am Freitag, 13. Oktober 2017 um 12:11

Review des Buchs «Better Ultrasound - Tips and Case Studies for the Clinical Ultrasound Practice»

Kommentar zum Print-Artikel
Ultraschall: Sammlung für Experten
aus Dtsch Arztebl 2017; 114(8) vom Freitag, 24. Februar 2017
Nach einer Buchempfehlung im Deutschen Ärzteblatt durch einen Arzt, dessen Charakteristika nicht näher bezeichnet waren, erwarb ich das Buch «Better Ultrasound - Tips and Case Studies for the Clinical Ultrasound Practice» von Greiner/Jakobeit/Erhard, das 2016 erschienen war (Dtsch Arztebl 2017;114(8):34).
Positiv durch die vorteilhafte Kurzbeschreibung des Buches beeinflusst soll nun den «Vorschusslorbeeren” gegenüberstehend eine kritische Rezension stehen, denn das Buch hält in praktisch keiner Weise, was versprochen wurde.
Die Tatsache, dass es frei elektronisch in englischer und deutscher Version aufzurufen ist, erstaunt (http://www.prof-greiner.de/Better_Ultrasound_072015.pdf), und wird lediglich im Impressum erwähnt - man fragt sich, ob dies nicht mit Lizenzproblemen einhergeht.
Obwohl das Buch auf Hochglanzpapier gedruckt wurde, was grundsätzlich eine gute Abbildungsqualität gewährleistet, erstaunen viele Bilder durch mangelnde Auflösung, und häufig sind weder Skalen noch die Schallkopforientierung angegeben. Möglicherweise stammen eine Reihe von Bildern aus einer Zeit, als Auflösung und Bildqualität noch wesentlich schlechter waren (z.B. Fig. 2.5.03 «Portal liver lymphadenopathy» – keine Skala, Dimensionen oder Orientierung. Fig. 4.2.09 „Ruptured aortic aneurysm (leakage left in patient), unspecific lymph nodes (the latter cannot be easily identified …))» S. 38).
Auf S. 13 befinden sich zwei Bilder mit einer Säge, welche buchstäblich in einen Patienten «hineinsägt», um die Schallrichtung darzustellen – ein Beispiel, das etwas zynisch anmutet.
Das Buch erschien bei einem lokalen Verlag, welcher lediglich wenige wissenschaftliche und keine weiteren medizinischen Lehrbücher in seinem Portfolio aufweist. Obwohl der Einband ansprechend gestaltet ist, gibt es einige Kritikpunkte an den Verlag: die Schriftgrösse entspricht gewissermassen einem Grossdruckformat, welches ein wenig den Eindruck erweckt, als müsse die Kürze der Texte optisch ausgeglichen werden und gegen eine geringe Informationsdichte anstehen. Tatächlich ist der Text vielfach ohne Bezug zu den Abbildungen (z.B. auf S. 125 handelt der Text vom Caroli-Syndrom, wohingegen die Abbildung («4.4.51») einen Gallenblasenileus darstellt.
Eine Zuordnung einzelner Kapitel zu den drei Autoren erfolgte nicht. Der Text wurde in’s Englische übersetzt, wobei das Englisch mitunter «Denglish» ist:
- «A short information on the safety of the procedure (for example the unproblematic conduct during pregnancy or other) should not be missed, nor the briefly kept refererences to its limits, and particularly to its repeatability at any time» (S. 7)
- «Lastly impending is (this is not to be underestimated!) an undesired examination result; and occasionally, immediately and unexpectedly, the examined turns into a patient.» (S. 9)
- «The expected examination horizon of the examiner is also substantially broadened and influenced by this» (S. 9)
- «This is also valid for the more subtly evaluable, because weaker, associated pulsations of the splenic and portal vein.“ (S. 23)
- „The advantages of a systematic procedure are obvious: By the ubiquitous gravitation the densely packed organs of the upper abdomen are straightened out and depicted in a better way“. (S. 27)
- „Merely circumscribed bile duct additions are mostly accompanied by a lack of hyperbilirubin-aemia (but elevated „liver values“)”. … «Already few intact liver segments are sufficient for this, especially in the slow development of isolated stenosis, as it is by far not atypical for CCC» (S. 103/104)
- «Difficult nephrolithiasis» (S. 197)
- «Unspecific enteritides with …» (S. 219)

Das Inhaltsverzeichnis verschlagwortet zahlreiche Begriffe ohne erkennbare Anwendung (so finden sich acht Hinweise zu dem Begriff „correct“, während mancher Fachbegriff (z.B. «Bouveret-Syndrome») nicht existiert.
Auffallend ist das Fehlen von Referenzen für Aussagen, z.B: «According to the American Society of Radiology, every 50th CT induces a malignoma« (S. 266). Insgesamt finden sich unter «Selected literature“ einige Veröffentlichungen der Autoren, jedoch keine Übersicht einschlägiger aktueller Werke.
Man bekommt den Eindruck, dass ein Skript, das möglicherweise über einen längeren Zeitraum angelegt wurde, ohne wesentliche Aktualisierung zur Veröffentlichung gelangte:
• S. 255 (Darmultraschall): «transcutaneous typical three-layers» , wobei heutzutage mit hochwertigen Ultraschallgeräten in der Regel fünf Schichten unterschieden werden können
• Wichtige Themen werden nicht erwähnt, so beispielsweise die Tatsache, dass Ultraschall als Standarduntersuchung bei vermuteter Appendizitis anzusehen ist
• Im Kapitel «4.12 Thorax» werden Pleuraerguss und Neoplasien erwähnt, jedoch finden weitere wichtige Themen wie Pneumothorax, Lungenembolie oder Lungenödem bzw. Interstitielles Syndrom keine Erwähnung. Man fragt sich, wie eine «Meilensteinarbeit» wie das «Blue protocol» ohne Erwähnung bleiben kann
• Das Kapitel „Emergency Sonography“ (S. 266-271) ist absolut ungenügend und reflektiert in keiner Weise das inzwischen bemerkenswerte Armamentarium an Algorithmen bzw. der Bibliographie der heutigen Notfallsonographie (z.B. fehlen das Blue Protocol/Lungenultraschall, LUCI: lung ultrasound in the Critically ill; das FALLS Protokoll (fluid administration limited by lung ultrasonography), das SESAME Protokoll; insgesamt werden Standarduntersuchungsverfahren der Notfallmedizin nicht erwähnt: FoCUS/FEEL, F-Echo, Fate für die fokussierte Echokardiographie oder das e-FAST-Protokoll in der Traumatologie.
Weiterhin ist zu bemängeln, dass kein e-Material or Videoaufzeichnungen angeboten werden. Auf S. 287 wird der Leser durch eine Abbildung befremdet, bei der perineale Ultraschallbilder ohne Hygienevorkehrungen angefertigt werden (keine Handschuhe, keine Schutzhülle der Ultraschallsonde).
Das Buch genügt alles in allem keineswegs den Anforderungen an ein medizinisches Lehrbuch. Es erscheint wie eine verpasste Chance und erfüllt nicht sein Versprechen. Um dieses zu ändern, wäre eine grundlegende Überarbeitung notwendig.

Dr. med. Doris Eis
Oberärztin meV
Institut für Notfallmedizin
Universitätsspital Zürich

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