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Avatar #771555
am Dienstag, 28. Mai 2019 um 12:52

Zur Schätzung des SSPE-Risikos


@KuhnJ am Samstag, 25. Mai 2019, 16:27:

Das geschätzte sogenannte "Risiko" von mindestens 1 SSPE-Erkrankung pro 3.300 Masern-Erkrankungen bezieht sich nur auf die Gruppe der unter 5-jährigen. Methodisch ist es eine sehr unsichere Schätzung, die ihrerseits auf mehreren fragwürdigen Modell-Annahmen und möglicherweise mit hohen Dunkelziffern behafteten Statistiken beruht, insbesondere was die Zahl der Masernfälle betrifft. Es handelt es sich um eine retrospektive Extrapolation von Daten aus einem spezifischen Zeitraum, namentlich Krankenhauseinweisungen von Masernpatienten der Jahre 1994-2000, gemeldeten Masernfällen und hospitalisierten Masernfällen der Jahre 2001-2009 und SSPE-Diagnosen der Jahre 2003-2009. Gerade während dieses Zeitraumes veränderte sich jedoch die epidemiologische Situation bei den Masern sehr stark, wurden Impfempfehlungen und Meldesysteme reformiert und vermutlich auch die Praxis bei Impfungen und Krankenhauseinweisungen verändert. Offenbar kam es ca. 2002-2003 zu einem starken Rückgang der Masern und Übergang von einer endemischen zu einer Lage relativer Herdenimmunität.

Die Autoren der Studie von 2013 verzichten darauf, Konfidenzintervalle für ihre Schätzungen anzugeben. Aufgrund dieser Unsicherheiten sind die berechneten restrospektiven Erkrankungequoten erst recht denkbar ungeeignet für irgendwelche die Zukunft betreffenden Risikoprognosen.

Offenbar kam es Mitte der 1990er Jahren zu einer verstärkten Rückkehr der Masern, die infolge der Impfungen ab 1980 relativ stark zurückgegangen waren. Als Problem wurde ein verringerter Nestschutz bei Kindern geimpfter Mütter erkannt, insbesondere auch in den neuen Bundesländern. Verschärft wurde die Situation durch ein Persistieren des Virus in der Gruppe der Vorschulkinder, die gemäß damaliger Empfehlung noch keine zweite Impfung erhalten hatten. Die statistischen Daten zu Masernerkrankungen und Krankenhauseinweisungen sind laut der Studie von 2013 nur für die gesammte Gruppe der 0-5-jährigen verfügbar, jedoch nicht für Auswertungen nach dem genauen Lebensalter. Vermutlich sprang die Erkrankung häufig von den Vorschulkindern zurück auf die besonders SSPE-gefährdete Gruppen der 1-2-jährigen und unter 1-jährigen, so daß gerade dort ein besonders hoher Anteil von Masern-Erkrankungen auftrat.

Auf die damalige Lage reagierte die STIKO in der zweiten Hälfte der 90er Jahre mit einer Zurückverlegung der Empfehlung für die 1. Impfung auf den Zeitraum ab 11. Monat, und der 2. Impfung bis zum 24. Monat. Daraufhin dürfte aufgrund einer veränderten Impfpraxis die Zahl der Erkrankungen in der Gruppe der unter 5-jährigen stark zurückgegangen sein. Auch die Autoren der Studie von 2013 betonen ja, daß Kleinkinder ohne Nestschutz nur durch Herdenimmunität geschützt werden können.
Zudem wurde 2001 die Meldepflicht für Masernerkrankungen eingeführt. Dies könnte zu einer Sensibilisierung bei Ärzten für die Masernerkrankung und zu einer Zurückhaltung bei Einweisungen bzw. besseren Isolation von Patienten im Krankenhaus geführt haben, wodurch weniger Übertragungen im Krankenhaus stattfanden. Gerade solche Veränderungen bei der Versorgung Masernkranker könnten nicht unwesentlich zur dann ab 2003 offenbar eingetretenen relativen Herdenimmunität mit beigetragen haben.

Zur Zeit liegen bei der Gesunheitsberichterstattung des Bundes Angaben zu 3 SSPE-Todesfällen bei 5-10 jährigen Deutschen in den Jahren 2008, 2012 bzw. 2016 vor, die also seit dem Jahr 2000 auf Masernerkrankungen im Alter bis 1 Jahr zurückgeführt werden könnten. Dies scheint angesichts der geringen Zahl der gemeldeten Masernfälle von der Tendenz her ein hohes SSPE-Risiko für Kleinkinder unter 1 Jahr ohne Nestschutz zu bestätigen.

Gleichwohl ist es ein statistischer Husarenritt, mit dem die Autoren der Würzburger Studie die Masernzahl der Jahre 1994-2000 schätzen wollen, denn gerade die zugrundegelegte These einer zwischen 1994 und 2009 konstanten Rate von Krankenhauseinweisungen pro Zahl der gemeldeten Masernerkrankungen scheint sehr fragwürdig.
Avatar #759489
am Dienstag, 28. Mai 2019 um 15:03

Der Rollkragen kratzt...

...gewaltig am Hals. Er zeigt mit seinem Posting beispielhaft, wie einige Impfmaximalisten argumentieren, Danke für das "schöne" Beispiel: Impfkritische Beiträge werden als "Fake News" bezeichnet, der Begriff "Verschwörungstheorie" wird mangels Argumente inflationär ge- bzw. missbraucht. Dann kommt reflexhaft die Aufforderung zur Zensur.
Wer soll sich denn gegen wen "verschworen" haben? Behauptet hier keiner, u. die "impfkritischen" Argumente werden durch offizielle Statistiken u. Links gestützt. Aber das schmerzt offenbar einige u. dann wird versucht die Quellen zu desavouiren. Sehr durchsichtige Strategie, gähn.
Jetzt mal im Ernst, ohne Diskussionspartner wär es hier langweilig u. es entstünde KEINE Diskussion. Aber just dies scheint erwünscht zu sein, einigen reicht das gegenseitige Sich-Bestätigen.
Avatar #737432
am Mittwoch, 29. Mai 2019 um 12:03

Impfgegner@Mitdenker

Na sowas, Sie fühlen sich angesprochen und am Hals gekratzt?
Ich bin übrigens kein "Impfmaximalist", sondern ein Impfbefürworter, der die Kritik an der Impfpflicht aus verschiedenen Gründen nachvollziehen kann. Aber die hier verlinkte Stellungnahme der DGUHT e.V. und andere Kommentare wie die von Pro-Natur gehen aus meiner Sicht über sachliche Impfkritik hinaus und werte ich so, wie ich es unter "Impfgegner" getan habe.
Avatar #759489
am Donnerstag, 30. Mai 2019 um 13:32

Impfbefürworter, der Kritik nachvollziehen kann

@Rollkragen: Klingt interessant, welche Kritikpunkte können Sie nachvollziehen?

A propos "sachliche Impfkritik":

https://www.individuelle-impfentscheidung.de/impfpflicht/stellungnahme-masernschutzgesetz-offener-brief-an-jens-spahn.html
Avatar #737432
am Freitag, 31. Mai 2019 um 14:24

Impfpflicht@Mitdenker

Die von Ihnen verlinkte Stellungnahme enthält viele Argumente, die ich teilen kann, v.a. die sozialpsychologischen Erkenntnisse von Frau Prof. Betsch, Erfurt, zu den Auswirkungen einer Impfpflicht und zum sinnvolleren Abbau von Impfbarrieren. Aus Ihrer "Schule" :
https://www.bento.de/politik/impfgegner-dieser-psychologe-ist-fuer-argumente-statt-impfpflicht-a-fc15d80e-6f7a-4a8d-a0c2-91ad95967e9c

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