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Avatar #749369
am Montag, 6. August 2018 um 17:22

Betroffene oft bewanderter als Psychiater

Betroffenen-Verbände und ebenfalls Betroffene im privaten Umfeld sind oftmals nicht nur hilfreich, sondern die einzige Spur hin zu einer korrekten Diagnose. Die Teils abstoßende Ignoranz und Arroganz vieler Psychiater bei bestimmten Krankheitsbildern in der Psychiatrie macht akute und nicht-akute Hilfe durch selbst Betroffene auch in diesem Kontext oftmals essentiell. Um wieder auf das Blockbuster-Syndrom bzw. den Reizbegriff mit den 4 Großbuchstaben einzugehen: http://news.doccheck.com/de/blog/post/5098-adhs-geballte-inkompetenz-und-ignoranz-der-psychiater/ ... was mussten sich entsprechend Betroffene doch leider 20 Jahre lang von ignoranten, arroganten und inkompetenten Ärzten und Psychiatern sagen lassen, wie es angeblich wirklich sei mit dem Thema, mit Modediagnose und und und und dass es das sowieso nicht gäbe... eine solche Einstellung entsprechender Psychiater gehört bestraft, u.U. auch standesrechtlich.

Im Übrigen sind ca. 70% gerade auch der Psychiater in Deutschland ignorant bezüglich ADHS. Unterdiagnostik und das Nicht-Erkennen von ADHS geschehen dort massenhaft. Die Anzahl tatsächlich kompetenter Spezialisten für ADHS (die in den meisten Fällen übrigens mehr oder weniger ausgeprägt selbst ADHS haben) ist leider mehr als überschaubar. Zusätzlich kommt nichts nach, um die alten Hasen und ADHS-Pioniere, die zusehends in den Ruhestand gehen oder aus anderen Gründen, z.B. dem systematischen Mobbing gegen niedergelassene ADHS-Therapeuten durch die institutionalisierte ADHS-Gegnerschaft, aus der Versorgung der ADHS-Patienten ausscheiden, zu ersetzen.

Ich habe selbst Medizin studiert und habe in der Universitätspsychiatrie 4 Monate Praktisches Jahr absolviert. Der Oberarzt meiner Station sagte dort in einem Seminar gegenüber uns Studenten:”…Ich möchte mich bei der Gelegenheit outen als ADHS-Gegner…”…das war übrigens diejenige Universitäts-Psychiatrie, die ansonsten als das ADHS-Zentrum schlechthin in Deutschland gilt. Und selbst dort sieht sich ein Teil der Ärzte als “ADHS-Gegner”… Was muss diese mir persönlich damals zutiefst unsympathische Person schon alles angerichtet haben, indem sie Psychiatrie-Patienten, die bei ihm Hilfe suchten, von einer entsprechenden für sie hilfreichen Diagnose abgehalten hat? Solch eine Einstellung gehört sanktioniert ! ....die deutliche Mehrheit der Psychiater in Deutschland dürfte diese Einstellung zu ADHS haben. Bei ca. 4 Millionen Erwachsenen mit ADHS in Deutschland (und das noch gemäß der “konservativen Diagnosekriterien gemäß ICD-10) dürfte riesiger Bedarf für die fachärztliche Betreuung von ADHS-Patienten bestehen und die bisher (Stand 2018) mit ADHS diagnostizierten Erwachsenen dürften sicher nur die Spitze des Eisbergs darstellen. Leider beißen die Betroffenen bei überwiegend ignoranten und übrigens unethisch (und zwar so gar nicht gemäß Hippokratischem Eid bzw. Genfer Gelöbnis) handelnden Ärzten meistens nur auf Granit und erfahren gerade von dieser gesellschaftliche Gruppe noch stärkere Ablehnung bis hin zu offener Feindschaft, als dies für die Gesellschaft insgesamt gilt. Zeit, mal ein bischen Radau zu machen.
Avatar #93362
am Dienstag, 7. August 2018 um 18:49

Verständnis hilft sehr

Den Ansatz, ehemals Betroffene in die Behandlung einzubeziehen, finde ich gut.
Die in einem anderen Kommentar genannte Arroganz und Ignoranz vieler Psychiater ist für die Behandlung nicht hilfreich.
Avatar #99598
am Mittwoch, 8. August 2018 um 16:08

In Deutschland unerwünscht!

Ich beziehe mich hier auf einen Aufenthalt in einer Psychosomatischen Klinik. Der Effekt gemäß Bericht dürfte aber gleich sein!
Wegen BurnOut und Depression fand ich über 14 Monate lang keinen Therapieplatz, wohl aber den Weg in eine Selbsthilfegruppe. Trotz aller Bemühungen in dieser Gruppe blieb es beim Jammern und Wehklagen. Der einzige Nutzen: Ich fühlte mich nicht allein mit meinen Problemen. Nach über einem Jahr dort, waren die gleichen Teilnehmer immer noch dort, viele zugleich in ambulanter Therapie. Es änderte sich nichts!
Als ich aus der Psychosomatischen Klinik zurück kam, hatte ich viel gelernt und freute mich darauf, die anderen in der SH-Gruppe an meinen Erkenntnissen teilhaben zu lassen. Meine Freude dauerte nicht lang: Mit der Begründung, ich sei ja nun kein Betroffener mehr, könne ich nicht mehr an der Gruppe teilnehmen, wurde ich rausgeworfen!
Später gründete ich an einem anderen Ort eine Selbsthilfegruppe für BurnOut- und Depressionserfahrene Menschen. Diese Gruppe wollte ich leiten im Sinne von Anleitung zur Selbsthilfe. Für dieses Konzept erhielt ich keine Anerkennung als Selbsthilfegruppe durch die Krankenkassen und folglich auch keine finanzielle Förderung und keine Räume bereit gestellt. Ich musste alles selbst tragen. Also bat ich um eine freiwillige Spende der Teilnehmer. Wöchentlich fanden so die ersten Gruppen statt und waren auch erfolgreich für die Teilnehmer. Aber selbst dieses Engagement musste ich dann aufgeben, weil Neid- und Frustbürger mein Engagement verleumdeten: Ich würde diese Gruppe missbrauchen, um Geld zu verdienen. Ich würde über die Gruppe neue Klienten gewinnen wollen. Ich würde unerlaubte Therapie anbieten. Ich wollte ja nur mein Image aufpolieren... usw. usw. usf.
Angesichts solcher Reaktionen auf mein aufrichtiges soziales Engagement hin habe ich diese Selbsthilfegruppe sofort geschlossen.

Die Engstirnigkeit von Deutschlands Bürokraten (Spitzenverband der GKVen) sowie Neid und Missgunst der lieben Frust- und Wutbürger führen dazu, dass solch ein Engagement, obwohl in der Nützlichkeit unbestritten, schlichtweg keinem zugemutet werden kann.

Clemens M. Hürten
Heilpraktiker der Psychotherapie
Rottweil

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