete Psychotherapeutin erfuhr ich, dass es leider viele Kollegen gäbe, die angesichts voller Wartelisten lieber „leichtere” Fälle nehmen, die weniger Arbeit machen.

Mir geht es nicht um „Kollegen-Bashing”. Aber wenn ständig negative Beispiele von Heilpraktiker-Verfehlungen publiziert werden und die Ausbildung als mangelhaft kritisiert wird, dann darf ich sicher ausnahmsweise fünf Beispiele nennen, bei denen die angeblich so wertvolle Ausbildung (deren Inhalt und Aufbau im Übrigen von den Psychotherapeuten selbst kritisiert wird!) offensichtlich nicht vor elementaren Fehlern bewahrt hat und auch die angeblich ständig geprüfte Fortbildung nichts genützt hat.

Wenn ich jetzt noch an den rein medizinischen Bereich denke, dann wird mir z.B. angesichts der extremen Hygieneprobleme in deutschen Kliniken (MRSA in Verbindung mit Kostendruck, Personalabbau und Shareholder-Value) ganz schlecht. (Die Ärzteschaft könnte sich ja wehren!)

Ich wünsche mir eine kollegiale Zusammenarbeit, bei der jeder die Arbeit des anderen respektiert und jeder seine eigenen Grenzen beachtet – zum Wohle der Patienten: Primum nihil nocere, secundum bene facer

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