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Avatar #759489
am Sonntag, 14. April 2019 um 14:21

Fake-News, dass sich die Balken biegen

Kommentar zur Nachricht
Brandenburger Landtag für Masern­impfpflicht in Kitas
vom Freitag, 12. April 2019
Die Presse ist voll mit Meldungen wie: "Die erschreckende Zunahme der Masern erfordert..." etc. blabla. Die Journalisten sind offenbar zu dumm zur Recherche (oder ist's Absicht?):

http://impf-info.de/die-impfungen/masern/278-faktencheck-masern-in-brandenburg.html

http://impf-info.de/die-impfentscheidung/die-diskussion-%C3%BCber-die-impfpflicht/279-faktencheck-masern-und-masernimpfung-nach-bundesl%C3%A4ndern.html

Da reicht ein Blick auf die RKI-Statistik u. man merkt, was hier gespielt wird.
Avatar #691359
am Montag, 15. April 2019 um 00:14

Die Diskussion beginnt gerade erst

Vieles wurde bereits gesagt zum Thema Impfen. Aber letztendlich läuft alles auf eine einfache Frage hinaus: Wenn wir so weiter machen wie bisher, wird es in Deutschland keine großen Ausbrüche geben, aber wir werden auf unbegrenzte Zeit mit den Masern leben müssen. Eine Absage an die Impfpflicht ist eine Absage an die Hoffnung die Masern jemals endgültig loszuwerden und ist eine Absage an die Selbstverpflichtung Deutschlands an der Eradikation der Masern mitzuwirken.

Leider ist der Umkehrschluss nicht so trivial. Eine Impfpflicht allein ist noch keine Garantie für die Ausrottung der Masern. Erforderlich ist eine Immunität von ca. 95% (oder mehr) in den epidemiologisch relevanten Altersgruppen. Eine Impfpflicht so wie in der aktuellen Diskussion hat Einfluss auf die Grundimmunisierung der Kinder, kann also nur sehr langfristig wirken. Für die bestehenden Impflücken bei Erwachsenen sind andere Maßnahmen erforderlich, und hier beginnt die Diskussion gerade erst. Auf jeden Fall wäre es ein großer Fehler sich allein auf die Impfpflicht zu fokussieren und die Gesamtproblematik aus den Augen zu verlieren.

Was die aktuelle öffentliche Diskussion betrifft, die aktuellen Fälle, egal ob in Deutschland oder im Ausland, sind nicht die URSACHE für diese Diskussion, sondern nur der ANLASS. Eine etwas sorgfältigere Wortwahl bei Politikern und den Medien wäre wünschenswert. Deshalb diese Diskussion als Fake-News abzutun, zeugt aber auch von einem gehörigen Realitätsverlust der Gegenseite. Wer sich allerdings nur in Echokammern von zweifelhafter Qualität bewegt, hat wenig Chancen diese Diskussion zu verstehen. Ich habe mich bereits in früheren Beiträgen mehrfach mit den Äußerungen auf der Seite impf-info.de beschäftigt. Sowohl bei der Frage der Letalität der Masern als auch bei der Frage von Ausbrüchen in Kohorten glänzt diese Seite mit einer sehr selektiven Präsentation von Informationen. Durch das bewusste Weglassen wesentlicher Informationen wird der medizinische Laie manipuliert. Das kann soweit gehen, dass gefühlte Realität und echte Realität ihren Platz tauschen und dass alle Risiken der Maserninfektion der Impfung zugeschrieben werden und alle Vorteile der Impfung der Infektion zugeschrieben werden.

Der aktuellen Diskussion würde es allerdings sehr gut tun, wenn man zuerst über Maßnahmen zur Verbesserung der Immunität reden könnte und erst dann wenn dieses Gesamtpaket an seine Grenzen stößt, erst dann über mögliche Zwangsmaßnahmen als ultima ratio. Ich persönlich würde mir persönlich deutlich mehr Aktivitäten im Bereich der Aufklärung wünschen. Das fängt an mit den Seiten des RKI. Die Erregersteckbriefe sind für einen kurzen Überblick gut geeignet. Was aber die ewigen Wiederholungen der Diskussionen zum Thema Risiken durch die Infektion und Risiken durch die Impfung betrifft, eine detailliertere Darstellung der Einzelrisiken incl. belastbarer Quellen wäre sehr hilfreich. Auch gibt es auf den Seiten des PEI und auf europäischen Seiten zu UAW Informationen zur Masernimpfung. Die frei verfügbaren Informationen sind für die aktuelle Diskussion nur begrenzt brauchbar. Mit einer detaillierten und transparenten Aufarbeitung der UAW könnte viel erreicht werden, um die Diskussion zu versachlichen.

Vor Allem wünsche ich mir, dass die Bundesärztekammer ihrer Verantwortung gerecht wird. Wir leben im Informationszeitalter, aber in der Musterberufsordnung der Bundesärztekammer steht NULL Inhalt zur Verantwortung von Ärzten für ihren Internetauftritt. Es geht nicht um Zensur, aber wenn eine Seite wie impf-info.de offensichtlich hochgradig manipulativ und unter Missachtung des Facharztstandards agiert, sollte für ärztlich betriebene Seiten die Impressumspflicht in der Hinsicht erweitert werden, dass dort ein Hinweis steht, ob diese Seite die Zustimmung der jeweiligen Landesärztekammer hat oder ob sich die Kammer ausdrücklich von dieser Seite distanziert.
Avatar #88255
am Montag, 15. April 2019 um 08:45

Kein infektiologischer Notfall

Ich bin überzeugter Befürworter von Impfungen, frage mich aber, ob Masern tatsächlich als infektiologischer Notfall betrachtet werden müssen. Sie sind ganz sicher keine banale Erkrankung, aber nicht entfernt vergleichbar mit Pocken, Ebola oder Kinderlähmung. Die Zahl der Grippetoten übersteigt diejenigen durch Masern (zumindest in Industrienationen) um mehrere Größenordnungen, und dennoch gibt es hier keine seuchenhygienischen Bekämpfungsmaßnahmen. Der Aufwand, den die Behörden seit einiger Zeit bei Masernfällen treiben müssen, ist dagegen gewaltig und sie schießen oft genug weit über das Ziel hinaus. Es erfolgt eine sofortige(!) umfangreiche Ermittlung von Kontaktpersonen, es werden Besuchs- und Betretungsverbote ausgesprochen, Ungeimpfte müssen eingehend aufgeklärt werden - und das nur, um eine Minderheit von Personen, die sich nicht impfen lassen, vor einer Erkrankung zu schützen, vor der sie sich selbst mit einer Impfung schützen könnten. Mit einer ausreichend hohen Immunität wären die Masern keiner Erwähnung mehr wert, und es wären auch solche Personen geschützt, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können. Ob man wirklich unbedingt auf eine Ausrottung der Masern hinarbeiten muss, erscheint mir angesichts der guten Impfmöglichkeiten eher fraglich. Leider erwartet unsere Vollkaskomentalität vom Staat, dass er einen immer größeren Schutz vor sämtlichen alltäglichen Lebensrisiken gewährleistet.
Avatar #759489
am Montag, 15. April 2019 um 11:37

Hut ab!

Hut ab, Doc Nemo, das ist richtig argumentiert. Auch aus "psychologischer Sicht":

https://www.cicero.de/wirtschaft/impfen-impfgegner-masern-who-impfpflicht-cornelia-betsch
Avatar #88255
am Dienstag, 16. April 2019 um 08:42

Ich bin mir nicht sicher

lieber mitdenker, ob Sie meinen Post richtig verstanden haben. Ich plädiere selbstverständlich nicht für eine „natürliche“ Immunität durch Wildviruserkrankungen, sondern für eine umfassende Impfimmunisierung. Ich ärgere mich nur darüber, dass der Staat einen immensen Aufwand treiben muss, um Impfmüde und Impfverweigerer vor sich selbst zu schützen. Von mir aus können die doch alle krank werden - nur können sie bei der gültigen Rechtslage den Staat dann verklagen. Das gilt auch für die wenigen Personen, die nicht geimpft werden dürfen. Sie haben einen bedingungslosen Rechtsanspruch auf maximalen staatlichen Schutz, für dessen Aufwand es keine prinzipielle Obergrenze gibt. Und so wird auch mal eben der ÖPNV einer Großstadt zeitweise lahmgelegt. Epidemiologisch unsinnig, aber zu eigenen rechtlichen Absicherung erforderlich, weil es Leute wie Ich-nenne-keinen-Namen gibt.

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