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Avatar #683778
am Donnerstag, 13. September 2018 um 00:48

Aufklärung

Kommentar zur Nachricht
Eingeimpft: Ärzte und Wissenschaftler kritisieren fehlende Einordnung von Fakten
vom Mittwoch, 12. September 2018
Ja, das Zeitalter der Aufklärung begann vor knapp 400 Jahren, aber immer noch wollen Viele offenbar nicht wahr haben, dass die Erde rund ist.
Nichts gegen Skepsis bezüglich der Wissenschaft, aber, dass wir heute älter werden (und das in vielen Fällen auch bei guter Lebensqualität!), hat auch etwas mit den Impfungen zu tun. Man möge die Impfgegner(gn) doch mal fragen, ob sie auch schon einmal eine Kopfschmerztablette genommen haben? In den USA hat man aufgrund der guten Durchimpfungsrate die Masernenzephalitis ausgerottet. Hier stirbt immer noch jeder 1000. Masernpat. (gn) an einer Enzephalitis.
Glauben ist gut, Wissen ist besser, aber solange selbst bei Ärzten(gn) und Krankenpflegepersonal geradezu hanebüchene Begründungen für das Nichtimpfen gegeben werden, brauchen wir uns nicht zu wundern.
Avatar #110206
am Donnerstag, 13. September 2018 um 10:39

Hier dreht es sich um ein ungelöstes Problem. Wo bleibt das Prinzip der Antithese?

Hier kommt ein Film in die Kinos, der gedreht wurde, weil es offen kundig ein Thema ist. Man darf gespannt sein, ob er ein Kassenschlager wird. Wenn dieser Film ein großes Publikum bekommt, dann ist das ein Anlaß, das Thema neu aufzugreifen, denn dann ist dieser Film allein durch seine Existenz und seinen Zuspruch ein Marker für ein ungelöstes Problem. Ich werde ihn mir anschauen, genauso wie ich regelmäßig die Bulletins des RKI anschaue.

Warum ist es ein Thema?

Hat das RKI und hat die STIKO wirklich die besseren Argumente? Und wenn sie die haben, wie erklärt es sich dann, daß nicht nur viele, sondern offenbar die Mehrheit der Ärzte sich selbst nicht impfen lassen? Mein Großvater sagte immer, er läßt nur an sich machen, was auch sein Hausarzt an sich machen löassen würde.
Warum gibt es in der Bevölkerung etwas, das man Impf"müdigkeit" nennt, das aber in Wahrheit auch Skepsis sein kann?
Warum werden Impfkritiker konsequent beschimpft als unseriös und unwissenschaftlich, während die 100% Impfbefürwortung nicht einmal hinterfragt werden darf?

In der Wissenschaft ist es üblich,Thesen zu formulieren, dem werden Antithesen gegenübergestellt und es folgt daraus schließlich die Synthese. Die These heißt in etwa, Impfungen sind mit eine der segensreichsten Erfindungen der Medizin, antithetisch heißt es, die Risiken und Nebenwirkungen werden heruntergeredet.
These ist, wenn alle sich impfen ließen, würden Krankheiten ausgerottet, die Antithese sagt, Virusinfektionen sind ein Teil der genetischen Kommunikation unseres Immunsystems.
Die These heißt, die Pocken wurden weltweit ausgerottet, die Antithese ist, daß geschah mit vielen Impfopfern (es geht nicht um Fieber, sondern um Todesopfer in den 50er und 60er Jahren), und leider befinden sich Pockenviren immer noch in den Waffenarsenalen der Supermächte.
Thesen und Antithesen richten sich nach angeblichen oder tatsächlichen Vermehrungen von Asthma und Allergien nach Impfungen, sie beziehen sich darauf, daß immer noch Grippe und grippaler Infekt, Influenza-Impfungen und banale saisonale Grippe nicht sauber getrennt werden.

An diesem Punkt sind wir heute.

Wir sind solange weit entfernt von einer Synthese aus beiden Standorten, wie die einen als verblendete Schulmediziner ohne Gehör für die Nebenwirkungen und Gegenanzeigen gelten, während die anderen als esoterische Spinner und Verweigerer der Heilslehre von der Evidenzbasierten Medizin deklariert werden.

So kommt man nicht zusammen.

Die andere Frage ist, müssen wir zusammenkommen? Ist es nicht besser, man läßt beide Fraktionen stehen, und dann soll doch bitte sich impfen lassen und das Impfen empfehlen wer will, und wer nicht will läßt es. Das einzige Argument gegen dieses Vorgehen ist die These vom "Herdenschutz". Dem steht die Antithese gegenüber, daß Herdenschutz einen hohen Preis hat, finanziell wie ethisch und medizinisch. Von "Ausrottung" und von "Herdenschutz" steht übrigens nichts in den STIKO-Empfehlungen. Die sehen viel konkreter so aus, daß man das Impfziel mit dem Patienten bespricht, sich über Risiken und Nebenwirkungen ausspricht, Kontraindikationen und Maßnahmen für den Fall einer Impfreaktion behandelt und das alles dokumentiert.

Wer geht diesen Weg konsequenter, die Impfbefürworter oder die Impfkritiker? Wir diskutieren, ob in Deutschland zu viele TEPs und zu viele Kaiserschnoitte gemacht werden. Warum nicht mit derselben medizinischen Ernsthaftigkeit auch an die Impfungen gehen?

"Eingeimpft" - der Film schildert - wie man bisher hören und lesen konnte - genau das, was die Impfdebatte zur Problematik werden läßt. Ein Paar steht vor der Entscheidung, soll es seine Tochter impfen lassen oder nicht. In dem Film werden dann wohl die Fragen gestellt, denen sich Paare im realen Leben auch gegenübergestellt sehen.

Darum geht es. Um einen Film, der sich um ein Problem kümmert
Avatar #691359
am Donnerstag, 13. September 2018 um 18:59

Das Problem ist nicht der Mangel an Fakten

sondern die mangelhafte Fähigkeit mit diesen Fakten umgehen zu können. Das Prinzip der Generierung von Wissen nach dem Prinzip These, Antithese und Synthese funktioniert sehr wohl. Das Problem bei der Bewertung der Fakten zum Thema Impfen besteht darin, dass das Fachwissen zum Thema Impfen sehr ungleich auf die Gruppen der Impfbefürworter und der Impfskeptiker verteilt ist. Bei denen, die sich hauptberuflich mit Infektionskrankheiten und dem Impfen beschäftigen gibt es sehr wohl Diskussionen zu Details von Impfungen, aber keine grundlegende Impfskepsis. Bei den Impfskeptikern gibt es dagegen Diskussionen zu Fragen, die von den Spezialisten als Trivialwissen betrachtet werden.

Ein auffälliges Detail bei der Diskussion um die Impfpflicht ist die Tatsache, dass die Mehrzahl der Impfskeptiker nicht aus den Kreisen der Ungebildeten kommt, sondern aus den Kreisen der Halbgebildeten, die ihre Kompetenz bei diesem Thema hoffnungslos überschätzen. Das Wissen der Menschheit wächst weiterhin exponentiell, die Fähigkeit des menschlichen Geistes, diese Informationen zu verarbeiten ist dagegen begrenzt. Dies führt dazu, dass wir im Internetzeitalter einen extremen Überfluss an Informationen haben und deshalb sehr selektiv bei der Integration neuer Informationen vorgehen. Deshalb ist es bei der Integration neuer Fakten in unser Weltbild auch völlig egal, ob diese Fakten wahr sind, viel wichtiger ist die Frage, ob diese Fakten zu unserem bisherigen Weltbild kompatibel sind. Dies führt dazu, dass die vorhandenen „wahren“ Fakten von den Fachleuten problemlos integriert werden, während Personengruppen mit einem unzureichenden Zugang zu komplexen Fragestellungen zeitlebens in ihrer Echokammer gefangen sind. Diese Echokammern existieren nicht nur beim Themen Impfen, sondern bei vielen Fragen unseres Lebens, wo einfache Lösungen für komplizierte Probleme angeboten werden. Um hier nicht gleich einen Shitstorm loszutreten, erspare ich mir eine Aufzählung dieser Echokammern, denn diese Liste würde sehr lang werden.

Es ist wahr, dass Impfgegner und Impfbefürworter kaum miteinander reden. Das liegt aber hauptsächlich am mangelnden Fachwissen der Impfskeptiker und der mangelnden Bereitschaft der Impfskeptiker das frei verfügbare Angebot an Fachwissen zu nutzen. Die hohe Zahl an Ärzten und Akademikern unter den Impfskeptikern spricht daher für Defizite in der Aus- und Weiterbildung und das Phänomen der Überforderung der menschlichen Informationsverarbeitung im Informationszeitalter. In meinem beruflichen Alltag habe ich genug Diskussionen mit Impfskeptikern. Einer einzelnen Person die Fakten zu erklären ist in Ordnung, aber spätestens bei der zehnten Wiederholung der ewig gleichen Diskussion wird es extrem frustran. Hier sehe ich die Verantwortung des RKI und anderer staatlicher Einrichtungen, ihre Internetdarstellung dahingehend zu überarbeiten, dass sie nicht nur sachlich richtig, sondern auch pädagogisch aufbereitet ist. Die Argumente der Impfskeptiker sind immer die gleichen. Die FAQ-Seiten des RKI sollten auf alle diese Fragen leicht verständliche Antworten geben. Davon sind zum jetzigen Zeitpunkt diese Seiten noch weit entfernt.

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