DÄ plusForenKommentare NewsRe2: Der Durchschnitt ist ein miserables Maß

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Avatar #715180
am Montag, 4. März 2019 um 10:50

VORSÄTZLICHE IRREFÜHRUNG?

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Studie: 13.000 vorzeitige Todesfälle mit Verkehrsabgasen assoziiert
vom Mittwoch, 27. Februar 2019
Die 6.000 (oder wieviel auch immer) vorzeitigen Todesfälle, die uns das UBA (oder wer auch immer) weismachen will, entsprechen in Wahrheit offenbar einer "durchschnittlich verlorenen Lebenszeit" von ACHT STUNDEN (1); eine Anzahl kann SERIÖS hingegen offenbar gar nicht angegeben werden (2).

Nun steht hingegen UNWIDERLEGBAR fest, dass das mittlere Sterbealter Jahr für Jahr um rund DREI MONATE, also ca. 2.000 STUNDEN STEIGT (destatis.de).

Und da will man uns weismachen, diese acht Stunden machten IRGENDEINEN UNTERSCHIED?

Zumal sie auf (UR)ALTEN DATEN beruhen?

Leute. Lasst euch doch nicht HINTERS LICHT FÜHREN.

Rauchen ist auf einmal genau so harmlos wie die "frische Luft" (3)? Wer so etwas behauptet, lebt offenbar nicht auf diesem Planeten. Nehmen wir die Zahlen mal so wie kommuniziert: 120.000 Raucher sterben vorzeitig (Tabakatlas 2015). 3.301 "Passivraucher" (typische PM2,5-Exposition um 500 µg/cbm; Pötschke-Langer 2005). Und jetzt 120.000 Nichtraucher, bei 40µg/cbm. Eine fürwahr "nichtlineare Dosis-Wirkungs-Beziehung" (4), nämlich eine "J-Kurve" !!!

Wer's glaubt, wird selig.

1. https://www.daserste.de/information/wirtschaft-boerse/plusminus/sendung/ndr/diesel-abgase-100.html
ZITAT:
Wenn man nur auf die Größe schaue, die mit der Formel gemessen werden könne, nämlich generell verlorene Lebenszeit, ergebe sich ein ganz anderes Bild der Schadstoffbelastung als bislang öffentlich dargestellt. Der Effekt der NO2-Exposition sei in Wahrheit klein, im Jahr 2014 für die Gesamtbevölkerung betrachtet acht Stunden pro Person. "Diese große, plakative Wirkung mit den vielen Todesfällen, die ergibt sich nur, wenn ich die Formel falsch anwende." Morfeld fordert deshalb eine Versachlichung der Diesel-Debatte. Andernfalls könnte das Vertrauen der Bürger in Politik und Wissenschaft erschüttert werden – vor allem angesichts anstehender Dieselfahrverbote und drohender finanzieller Verluste für die Betroffenen. Das Umweltbundesamt fordert der Epidemiologe deshalb auf, seinen Bericht zu den 6.000 vorzeitigen Todesfällen zurückzuziehen: "Sicher ist das ein schwieriger Schritt für das Umweltbundesamt, aber ich halte ihn für überfällig."

2. Morfeld P, Erren TC: Warum ist die „Anzahl vorzeitiger Todesfälle durch Umweltexpositionen“ nicht angemessen quantifizierbar? Gesundheitswesen 2019; 81(02): 144-149 DOI: 10.1055/a-0832-2038

3. ARD, Pressemeldung vom 17.01.2019: Neue Studie spricht von rund 120.000 vorzeitigen Todesfällen durch Feinstaub in Deutschland – Landwirtschaft gilt als Hauptverursacher. https://www1.wdr.de/daserste/monitor/extras/pressemeldung-feinstaub-100.html, sowie ARD-Sendung "Monitor"vom 17.1.2019. (last accessed on 24 Februar 2019).
4. Internationale Experten zu Stellungnahme von Lungenärzten. https://www.sciencemediacenter.de/alle-angebote/rapid-reaction/details/news/internationale-experten-zu-stellungnahme-von-lungenaerzten/ (last accessed on 24 Februar 2019).
Avatar #88255
am Montag, 4. März 2019 um 12:00

Der Durchschnitt ist ein miserables Maß

Grundsätzlich gebe ich DrSchnitzler recht, dass solche Zahlen höchst fragwürdig sind. Allerdings ist der Durchschnittswert ein miserables Maß, wenn die Eigenschaften der Grundgesamtheit stark streuen. Und das ist hier logischerweise der Fall. Die angeblich verlorene Lebenszeit in Deutschland darf nicht einfach auf die Gesamtbevölkerung umgelegt werden, was zu den rechnerischen 8 Stunden Minus führt, sondern müsste jeweils in Abhängigkeit von der Exposition angegeben werden, um ein realistisches Bild zu erhalten. Für Menschen in hochbelasteten Bereichen würde das zu einer stärkeren Lebenszeitreduktion führen als bei Menschen in „gesunder Landluft“. Schließlich wäre die durchschnittliche Risikoerhöhung für Lungenkrebs, über die gesamte Bevölkerung (also auch die Nichtraucher) gemittelt, ebenfalls recht klein. Womit wir beim Schwachpunkt solcher Studien wären, nämlich der Messung der individuellen Exposition. Und ich gebe DrSchnitzler auch recht in seiner Feststellung, dass der Gewinn an Lebenszeit durch unsere moderne, Schadstoffe verursachende Lebensweise deren nachteilige Effekte weit überwiegt. Würde man den Zusammenhang zwischen dem Anstieg der Lebenserwartung und der Exposition mit „Umweltgiften“ aller Art berechnen - welche „Korrelation“ würde man dabei wohl erhalten?
Avatar #715180
am Montag, 4. März 2019 um 14:01

Re: Der Durchschnitt ist ein miserables Maß

Zustimmung!
Ich hege folgenden Verdacht zu den (unveröffentlichten?) Beschuldigungen des Mainzer Max-Planck-Instituts (3): es ist bekannt, dass Raucher etwa 10 Jahre vorzeitig ableben, und rund ein Viertel der Bevölkerung ausmachen. FALLS nun die Raucher nicht herausgerechnet, sondern – im Ergebnis – einfach auf die Gesamtbevölkerung "umgelegt" wurden, ergeben sich nach Adam Riese genau die genannten 2,5 Jahre (»verliert hierzu der Durchschnittsbürger zweieinhalb Jahre«).
Damit wäre aber sozusagen der Nachweis geführt, dass quasi "kein einziger Nichtraucher" am umweltbedingten Feinstaub vorzeitig stirbt, und der angeführte Vergleich müßte in WAHRHEIT lauten: "genau so viele Raucher wie Raucher". Das aber wäre im Kontext eine ganz und gar UNVERFRORENE IRREFÜHRUNG.

DANN aber FEHLEN MIR DIE WORTE, wenn es heißt, 50.000 Menschen kämen vorzeitig durch "landwirtschaftlichen" Feinstaub zu Tode. Das wäre schlicht und einfach UNMÖGLICH.
Ein derartiger Betrug an der Öffentlichkeit wäre nun wirklich NICHT HINNEHMBAR.
Avatar #715180
am Montag, 4. März 2019 um 14:57

Re2: Der Durchschnitt ist ein miserables Maß

Richig ist, dass sich Expositionen bei Nichtrauchern unterscheiden können. Nehmen wir (alles grob vereinfacht) eine "beste" Exposition von 10 µg/cbm an, im Schnitt 40, höchstens rund 100. Dann würden sich die Verlustzeiten grob zwischen 2, 8 und 20 Stunden bewegen. Was würde das ändern?

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