DÄ plusForenUSAAls FA Anästhesie für 1 Jahr ins gelobte Land

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Wer einen Arbeits­aufenthalt im Ausland plant, hat viele Fragen. In diesem Forum können Ärzte aus dem Ausland ihre Erfahrungen weitergeben und sich mit mit Ärzten in Deutschland austauschen.Wer einen Arbeits­aufenthalt im Ausland plant, hat viele Fragen. In diesem Forum können Ärzte aus dem Ausland ihre Erfahrungen weitergeben und sich mit mit Ärzten in Deutschland austauschen.

Avatar #750855
am Samstag, 4. August 2018 um 14:12

Als FA Anästhesie für 1 Jahr ins gelobte Land

Hallo Leute!

Ich habe mich jetzt schon einige Zeit in diesem Forum informiert, aber die Infos die ich bis jetzt kriegen konnte sind entweder schon etwas in die Jahre gekommen oder passen nicht wirklich auf meinen Fall. Ich würde euch deshalb gern mein Anliegen schildern. Vielleicht kann mir jemand von euch mit etwas Rat zur Seite stehen.

Ich habe gerade mit dem 5. Jahr meiner FA Ausbildung an einer D Uniklinik begonnen und werde somit ca in 1,5 Jahren fertig sein. Bis dahin werde ich mind. 1, eventuell auch 2 Publikation vorweisen können. (Ich weiß, is nicht viel aber immerhin)

Ich würde anschließend, also so im Sommer 20, gerne für ungefähr 1 Jahr in eine möglichst große Stadt in die USA gehen. (Große Stadt deshalb, weil meine Frau dort eventuell leichter ein internship [andere Studienrichtung] bekommen könnte)

Ich habe jedoch kein USMLE und auch keine gesteigerte Lust es bis dahin noch nachzuholen, vor allem, weil ja auch die FA Prüfung noch ansteht. Gibt es aktuell eine vernünftige Möglichkeit ohne USMLE in der Anästhesie so eine "kurze" Zeit klinisch zu Arbeiten oder werde ich mich eurer Meinung nach auf eine Labor-/Forschungsarbeit beschränken müssen.

An der klinischen Arbeit lockt mich halt nicht nur das Interesse mich klinisch weiterzuentwickeln sondern auch das Gehalt. In einem anderen Artikel war ja von 50k USD Jahresgehalt eines research fellows die Rede. Verbunden mit einer Wohnung in einer Großstadt und dem ganzen Aufwand würd da nicht viel übrigbleiben. Obwohl eine Forschungsarbeit wahrscheinlich für eine Unikarriere in D sinnvoller wäre...!? Oder seht ihr das anders?

Ihr seht ich bin noch ziemlich am Anfang meiner Planung. Freue mich also über jeden Kommentar und jede Hilfestellung.

Lg
Avatar #90444
am Donnerstag, 30. August 2018 um 21:28

sorry, ...

..., das wird leider so nicht funktionieren.

Ich bin seit mittlerweile 20 Jahren in den USA, habe hier residency und fellowship absolviert und anschliesslich an Unikliniken und in der freien Wirtschaft gearbeitet. Bei ausreisewilligen Medizinern aus Germanien gibt es oftmals etliche Missverstaendisse und falsche Vorstellungen ueber den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt in den USA. IMHO sind die folgenden Punkte wichtig:

1. Definition von "Arbeiten in irgendeiner Fachrichtung": in Amiland wird "Ausbildung" (= residency und fellowship) strikt von "Arbeiten" (= abgeschlossene Ausbildung) unterschieden. "Ausbildung" ist extrem durchstrukturiert, findet quasi im Klassenverband statt, beginnt am 1. Juli eines Jahres und endet nach klar definierter Anzahl von Jahren an einem 30. Juni. "Ausbildung" dient nicht primaer zum Geld verdienen und wird vergleichsweise karg verguetet. Wechsel der Ausbildungsstelle vor Abschluss der residency oder fellowship ist extrem unueblich, ein "Zusammenstueckeln" der Ausbildung wie in D gibt es hier nicht. "Arbeiten" kommt nach Abschluss von residency mit oder ohne fellowship wenn man zumindest "board eligible" ist (= man erfuellt alle Bedingungen um sich zur Facharztpruefung anzumelden). Bedingungen beim "Arbeiten" sind im Vergleich mit Europa sehr viel flexibler, es gibt keine Tarifvertraege oder maximalen Arbeitszeiten. Was immer man mit Partnern oder Arbeitgeber aushandeln kann geht.

2. Mindestqualifikationen zur Arbeitsaufnahme: Einschreibung bei der Aerztekammer des betreffenden Bundesstaates, zu erbringende Voraussetzungen sind Medizinstudium und USMLE Examina (https://www.fsmb.org/). Zusaetzlich findet durch saemtliche Kliniken, an denen man klinisch taetig werden moechte ein credentialing process statt. Die Anforderungen kann jede Klinik selbst definieren. Da das Prozedere u.a. aber dazu dient sicherzustellen, dass die vom Arzt erbrachten Taetigkeiten erfolgreich mit diversen Krankenkassen abgerechnet werden koennen ist der Nachweis einer US-Facharztanerkennung (board certified) unabdingbar.

3. Ausnahmen: je nach Fach und Lokalitaet gibt es Ausnahmeregelungen fuer Aerzte die ihre Ausbildung im Ausland gemacht haben. Sie gelten allerdings nicht fuer Feld-Wald-und-Wiesenaerzte sondern fuer Forschungskapazitaeten mit internationalem Ruf und mit ellenlangen Publikationslisten, da der administrative Aufwand fuer den US Arbeitgeber enorm ist (und sich von daher lohnen muss).

4. Auslaender in der US-Anaesthesie: Seit Mitte der 90er erfreut sich die Anaesthesie hier drueben eines steigenden Zulaufs in die Ausbildungsprogramme seitens der amerikanischen Medizinstudenten. Das bedeutet leider im Umkehrschluss, dass die Chancen fuer Auslaender eine residency position zu finden drastisch gesunken sind, fuer die Anaesthesie liegt die Zahl im sehr niedrigen zweistelligen Bereich landesweit pro Jahr.

=> mein Fazit: "ein Jahr in die (klinische) Ami Anaesthesie" funktioniert nicht und der Aufwand mit USMLE und residency etc. lohnt sich m.E. nur wenn laengerfristige Auswanderung das Ziel ist.

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Zusatzinfos

Mehr zu den USA

Eine Tätigkeit in den USA ist für Ärzte mit Approbation und seit dem 1.Juli 1998 auch für Ärzte im Praktikum innerhalb des sogenannten Residency Program (Weiterbildungsprogramm, das auch als Einstieg für Fachärzte notwendig ist) möglich. Voraussetzung für den Fall einer zeitlich begrenzten klinischen Tätigkeit in den USA (max. 7 Jahre) ist das ECFMG Standard Certificate. Es wird nach Bestehen von Step 1 und Step 2 des USMLE-Examens (United States Medical Licensing Examination), des TOEFEL-Tests (verlangt wird eine bestimmte Punktzahl) und des sogenannten Clinical Skills Assessment Test (CSA) ausgestellt. Die Prüfungen für Step 1 und Step 2 werden von dem ECFMG (Educational Commission for Foreign Medical Graduates in Deutschland in Testzentren in vier Städten (Berlin, Hamburg, Frankfurt und München) abgenommen. In diesem Jahr wurde der schriftliche Test durch einen Computer-Test ersetzt. Prüfungstermine werden über das ganze Jahr verteilt angeboten. Der CSA-Test, eine klinisch-praktische Prüfung wird jederzeit, jedoch nur in einem Testzentrum in Philadelphia angeboten

Für die Beantragung der sogenannten Green Card - Voraussetzung für eine langfristige Tätigkeit- ist schließlich noch die Absolvierung der 3. Stufe des USMLE-Examens notwendig.

Allgemeine Informationen über die Zulassung zum Arztberuf in den USA und eine Adressenliste der einzelnen Zulassungsbehörden sind erhältlich bei der:

Federation of State Medical Boards of the U.S. (FSMB)
400 Fuller Wiser Road
Suite 300
Euless, Tx 76039-3855
USA

Tel: (817) 571 2949
http://www.fsmb.org

Die offizielle Informationsbroschüre über die Tests mit den Anmeldeformularen schicken wir Ihnen auf Anforderung gerne zu, diese sind aber auch im Internet abrufbar unter:

Educational Commission for Foreign Medical Graduates
(ECFMG)
3624 Market Street
Philadelphia, PA 19104-2685, U.S.A.

Tel.: 001-215-386-5900
Fax: 001-215-387-9963
http://www.ecfmg.org

United States Medical Licensing Examination (USMLE)
3750 Market Street
Philadelphia, PA 19104-3190

Tel.: 001-215-590-9600
http://www.usmle.org

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