DÄ plusForenKommentare NewsKeine inhaltliche Argumentation der DPtV

Kommentare News

Kommentare News

Alle Kommentare zu Online-News

Avatar #37218
am Montag, 18. September 2017 um 20:16

Keine inhaltliche Argumentation der DPtV

Kommentar zur Nachricht
Psychotherapeuten­verband will über Reform aufklären
vom Montag, 18. September 2017
Die Beherrschung eines wissenschaftlich anerkannten Verfahrens soll in Zukunft für psychologische Psychotherapeuten nicht mehr als Voraussetzung der Berufserlaubnis dienen, so der Gesetzentwurf. Stattdessen erhielte der zukünftige "Psychotherapeut" den Status eines (neben dem Arzt) zweiten medizinischen Generalisten, dessen Kernkompetenz eine Reihe von kommunikativen, allgemeinmedizinischen und diagnostischen Fähigkeiten ausmacht, die gegenwärtig auch Ärzte, klinische und medizinische Psychologen und Sozialpädagogen besitzen können, ohne sich „Psychotherapeut“ nennen zu dürfen. Damit wird ganz zweifellos eine Parallelstruktur zum Arzt aufgebaut.
Es wäre ganz einfach, die Bedenken großer Teile der Ärzteschaft und auch der Psychologischen Psychotherapeuten zu zerstreuen. Frau Lubisch müsste nur erklären:
- niemand soll sich Psychotherapeut nennen dürfen und eine Approbation als Psychotherapeut erhalten, der nicht ein wissenschaftlich anerkanntes Verfahren beherrscht;
- die Legaldefinition von Psychotherapie muss erhalten bleiben, d.h. Psychotherapie ist weiterhin die Anwendung eines wissenschaftlich anerkannten Psychotherapieverfahrens!

Wenn das nicht garantiert werden kann, dann scheint der Gesetzentwurf tatsächlich nichts zu taugen und muss grundlegend verändert werden!

Avatar #732481
am Dienstag, 19. September 2017 um 19:32

Ist für die Psychotherapeutenschaft ihr eigener Mehrheitsbeschluss vom 25. DPT obsolet?

Man fragt sich, wo unter den psychologischen Psychotherapeuten derzeit die Stimme der „Mehrheit“ bleibt, die noch beim 25. Deutschen Psychotherapeutentag folgenden Beschluss zur „Reform der Psychotherapeutenausbildung“ fasste:
„Der Deutsche Psychotherapeutentag (DPT) fordert von der Politik, die für die Weiterentwicklung von zukunftsfähigen Versorgungsstrukturen notwendige umfassende Reform des Psychotherapeutengesetzes in dieser Legislaturperiode in Angriff zu
nehmen. Vor diesem Hintergrund und auf der Grundlage von Berufsbild, Kompetenzprofil und Kernforderungen werden die nachfolgenden Eckpunkte beschlossen und der Vorstand beauftragt, bei den zuständigen Stellen die Rahmenbedingungen für die
Möglichkeiten der Realisierung für eine solche Reform inkl. der Finanzierung zu klären. Die Delegierten des DPT sind darüber zeitnah zu informieren.
. Ziel ist die zweiphasige wissenschaftliche und berufspraktische Qualifizierung von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten als Angehörige eines akademischen Heilberufs durch den Erwerb professioneller Kompetenzen, wie sie im Kompetenzprofil für die Berufsausübung im ambulanten und stationären Bereich sowie in Institutionen der komplementären Versorgung beschrieben wurden.
. Im wissenschaftlichen Hochschulstudium (Qualifizierungsphase I bis einschließlich Masterniveau) erstreckt sich die Qualifizierung über die gesamte Altersspanne (Kinder, Jugendliche und Erwachsene). In dieser Phase sind die vier Grundorientierungen der Psychotherapie (verhaltenstherapeutisch, psychodynamisch, systemisch und humanistisch) mit Strukturqualität zu vermitteln.
. In der anschließenden Weiterbildung (Qualifizierungsphase II) sind Vertiefungen in wissenschaftlichen Psychotherapieverfahren und -methoden sowie Schwerpunktsetzungen mit vertiefter Qualifizierung für die psychotherapeutische Behandlung von Kindern und
Jugendlichen bzw. von Erwachsenen einzurichten.
. Hochschulstudium und zweite Qualifizierungsphase sind aufeinander zu beziehen. Nach dem Studium ist ein Staatsexamen mit Approbation vorzusehen. Die Approbation berechtigt zu Weiterbildungen, deren Abschlüsse insbesondere die Voraussetzung für die
eigenständige Behandlung gesetzlich Krankenversicherter (Fachkunde) im ambulanten und im stationären Bereich darstellen.
. In der Weiterbildung werden Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten im ambulanten, teilstationären, stationären und komplementären Bereich für eine verbesserte und differenzierte psychotherapeutische Versorgung aller Patientengruppen qualifiziert.
. Die Weiterbildungsgänge werden über die gesamte Weiterbildungszeit von Weiterbildungsstätten koordiniert und organisiert einschließlich der Theorieanteile, Supervision
und Lehrtherapien. Die derzeitigen staatlich anerkannten Ausbildungsstätten werden zu Weiterbildungsstätten übergeleitet, wenn sie die Anforderungen der Weiterbildungsord-
nung erfüllen. Dabei ist dafür zu sorgen, dass eine ausreichende Zahl an Plätzen zur Sicherung eines hinreichnden psychotherapeutischen Nachwuchses zur Verfügung gestellt wird.
. Die Weiterbildung von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten ist so gestaltet, dass Beruf und Familie vereinbar sind.
. Es werden angemessene finanzielle Rahmenbedingungen geschaffen für die Vergütung der Versorgungsleistungen von Weiterbildungsteilnehmerinnen und -teilnehmern sowie für die von Weiterbildungsstätten beziehungsweise die in den Einrichtungen zur Weiterbildung Befugten erbrachten Versorgungs- und Qualifizierungsleistungen.
. Angemessene Übergangsfristen sind für diejenigen vorzusehen, die Studium bzw. Ausbildung nach den derzeitigen Regelungen begonnen haben. Bis zu einer umfassenden
Novellierung des Psychotherapeutengesetzes wird als erster Schritt mit einer Sofortlösung geregelt, dass Studiengänge den Zugang zu den postgradualen Psychotherapieausbildungen nur dann ermöglichen, wenn sie mit einem Diplom oder auf Masterniveau
abgeschlossen wurden.
. Mit der Reform des Psychotherapeutengesetzes wird ein Aufgaben- und Versorgungsprofil der Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten erreicht, das unter anderem
durch eine bundeseinheitliche Approbationsordnung, durch eine angemessene Legaldefinition der psychotherapeutischen Tätigkeit von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten und durch eine fachlich angemessene Festlegung der heilberuflichen Befug-
nisse gekennzeichnet ist.
Der Beschluss wurde durch die Delegierten des 25. DPT mit 86 Ja-Stimmen, 38 NeinStimmen und 4 Enthaltungen angenommen.“

Letzte Beiträge zu diesem Thema

Zusatzinfos