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am Samstag, 25. November 2017 um 10:51

Vor dem Anwalt (und dessen Kosten) kann man oft selbst tätig werden

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Negativurteile: Die aktuelle Rechtslage zu Arztbewertungsportalen
aus Dtsch Arztebl 2017; 114(47) vom Freitag, 24. November 2017
Die hier wiedergegebene Darstellung, man müsse gleich zum Anwalt rennen, muss ich aus eigener Erfahrung grundsätzlich widersprechen.

Im Falle einer unangemessenen oder SPAM-Bewertung (von Leuten die nie in der Praxis waren) gibt es insbesondere bei Jameda gute Möglichkeiten, die Bewertung mit einer plausiblen Bitte um Überprüfung der Authentizität der Bewertung und Einwilligung an Weiterleitung des Widerspruchs an den / die Bewertenden /de, an Jameda zu melden.
In den meisten Fällen, kann der Bewertende keinen Nachweis erbringen, dass er /sie in der Praxis war (weil er /sie nie da war). Dann löscht Jameda den Eintrag.

Bei Aussagen die durch die freie Meinungsäußerung gedeckt sind ist es schwieriger und da braucht es dann u. U. den Anwalt. Manchmal ist aber eine gut überlegte Antwort auf eine fragwürdige Bewertung auch eine gute Eigenwerbung.

Das sind meine persönlichen Erfahrungen mit dem Thema und haben keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit.
am Montag, 18. Dezember 2017 um 14:31

unlauterer Wettbewerb ist das zentrale Problem bei jameda

Das fatale „Clearingverfahren Arztbewertungsportale“ von Bundesärztekammer und KBV, welches jameda gute Noten erteilt hat, der TÜV Rheinland Pfalz, der jameda für Datensicherheit zertifiziert, aber auch das im Artikel genannte Urteil des Bundesgerichtshofes von 2014 betrachtet jameda als einfaches Bewertungs-Portal und wenn es so wäre, gäbe es auch keine Einwände dagegen.
Das eigentliche Problem bei jameda ist aber die Kombination von Werbe- und Bewertungsportal. Die Intention eines Bewertungsportals mit gleichen Spielregeln und fairem Wettbewerb Patienten über Ärzte zu informieren, wird hier zerstört und in das Gegenteil verwandelt. Denn hier gibt es zahlende Kundschaft und – laut Gerichtsbeschluss - nicht zahlende Zwangsteilnehmer, ein Zweiklassen-Portal. Ein merkwürdiger „Zufall“ will es, dass die Kunden statistisch signifikant bessere Bewertungs-Durchschnitte erzielen, als Nicht-Kunden. Es ist fast unmöglich unter den zahlreichen Kollegen mit schlechten bis Existenz-vernichtenden Bewertungs-Durchschnitten jameda-Kunden zu finden. Aber selbst bei Nicht-Kunden mit eher günstigen Bewertungen wird im Profil eine Vergleichsliste zahlender jameda-Praxen aufgezeigt, inklusive Kilometerabstand, die in der Regel bessere Bewertungs-Durchschnitte erzielen. Überprüfen Sie das bitte anhand Ihres eigenen Profils. Die Kundschaft bleibt von solchen Vergleichspraxen verschont. Dass diese Auffälligkeiten dem Werbe-Effekt des Portals zu verdanken sei, oder der höheren Aufmerksamkeit seiner Kunden, ist genauso glaubwürdig, wie die Aussage eines Diebes, die Ware sei versehentlich in seine Tasche gefallen. Viel eher drängt sich hier der Verdacht auf, dass die eigentliche „Dienstleistung“ des Portals im Abwerben von Patienten/Internet-Interessenten der Zwangsteilnehmer an die eigene, zahlende Kundschaft besteht, also im unlauteren Wettbewerb. Selbst mit größeren Statistiken lässt sich das einfach und schnell belegen. Offensichtlich werden schlechte Bewertungen bei Kunden restriktiv gehandhabt. Bei Nicht-Kunden sind sie erwünscht, denn nur durch die Diskrepanz der Bewertungsdurchschnitte funktioniert das Geschäftsmodell.
Wenn ein Prüfverfahren ein Produkt für hochwertig deklariert und dabei übersieht, dass es sich um Diebesgut handelt, dann macht es sich der Hehlerei mitschuldig. Ein Urteil, welches Ärzte, die aus guten Gründen keine jameda-Werbekunden werden wollen zur Zwangsteilnahme verpflichtet, erteilt dieser Firma eine Lizenz zum unlauteren Wettbewerb. Worauf warten die zuständigen Ärztekammern? Dass der Täter erst ein Geständnis ablegt, bevor man Anzeige erstattet, die Wettbewerbsbehörde einschaltet und gegebenenfalls unter Druck setzt, aktiv zu werden? Das Skandalöse, das Obszöne dieser Angelegenheit ist so offenkundig, dass die Zurückhaltung nur auf die Angst vor dem Konflikt in den eigenen Reihen zurückzuführen ist. Will die Ärzteschaft wirklich warten, bis die vierte Gewalt, die Medien, die Presse, diesen Skandal aufdecken? Das ist nur noch eine Frage der Zeit. Unterdessen glaubt jameda, den Verdrängungswettbewerb v.a. von Fachärzten in Großstädten zu Gunsten seiner zahlenden Kundschaft entscheiden zu können. Soll das die Alternative zur Niederlassungs-Sperre sein? Werbe- und Bewertungsportale müssen per Gesetz getrennt werden, nicht nur im Gesundheitswesen, sonst sind Korrumpierung und Täuschung zwingende Folgen. Diese Trennung muss endlich auch im Antikorruptions-Gesetz dauerhaft verankert werden.
Peter Gorenflos

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