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am Sonntag, 27. Mai 2018 um 14:32

Vorklinik und Physikum als ein Grundstein des Landärztemangels

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Landärztemangel herrscht fast überall
vom Freitag, 13. Oktober 2017
Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin Medizinstudent im 4. Semester Vorklinik und kämpfe momentan gegen das Physikum bereits im 3. und damit letzten Versuch. Es ist mehr als paradox, dass überall von Landärzte Mangel gesprochen und diskutiert wird, aber der Kern des Übels dabei völlig ausgelassen wird.
Wie Sie bestimmt alle wissen, werden die Ärzte nach Quote und nach speziellen Bedarf innerhalb der Regionen verteilt. Diese Regelung erfolgt über die Landesärztekammer in Verhandlung der Kostendeckung mit der Krankenkasse.
Diesem System ist es zu verschulden, das bereits im Studium zu wenig Ärzte eingestellt werden. Nach dem die jungen Mediziner ein Auswahlverfahren in Form der Vorklinik bis zum 4. Semester überstanden haben, steht bei uns das Physikum an. Dort fallen von den zu wenigen Ärzten nochmal ein Drittel durch. Darunter viele Abiturienten mit einem mehr als überragendem Numerus Clausus im Abitur.
Die Fragen werden vom IMPP erstellt und in Zusammenarbeit mit Forschern (welche gleichzeitig als Professoren für die Lehre verantwortlich sind) erstellt. Die Studenten klagen und beschweren sich seit Jahrzehnten über diese Prüfung, weil nicht mehr die nötigen Grundlagen sondern nur Klinik-unrelevantes Wissen geprüft wird. Dabei soll der klassische Medizinstudent in 8 Fächern (Anatomie, Histo, Psychologie, Bio, Physik, Chemie, Biochemie und Physiologie) mit extremen Wissen glänzen.
Wie kann es sein, dass dort Studenten nicht bestehen, welche die Fächer alle in der Vorklinik bereits bestanden haben? Warum werden die Studenten dort nochmal in den gleichen Themen schriftlich und mündlich so schwer geprüft, dass selbst diese hoch intelligenten jungen Leute nur zu zwei drittel bestehen?
Ich habe dazu mit unseren Professoren gesprochen, welche die mündliche Prüfung gestalten. Inoffiziell wurde mir mitgeteilt, dass nicht alle Studenten bestehen sollen, damit Plätze für Hochschulwechsler oder Wechsler aus dem Ausland freistehen.
So werden jedes Jahr sehr fähige Studenten aus dem Studium rausgeworfen, damit von der Politik vorgegebene Quoten eingehalten werden. Das uns da die Ärzte fehlen, ist nur die logische Konsequenz.
Nebenbei:
Den Alltag eines normalen Medizinstudenten müssen sie sich dann ungefähr so vorstellen: Man geht von früh halb 8 bis Nachmittag um 4 in die Universität zu den Vorlesungen und Seminaren jeden Tag und muss den gleichen Stoff am Nachmittag bis abends um 8 nacharbeiten. Auch am Wochenende. Man hat zwar Vorlesungsfreie Zeiten, allerdings muss man in diesen verschiedenen Praktika, Wahlkurse absolvieren oder Prüfungen vorbereiten. Das Lehrjahre keine Herren Jahre sind, ist vielen Studenten klar. Aber dass es so schlimm wird, dass man von Kaffee abhängig wird, davon Magengeschwüre durch den Stress bekommt und trotz massiver Vorbereitung die Prüfung nicht besteht, ist mehr als Menschenunwürdig. Ich persönlich hatte sogar ein schlechtes Gewissen, wenn ich einkaufen gegangen bin, oder meine Freunde mal für eine halbe Stunde sehen wollte. Wenn die Prüfungsergebnisse ausgehangen werden, bekommt man einen so hohen Blutdruck, dass man das Gefühl hat, man bekommt einen Herzinfarkt. Die Mädchen weinen und die Jungs sind bei Ergebnissen starr vor Schreck.
Im schriftlichen Physikum muss man sich 8 Stunden auf 2 Tagen so extrem konzentrieren, dass man das Gefühl hat man bekommt einen Schlaganfall. Im mündlichen ist es sehr subjektiv, ob der Professor einen bestehen lässt oder nicht. Das geschieht nach dem Prinzip „Frei der Nase nach“ Sollte man durch ein fotografisches Gedächtnis oder durch viel Glück das Physikum irgendwie bestehen, gehen die Probleme in der Klinik weiter.
Da ich aber noch nicht so weit bin, möchte ich die Probleme in der Klinik den Klinik Studenten überlassen.
Allerdings werde ich dazu auch nochmal ein Kommentar in geraumer Zeit schreiben.

Meine Empfehlung als Vorkliniker, ist die Abschaffung des kompletten Physikums wie in den Modelstudiengängen oder wie in jedem anderen Land der europäischen Union und eine komplette personelle Überarbeitung des IMPP.
Ich kann den Bürgerinnen und Bürgern Deutschlandes nur empfehlen, die Parteien zu wählen, die bereit sind etwas am Studium und danach zu ändern. In meinem Fall habe ich Briefe an alle Fraktionen geschrieben und nur die Afd war bereit mit uns Medizinstudenten zusammen zu arbeiten. Da wir alle älter werden und auch in Zukunft nicht gesünder, würde ich mit diesem Kommentar alle Parteien aufrufen sich mit diesem Thema zu beschäftigen und auch die Menschen bitten kritisch zu hinterfragen, wo die wirklichen Sorgen der Ärzte im und nach dem Studium liegen.

Mit freundlichen Grüßen
Einer von vielen Medizinstudenten, die genauso denken

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