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am Donnerstag, 17. Mai 2018 um 20:32

Milchmädchenmathematik

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Wirksamkeit von Cannabis als Medizin zweifelhaft
vom Donnerstag, 17. Mai 2018
Das Märchen von den teuren Blüten wurde von Krankenkassenapothekern aufgebracht, die völlig unterschiedliche Dosierungen miteinander verglichen haben. Zudem sind sie von einer täglichen Menge von 3g Blüten ausgegangen; das schafft ein korrekt geführter Patient niemals.
Eine tägliche Wirkstoffmenge von 30mg THC kostet in Form von Dronabinol etwa das 8fache des Blütenpreises. Dabei sind die Blüten in Deutschland noch doppelt so teuer wie in den Niederlanden.
Im Zusammenhang mit Cannabis findet man vergleichsweise oft Experten, die keine Ahnung davon haben, aber strikt dagegen sind.
Das hat nichts damit zu tun, daß die Antieigenanbauentscheidung der Bundesregierung ausgesprochen myop war. Aber sie gibt derzeit den Rahmen vor, in dem man sich als Arzt bewegen kann oder muß.
am Donnerstag, 17. Mai 2018 um 21:02

@xxhfa auch nicht richtig

FRÜHER kosteten 5g Cannabisblüten "mit Sondergenehmigung des BfArM" ca 75 EUR. Als NRF-Rezeptur - also Zermahlen des Granulats, Durchsieben, Prüfung der deklarierten Gehalte an THC und CBD, Konfektionierung der Droge - steigt der Preis HEUTE leicht mal auf das dreifache - und damit das Regressrisiko für die verordnenden Ärzte.
Die fahren besser, wenn sie nur die zugelassenen Cannabinoide bzw Fertigpräparate zu immer noch deutlich höherem Preis verordnen, Sativex, Dronabinol etc... natürlich nur in der zugelassenen Indikation.
am Donnerstag, 17. Mai 2018 um 23:43

@practicus danke für Ergänzung

dann (granuliert etc etc) ist es etwa so, wie wenn man Bananen nur mit definiertem Krümmungsradius essen dürfte. Und der muß von einem amtlich certifizierten Vermessungsingenieur überprüft werden.Dadurch stiege der Bananenpreis auch deutlich.
Natürlich verordne ich Cannabisblüten ausschließlich unbehandelt. Kann man auf das Rezept schreiben, ist nicht schwer.
am Freitag, 18. Mai 2018 um 14:13

Merkbefreite Experten

Experten wie Glaeske diqualifizieren sich regelmäßig selbst durch die Ignoranz gegenüber Erfahrungen z.B. in Israel u. den USA. In deutschsprachigen Internetforen finden sich auch Erfahrungsberichte.

Übrigens ist Cannabis kein BtM - Null Todesfälle -
THC (und weitere Substanzen (Terpene)) bei Tourettsyndrom bewirkt metaphorisch gesagt GASGEBEN im Hirn ! Da wird nichts betäubt.
Aber man ist so dumm und meint, daß Neuroleptika zur Unterdrückung angebracht wären.

Die Kassen könnten jedes ausgestellte BtM-Rezept für Cannabis ablehnen, um damit auch den Verbotsirrtum endlich zu beseitigen.

Bezüglich Dronabinol - reinstes Dihydrogenmonoxid statt H²O bzw. Mineralwasser ?!
Um den Schwachsinn der Eintragung in Anlagen 1, 2, 3 zum BtMG mal deutlich zu machen:

1. Mineralwasser verbieten
2. H²O verbieten
3. Dihydrogenmonoxid zur Abzocke genehmigt

Und im Sinne des Satz 1 § 17 StGB darf und soll die Polizei jährlich nochmehr Jagd auf Freiwild betreiben. Hirnverschmutzung wie im 3. Reich
am Freitag, 18. Mai 2018 um 20:19

TK-Kritik an die richtigen Adressaten!

Es bleibt der Techniker Krankenkasse, ihrem Vorstandsvorsitzenden Dr. med. Jens Baas, dem Arzneimittelexperten Prof. Dr. Gerd Glaeske von der Universität Bremen und dem Forschungszentrum socium natürlich völlig unbenommen, den wahllosen und regional völlig unterschiedlichen Cannabis-Einsatz zu kritisieren.

Aber daran sind weder Ärztinnen und Ärzte, noch die Apotheken oder unsere Patientinnen und Patienten schuld. Einzig und allein der Gesetzgeber und der Deutsche Bundestag haben in einer beispiellos dilettantisch-populistischen Schnellschuss-Reaktion eine nicht validierte pflanzliche Mischdroge in krassem Widerspruch zum gültigen Arzneimittelgesetz zugelassen: Nur, um damit dem Druck von Öffentlichkeit und Medien nachzugeben.

Im Gegensatz zu Standards bei pharmakologischer Forschung und Entwicklung hat der Gesetzgeber sich nicht auf bereits verfügbare, standardisierte und kontrollierte Cannabis-Zubereitungen beschränkt, sondern auch auf Cannabis-Blüten oft unbestimmbarer Provenienz und Wirksamkeit als therapeutische Alternative kapriziert, ohne jemals einen überprüfbaren Indikationenkatalog vorlegen zu können.

So wurde das mit weitem Abstand substanz- und haltloseste, schlechteste und unbestimmbarste Gesetz verabschiedet, das ich kenne. Wer den Wortlaut recherchiert, wird erst nach langem Suchen fündig. Hier ist er:

"§ 31 Arznei- und Verbandmittel, Verordnungsermächtigung“.
2. Folgender Absatz 6 wird angefügt:
„(6) Versicherte mit einer schwerwiegenden Erkrankung haben Anspruch auf Versorgung mit Cannabis in Form von getrockneten Blüten oder Extrakten in standardisierter Qualität und auf Versorgung mit Arzneimitteln mit den Wirkstoffen Dronabinol oder Nabilon, wenn
1. eine allgemein anerkannte, dem medizinischen Standard entsprechende Leistung
a) nicht zur Verfügung steht oder
b) im Einzelfall nach der begründeten Einschätzung der behandelnden Vertragsärztin oder des behandelnden Vertragsarztes unter Abwägung der zu erwartenden Nebenwirkungen und unter Berücksichtigung des Krankheitszustandes der oder des Versicherten nicht zur Anwendung kommen kann,
2. eine nicht ganz entfernt liegende Aussicht auf eine spürbare positive Einwirkung auf den Krankheitsverlauf oder auf schwerwiegende Symptome besteht.
Die Leistung bedarf bei der ersten Verordnung für eine Versicherte oder einen Versicherten der nur in begründeten Ausnahmefällen abzulehnenden Genehmigung der Krankenkasse, die vor Beginn der Leistung zu erteilen ist. Verordnet die Vertragsärztin oder der Vertragsarzt die Leistung nach Satz 1 im Rahmen der Versorgung nach § 37b, ist über den Antrag auf Genehmigung nach Satz 2 abweichend von § 13 Absatz 3a Satz innerhalb von drei Tagen nach Antragseingang zu entscheiden. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte wird mit einer bis zum 31. März 2022 laufenden nicht interventionellen Begleiterhebung zum Einsatz der Arzneimittel nach Satz 1 beauftragt. Die Vertragsärztin oder der Vertragsarzt, die oder der die Leistung nach Satz 1 verordnet, übermittelt die für die Begleiterhebung erforderlichen Daten dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte in anonymisierter Form; über diese Übermittlung ist die oder der Versicherte vor Verordnung der Leistung von der Vertragsärztin oder dem Vertragsarzt zu informieren. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte darf die nach Satz 5 übermittelten Daten nur in anonymisierter Form und nur zum Zweck der wissenschaftlichen Begleiterhebung verarbeiten und nutzen. Das Bundesministerium für Gesundheit wird ermächtigt, durch Rechtsverordnung, die nicht der Zustimmung des Bundesrates bedarf, den Umfang der zu übermittelnden Daten, das Verfahren zur Durchführung der Begleiterhebung einschließlich der anonymisierten Datenübermittlung sowie das Format des Studienberichts nach Satz 8 zu regeln. Auf der Grundlage der Ergebnisse der Begleiterhebung nach Satz 4 regelt der Gemeinsame Bundes­aus­schuss innerhalb von sechs Monaten nach der Übermittlung der Ergebnisse der Begleiterhebung in Form eines Studienberichts das Nähere zur Leistungsgewährung in den Richtlinien nach § 92 Absatz 1 Satz 2 Nummer 6. Der Studienbericht wird vom Bundesinstitut
für Arzneimittel und Medizinprodukte auf seiner Internetseite veröffentlicht.“ (Zitat Ende)

Bundesgesetzblatt Jahrgang 2017 Teil I Nr. 11, S. 403 ff., ausgegeben zu Bonn am 9. März 2017
https://www.bgbl.de/xaver/bgbl/start.xav#__bgbl__%2F%2F*%5B%40attr_id%3D%27bgbl117s0403.pdf%27%5D__1526564143918
Bundesgesetzblatt Teil I 2017 Nr. 11 vom 09.03.2017 Gesetz zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher und anderer Vorschriften.

Die Techniker Krankenkasse, Kollege Dr. med. Jens Baas, Prof. Dr. Gerd Glaeske und das Forschungszentrum socium sollten sich also direkt beim Gesetzgeber beschweren, statt den Status quo nur zu bejammern, für den wir Ärztinnen und Ärzte am wenigsten verantwortlich sind.

Es sollte schlussendlich darauf hingewiesen werden, dass wir Ärztinnen und Ärzte mal wieder ohne jegliche Honorierung zusätzliche Mehrarbeit für Untersuchung, Beratung, differenzierte Therapievorschläge, Gutachten, Begleitforschung und Administration leisten sollen. In anderen Ländern beschäftigen Regierung und Gesundheitsbürokratie für derartige Arbeiten komplette Forschungsinstitute.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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