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Avatar #691359
am Dienstag, 16. Juli 2019 um 22:42

Ein vielschichtiges Thema

Sollten die Empfehlungen dieser Studie umgesetzt werden, dürfte dies Konsequenzen haben, die allen Beteiligten in dieser Schärfe noch nicht so klar sind.

Fangen wir damit an, Häuser unter 100 Betten sind besonders im Focus weil unwirtschaftlich und wegen mangelnder Infrastruktur (CT, Herzkatheter etc.). Gleichzeitig sind dies etwa ein Drittel aller Häuser. Nur wo stehen diese Häuser? Jedenfalls nicht in Ostdeutschland, dort gab es in den 90-er Jahren einen brutalen Strukturwandel, praktisch alle Kleinstädte haben ihr „Krankenhaus am Rande der Stadt“ eingebüßt. Diese Studie richtet sich also in erster Linie gegen die kleinen kommunalen und kirchlichen Krankenhäuser in Westdeutschland. Andererseits, ein Landrat, der zulässt, das in seinem Landkreis ein Haus geschlossen wird, braucht für die Wiederwahl nicht mehr anzutreten, entsprechend hoch wird der politische Widerstand sein. Die Existenz eines Krankenhauses ist oft genug der gefühlte Gradmesser, ob eine Stadt eine Zukunft hat oder nicht. Erst geht das Krankenhaus, dann das Kino, die Eisdiele, die Post und die Polizei, zuletzt verschwinden der Supermarkt, die Apotheke und der Hausarzt.

Was soll geschehen wenn der „lokale Champion“ etwa 600 Betten haben soll, aber als Kandidaten in der Region zwei 300-Betten Häuser stehen? Wenn die beiden Häuser unter einem Träger fusioniert werden und sich jeweils spezialisieren, mag dies noch gehen. Jede andere Lösung produziert automatisch Verlierer und zerschlägt sehr viel politisches Porzellan.

Völlig offen bleibt, wie dabei die Bettenzahl reduziert werden soll. Die Form folgt bekanntlich der Funktion. Die Funktion der Sektoren (KH und ambulant) wird vorgegeben von den SGB. Wenn die Bettenzahl reduziert werden soll, muss der ambulante Sektor deutlich gestärkt werden, dann müssen die SGB aber auch umgeschrieben werden. Auch ist mir nicht klar, woher bei einer Umsetzung dieser Studie das notwendige Personal (Ärzte und Pflege) kommen soll. Wenn kleine Häuser geschlossen werden bzw. ein Teil von ihnen mit größeren Häusern fusioniert wird, dann führt dies zu einer gewissen Konsolidierung im Krankenhaussektor. Wenn ein Teil der geschlossenen kleinen Häuser zu MVZ’s umstrukturiert werden soll, dann fehlt eine Antwort auf die Frage, woher das Personal und woher die Finanzierung (Schlagwort SGB und gedeckeltes Gesamtbudget) kommen sollen.

Ein Strukturwandel im Gesundheitswesen ist sicher überfällig und einige der Ideen aus der Bertelsmann-Studie klingen ganz interessant. Aber ich bin mir absolut sicher, so einfach wie dort angedacht ist die ganze Sache nicht.
Avatar #780324
am Donnerstag, 18. Juli 2019 um 12:36

Falscher Weg!

Heute werden die Krankenhäuser die mehrere Dörfer versorgen zusammen gelegt, danach dann die, die mehrere Kleinstädte versorgen und später dann werden riesige Krankenburgen gebaut wo dann bundesweit 4 werden, Nord, Ost, Süd, West. Und ferner Zukunft wird dann eines geben was in der Mitte vom ganzen Land steht? Das heißt dann wohl nicht mehr Krankenhaus sondern Hospital City? :-)

Und wie soll das nach dem zusammen legen dann mit der besseren Versorgung funktionieren? Wenn das Personal auch übernommen wird, so haben diese aber auch einen längeren Arbeitsweg was zu Übermüdung führen kann, das soll dann die bessere Versorgung sein?
Oder man baut ganz neue Krankenhäuser wo gleich nebenan das Personal wohnt, dazu müsste dann das Personal aber auch mit reisen in die neue Umgebung. Also das gewohnte Wohnumfeld aufgeben und somit hoch motiviert sein alles bisherige wie Freunde, Nachbarn usw. aufzugeben.
Berücksichtigt diese Studie das auch? Oder wird es einfach voraus gesetzt das der weitere Arbeitswege oder einen Umzug in kauf nimmt?
Avatar #780324
am Donnerstag, 18. Juli 2019 um 13:06

Weniger ist mehr? Nicht immer die bessere Lösung!

bei einem Messi macht das stimmen wenn er sich von einigen Sachen trennt. Aber wenn auch er nicht aufpasst und unüberlegt alles gnadenlos radikal kürzt und sich davon trennt, wird auch er eines Tages böse erwachen und spüren das wichtige Dinge fehlen.
Zu den Plänen mit den Krankenhäuser könnte das so aussehen:
Durch weitere Wege vom KH zum Einsatzort und zurück eben mehr Zeitaufwand oder enorme Anschaffung von Rettungshubschrauber um die Zeitspanne einhalten zu können. Dabei dann nicht nur die Anschaffungskosten bedenken sondern auch das Ärzte, Pfleger und anderes Personal nicht mal eben so ein Ding fliegen können, also mehr Personal notwendig. Ebenso die Wartungskosten und Spritkosten bedenken. Oder will man einfach billigend in Kauf nehmen das durch weitere Wege, evtl. sogar an 2 ehemaligen nun geschlossenen Krankenhäuser vorbei fahrend der Patient stirb?
Dann bedenken das je größer das Haus ist es auch unübersichtlicher wird was Patienten und Besucher angeht. Dazu folgendes Beispiel: In einer Siedlung mit 1 oder 2 Familienhäuser da kennt man sich wie in einem Dorf. Aber in einer Hochhaussiedlung ist es wie in einer Großstadt, da kennt man kaum jemand. Und gerade das ist und kann in einem Krankenhaus fatale Folgen haben.
Aber ich denke das weiß jeder der in dem Bereich tätig ist.

Also lieber nochmal überlegen, dann auch bedenken wenn es mal zu einer Katastrophe kommt und das KH in Fachsprache für den Rettungsdienst gesperrt also belegt ist, was dann? Enorm weitere Wege für Patienten oder Verletzte egal ob harmlos oder Notfallpatient. Also stundenlange fahren zum nächsten KH?

Und nun nochmal über alles nachdenken und dann vernünftig entscheiden!

Danke!
Avatar #751684
am Montag, 22. Juli 2019 um 10:56

Krankenhäuser sind nicht nur Krankenhäuser sondern auch Arbeitgeber und Teil einer Kommune nicht nur

Mit dem Verlust eines Krankenhauses können Kommunen wenn dies Betten nicht auf andere Krankenhäuser der Kommune ( zumindest zu Teil auf geteilt werden, was bei kleinen Kommunen nicht der Fall sein wird) schnell 5 % der Lokalen Arbeitsplätze verlieren, dies ist für viele Menschen ein großer Schlag und selbst ein Umzug in eine andere Stadt ist eine Herausforderung für sich, wenn es den möglich ist.

"Ein vielschichtiges Thema
Sollten die Empfehlungen dieser Studie umgesetzt werden, dürfte dies Konsequenzen haben, die allen Beteiligten in dieser Schärfe noch nicht so klar sind.

Fangen wir damit an, Häuser unter 100 Betten sind besonders im Focus weil unwirtschaftlich und wegen mangelnder Infrastruktur (CT, Herzkatheter etc.). Gleichzeitig sind dies etwa ein Drittel aller Häuser. Nur wo stehen diese Häuser? Jedenfalls nicht in Ostdeutschland, dort gab es in den 90-er Jahren einen brutalen Strukturwandel, praktisch alle Kleinstädte haben ihr „Krankenhaus am Rande der Stadt“ eingebüßt. Diese Studie richtet sich also in erster Linie gegen die kleinen kommunalen und kirchlichen Krankenhäuser in Westdeutschland. Andererseits, ein Landrat, der zulässt, das in seinem Landkreis ein Haus geschlossen wird, braucht für die Wiederwahl nicht mehr anzutreten, entsprechend hoch wird der politische Widerstand sein. Die Existenz eines Krankenhauses ist oft genug der gefühlte Gradmesser, ob eine Stadt eine Zukunft hat oder nicht. Erst geht das Krankenhaus, dann das Kino, die Eisdiele, die Post und die Polizei, zuletzt verschwinden der Supermarkt, die Apotheke und der Hausarzt.

Was soll geschehen wenn der „lokale Champion“ etwa 600 Betten haben soll, aber als Kandidaten in der Region zwei 300-Betten Häuser stehen? Wenn die beiden Häuser unter einem Träger fusioniert werden und sich jeweils spezialisieren, mag dies noch gehen. Jede andere Lösung produziert automatisch Verlierer und zerschlägt sehr viel politisches Porzellan.

Völlig offen bleibt, wie dabei die Bettenzahl reduziert werden soll. Die Form folgt bekanntlich der Funktion. Die Funktion der Sektoren (KH und ambulant) wird vorgegeben von den SGB. Wenn die Bettenzahl reduziert werden soll, muss der ambulante Sektor deutlich gestärkt werden, dann müssen die SGB aber auch umgeschrieben werden. Auch ist mir nicht klar, woher bei einer Umsetzung dieser Studie das notwendige Personal (Ärzte und Pflege) kommen soll. Wenn kleine Häuser geschlossen werden bzw. ein Teil von ihnen mit größeren Häusern fusioniert wird, dann führt dies zu einer gewissen Konsolidierung im Krankenhaussektor. Wenn ein Teil der geschlossenen kleinen Häuser zu MVZ’s umstrukturiert werden soll, dann fehlt eine Antwort auf die Frage, woher das Personal und woher die Finanzierung (Schlagwort SGB und gedeckeltes Gesamtbudget) kommen sollen.

Ein Strukturwandel im Gesundheitswesen ist sicher überfällig und einige der Ideen aus der Bertelsmann-Studie klingen ganz interessant. Aber ich bin mir absolut sicher, so einfach wie dort angedacht ist die ganze Sache nicht."

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