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Avatar #695161
am Dienstag, 3. Oktober 2017 um 11:47

Hier einige Fakten!

Kommentar zum Print-Artikel
Reform der Psychotherapieausbildung: Faktenbasierte Diskussionen nötig
aus Dtsch Arztebl 2017; 114(39) vom Freitag, 29. September 2017
Es wird konsequent das vom BMG in Auftrag gegebene umfangreiche Forschungsgutachten übergangen, das Prof. Strauss, seines Zeichens Psychologe, 2009 an die damalige Gesundheitsministerin Schmidt übergeben hat. Dieses Gutachten plädierte für die Beibehaltung des dualen Modells der Ausbildung von PP und KJP, Formen der Direktausbildung könnten in Modellstudiengängen erprobt werden.
Der Begriff Direktausbildung ist also älter, als die letzte Regierung.
Während das PsychThG von 2008 sich noch auf alle drei psychotherapeutische Gruppierungen bezog, nämlich Ärzte, PP und KJP, geht es bei dem jetzigen Gesetzesvorschlag nur noch um die Reform der Ausbildung von PP und KJP. Der Titel Psychotherapeutenausbildungsreformgesetz ist also schon schräg.
Ein Studium der Psychotherapie neben das Medizinstudium zu stellen geht fehl. Das Medizinstudium bildet Generalisten aus, mit der Befähigung in allen Bereichen des Gesundheitssystems ärztlich tätig zu sein. Dafür erhalten Ärzte ihre Approbation. Ein Studium der Psychotherapie würde Spezialisten ausbilden wollen, für die Ausübung der Psychotherapie. Die Approbation dafür ist bislang an die Beherrschung eines psychotherapeutischen Verfahrens gebunden.
Wenn man den Gesetzesvorschlag aufmerksam liest, wird hier die Ausbildung eines klinischen Psychologen, vielleicht mit Schwerpunkt Psychotherapiewissenschaften, auf Bachelor- u. Masterniveau angeregt.
Die Berechtigung Medikamente verordnen zu dürfen, wird hinter verschlossenen Türen von PP schon lange gefordert. Vereinzelt gibt es auch Veröffentlichungen dazu.
Es gibt eine breite Front der Ablehnung gegen das Gesetzesvorhaben, vom Deutschen Ärztetag über den SpiFa, die Delegiertenversammlung des Deutschen Hausarztverbandes, den Spitzenverband der Krankenkassen, die neuropsychiatrischen Berufsverbände, den BDPM e. V., die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) und es gibt auch unter den anderen, auch den gemischten, Verbänden viel Kritik. – Das sind nicht alles Missverständnisse, die dieser Ablehnung, dieser Kritik, zu Grunde liegen.

Im Kern soll der Medizin die Psychologie an die Seite gestellt werden.

Dieser Gesetzesvorschlag ist ein trojanisches Pferd zur Einführung einer Approbation für Psychologen.

Mit Psychotherapie hat das dann in der Tat nichts zu tun, weil man sich ohne Fachkunde nicht Psychotherapeut nennen dürfen sollte.

Bologna und die Honorarfragen sind Scheinargumente. Da wären andere Lösungen möglich.
Avatar #733911
am Dienstag, 3. Oktober 2017 um 15:31

Faktenbasierte Diskussion à la DÄB

Es hat schon was, im DÄB eine "Faktenbasierte Diskussion" zur Reform der Psychotherapieausbildung anzumahnen, selbst aber sich auf die Seite der Verteidiger ( "sehr gründlich durchdacht und sorgfältig formuliert" -Zitat Lubisch) des z.T von verbalen Unsäglichkeiten u.a. strotzenden Arbeitsentwurfs zu schlagen und Kritikern, die dieses Papier (trotzdem) durchgearbeitet haben und auf seine Implikationen genau unter die Lupe genommen haben, Polemik vorzuwerfen! Denn was soll man von dem Entwurf eines Gesetzes halten, in dem enthalten ist, dass die zum Schutz der Patienten einer Psychotherapie vorgeschaltete körperliche Untersuchung entfallen kann, da sie nur "deklamatorische Funktion" gehabt habe? Zumal ja die geplante Neuausrichtung gemäß "dem allgemein anerkannten Stand der psychotherapeutisch-wissenschaftlichen, psychologischen, pädagogischen und medizinischen Wissen" in die Lage versetze, die körperliche (!) und psychische Entwicklung so einzuschätzen (!), dass eine körperliche Untersuchung überflüssig ist - um nur eine der Unsäglichkeiten zu nennen!
Es lohnt sich in der Tat, sich in die Fakten einzuarbeiten - die sorgfältige Lektüre des Arbeitsentwurfes sei jedem Psychotherapeuten und denen, die mitreden wollen,empfohlen! Dann wird man feststellen, dass es sich nicht um "Mißverständnisse" handelt, wenn Kritik pointiert formuliert vorgetragen wird, sondern dass es tatsächlich um Fakten geht!
Eigentlich könnte man der neuen Bundesregierung nur empfehlen, den Entwurf in der Schublade zu lassen und - auf der Basis des Forschungsgutachtens von 2009 - das, was tatsächlich reformbedürftig ist, mit allen - PP,KJP und Ärzte - , die zum Wohl der Patienten am Erhalt einer wissenschaftlich fundierten Psychotherapie interessiert sind, die Ausbildung der PP und KJP reformieren. Das würde sich lohnen und das würde tatsächlich zu einer faktenbasierten Diskussion führen!
Avatar #37218
am Mittwoch, 4. Oktober 2017 um 15:52

Wo bleibt die seriöse Berichterstattung über dieses Thema?

Der Artikel folgt der Argumentation eines Verbandes mit durchsichtiger berufspolitischer Zielsetzung. Die fachlich begründete Gesetzentwurfskritik vieler – auch berufsübergreifender - Fachverbände (DGPT, DFT, DGVT, dgkjf, DGPM, BVDP, BVDN, BDN, BVDPP) wird auf Nebenschauplätze verschoben oder als Polemik disqualifiziert.
Wer solche grundsätzlichen Bewertungen vornimmt, sollte sich Zeit nehmen, vorher den für jeden zugänglichen Gesetzentwurf zu lesen. Nicht an einer Stelle des Artikels wird hinterfragt, warum der Absolvent eines viersemestrigen (eigentlich nur dreisemestrigen) Masterstudiums der Psychotherapie (keineswegs eines 5-jährigen Psychotherapiestudiums, wie fälschlich berichtet wird), der kein wissenschaftlich anerkanntes Verfahren beherrscht, in der Lage sein soll "...eine eigenverantwortliche, selbständige und umfassende psychotherapeutische Versorgung von Patientinnen und Patienten aller Altersstufen [...] mittels wissenschaftlich anerkannter psychotherapeutischer Verfahren..." durchzuführen, wie es in § 7 des Gesetzentwurfes als "Ausbildungsziel" definiert wird. Stattdessen wird die fehlerhafte Argumentation übernommen und prominent platziert, nach dem Studium sei „…eine Approbation möglich, aber noch keine eigenverantwortliche heilkundliche Tätigkeit…“, d.h. die Bedeutung der Approbation (also einer berufsrechtlich uneingeschränkten Berufserlaubnis) für einen Spezialisten in der Medizin wird bewusst heruntergespielt.
So wird uns auch nahegelegt, die Approbation eines Arztes, der als Generalist für die gesamte Heilkunde seine Approbation erhält, wäre vergleichbar mit der Approbation eines Psychotherapeuten, also des Spezialisten eines Gebietes der Medizin. Die Art und Weise, wie diese ordnungspolitische Argumentation eines Berufsverbandes durch diese Zeitung in die Öffentlichkeit transportiert wird, macht fassungslos. Das wäre so, als ob sich ein Medizinstudent nach seiner Approbation Gynäkologe nennen dürfte, nur weil er einige Semester Gynäkologie gehört und eine Famulatur dort gemacht hat.
Wenn ein zutreffender ordnungspolitischer Rahmen für die Approbation eines Spezialisten gewählt werden sollte, dann müsste doch der Zahnarzt als Vorbild dienen. Dieser bekommt nach einem langjährigen Studium mit einem sehr hohen Praxisanteil und zahlreichen praktischen Prüfungen seine Approbation als Zahnarzt, weil er seinen Beruf nachweislich beherrscht und macht auch danach keine 5-jährige Weiterbildung mehr, um kassenärztlich zugelassen zu werden. Warum ein ähnliches Modell, das schon vor Jahren als duale Direktausbildung nicht nur durch den Spitzenverband der Krankenkassen an den Gesetzgeber herangetragen wurde, nicht Gegenstand der Debatte ist, wäre doch eine tiefergehende Recherche wert, auch wenn sie einigen Akteuren nicht gefallen sollte. Und wären nicht auch die Motive der Politik zu recherchieren, die seit 9 Jahren die Klärung der Bezahlung der Ausbildungskandidaten „alternativlos“ an dieses Ausbildungsmodell bindet, somit die PIA als Geiseln ihrer Absichten missbraucht und jede Kritik mit dem Totschlagargument der prekären Situation der PIA kontert?

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