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Avatar #691359
am Freitag, 28. Dezember 2018 um 00:03

Zementierung einer Fehlentwicklung

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CSU will integrative Medizin an den Universitäten stärken
vom Freitag, 21. Dezember 2018
Wer sich auch nur ansatzweise mit der Geschichte der Medizin beschäftigt hat, sollte wissen, das alles medizinisch Verwertbare aus der Naturheilkunde schon längst in der Schulmedizin integriert ist. Die aktuelle Hinwendung zu Naturheilkunde und Komplementärmedizin hat nur eine einzige Ursache: Die Menschen benötigen für ihre Heilung nicht nur Pillen und Diagnosen, sie benötigen auch ZUWENDUNG. Diese Zuwendung wird ihnen derzeit durch die Schulmedizin vorenthalten.

Warum gibt es seitens der Schulmedizin zu wenig Zuwendung? Als erstes reicht ein Blick in den EBM, um zu verstehen, dass ein niedergelassener Arzt mit voller Budgetverantwortung für seine Praxis nur ein begrenztes Zeitfenster für Zuwendung hat. Die sprechende Medizin wird einfach zu schlecht vergütet. Und zweitens selbst wenn der Wille da wäre, so lässt das übervolle Wartezimmer keine Zeit für eine derartige „Luxusbeschäftigung“. Für beide Probleme tragen die Krankenkassen die Verantwortung. Die Beitragssatzstabilität ist eine heilige Kuh, die nicht geschlachtet werden darf, deshalb wurde und wird mit Billigung des Gesetzgebers der Interessensausgleich zwischen Ärzteschaft und Kassen unterminiert. Und weil die Selbstverwaltung auf Druck der Kassen nicht mehr funktioniert, genau deshalb kommen aus der Politik die Stimmen, welche die Selbstverwaltung ganz abschaffen wollen.
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/98536/Spahn-droht-Selbstverwaltung-mit-mehr-politischen-Vorgaben

Auch das Problem der übervollen Wartezimmer ist zu weiten Teilen durch die Kassen verschuldet. Wir Deutschen sind Spitzenreiter bei den Arztkontakten, und das ist so, weil es seitens der Kassen ein unbegrenztes Leistungsversprechen gibt und Null Anstrengungen zur Patientensteuerung unternommen werden. Dies ist die nächste heilige Kuh, die geschlachtet werden müsste, nur bei einer Patientensteuerung durch die Kassen (z.B. wenn eine übertriebene Inanspruchnahme des Systems durch eine Praxisgebühr oder durch eine nur teilweise Rückerstattung der Kosten sanktioniert wird) haben die niedergelassenen Ärzte überhaupt die zeitlichen Ressourcen den Patienten die Zuwendung zu geben, die sie so dringend benötigen. Unter den jetzigen Bedingungen bekommen nicht die Patienten die meiste Zuwendung, welche sie am meisten benötigen, sondern diejenigen, welche sie am lautesten einfordern. Mit Gerechtigkeit hat all dies nicht mehr viel zu tun.

Wenn also die CSU die Naturheilkunde und die komplementäre Medizin stärken will, so bedeutet dies folgendes: Es ist ein billiger Versuch nach der letzten Wahlniederlage neue Wählerschichten zu gewinnen, und dies auf Kosten des wissenschaftlichen Auftrags der Hochschulen. Und es ist eine Kapitulationserklärung gegenüber den Krankenkassen. Der einzige Vorteil der Naturheilkunde und Komplementärmedizin besteht darin, dass die Zuwendung derartig eng mit den jeweiligen Ritualen verwoben ist, dass die Kassen hier nicht einfach die Zuwendung nach eigenem Ermessen kürzen können. Wir, die Ärzte, bezahlen für das bisschen legale Zuwendung für unsere Patienten einen hohen Preis: wir sind dabei das wissenschaftliche Fundament unserer Arbeit zu opfern. Letztendlich sind sowohl die Ärzte, aber auch die Patienten die Betrogenen.
Avatar #88255
am Freitag, 28. Dezember 2018 um 08:32

Was nichts kostet...

Die „Zuwendung“ in der Alternativmedizin als wirksames Agens zahlen die Patienten häufig ganz oder überwiegend aus eigener Tasche. Auch ein Kassenarzt ist bereit, sich eine Stunde lang mit seinen Patienten zu unterhalten - wenn diese ihm hundert Euro bar in die Hand drücken. Würde die homöopathische Erstanamnese von den Kassen bezahlt wie ein „schulmedizinischer“ Erstkontakt, würde sie höchstens fünf Minuten dauern und wäre das endgültige Aus für die H. als Kassenschmankerl. Und das würde erneut die auch in der Medizin gültige Regel bestätigen, „Was (den Patienten) nichts kostet, ist nichts wert.“ Die private Eigenleistung in der Alternativmedizin ist ein effektiver Antrieb für ein zufriedenstellendes Behandlungsergebnis. Privat liquidierende Alternativmediziner sollten daher eine Integration ihrer Leistungen in die dröge Kassenmedizin scheuen. Die Menschen sind bereit, viel Geld für Illusionen auszugeben.
Avatar #752363
am Montag, 14. Januar 2019 um 22:44

Naturheilkunde

Da wird Naturheilkunde mit Homöopathie-Geschwurbel durcheinander geworfen. DZvHÄ muss da nicht jubeln, darum geht es -hoffentlich- nicht. Und Naturheilkunde muss- mit zunehmender Beforschung- größerer Bestandteil der Medizin werden (Unterscheidung Schul- und Integrative oder auch Alternativmedizin sind rhetorische Begriffe).

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