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Avatar #106067
am Dienstag, 16. Juli 2019 um 20:59

Chaos vorprogrammiert!

Über eine Verringerung der Zahl der Krankenhäuser wird in Deutschland seit langem diskutiert:

- im AOK-Krankenhaus-Report von 2018 sollten 500 Kliniken in Deutschland dran glauben.
https://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/bedarfsplanung/article/959967/aok-krankenhausreport-500-kliniken-koennen-dicht-machen.html

- die "Leopoldina" mit einem 8-Thesen-Papier und dem anspruchsvollen Titel "Nationale Empfehlungen - Zum Verhältnis von Medizin und Ökonomie im deutschen Gesundheitssystem (2016)" wollte 600 Kliniken ersatzlos schließen.
www.leopoldina.org/de/publikationen/detailansicht/publication/zum-verhaeltnis-von-medizin-und-oekonomie-im-deutschen-gesundheitssystem-2016/

Zugespitzt wird das durch einen aktuellen Report der Bertelsmann-Stiftung (BS), nach dem die gerade erst im ländlichen Raum geförderten Kliniken wieder geschlossen werden sollten: Paradoxerweise, damit die Versorgung der Patienten verbessert werden kann. Von den derzeit knapp 1.400 Krankenhäusern sollten nur deutlich weniger als 600 größere und bessere Kliniken erhalten bleiben. Nur Kliniken mit größeren Fachabteilungen und mehr Patienten haben genügend Er­fahrung für eine sichere Behandlung, betonen die Autoren der BS-Studie.

Völlig vernachlässigt wird dabei, dass Erst-, Notfall-, Rettungs- und Transportmaßnahmen dadurch erheblich verzögert werden und in die BS-Kalkulationen nicht mal ansatzweise eingeflossen sind. Primäre, sekundäre und tertiäre Versorgungsebenen gehören nicht nur im ländlichen Raum, sondern auch in Sozialen Brennpunkten und Randgebieten zur Daseinsvorsorge.

Eher Medizin- und Versorgungs-fremde bzw. volks- und betriebswirtschaftlich den großen Krankenhaus-Konzernen nahestehende Krankenhausexperten wie Professor Boris Augurzky vom RWI, Professor Reinhard Busse von der TU Berlin oder Professor Max Geraedts von der Uni Marburg haben Interesse-geleitet ein Zerrbild entwickelt, das in eine IGES-Simulationsrechnung der Kliniklandschaft im Großraum Köln/Leverkusen mit gut 2 Millionen Menschen und ihrem Einzugsgebiet mündet. Offensichtlich sind unsere dort lebenden Patientinnen und Patienten nur vom Hörensagen bekannt sind.

Bitte keine falsche Hybris bei Krankenhäusern der Maximalversorgung gegenüber engagierter und qualifizierter Arbeit der regionalen Kliniken. Fehler werden überall, in großen wie kleinen Häusern, gemacht. Aber primäre, sekundäre und tertiäre Versorgungsebenen gehören nicht nur im ländlichen Raum, sondern auch in Sozialen Brennpunkten und Randgebieten zur Daseinsvorsorge.

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) hat kürzlich betont: „Ein Krankenhaus vor Ort ist für viele Bürger ein Stück Heimat.“ Gerade in gesundheitli­chen Notlagen brauche es eine schnell erreichbare Versorgung. Krankenhäuser in ländlichen Regionen erhalten von den Krankenkassen daher auch künftig extra Geld. Vorgesehen sind im nächsten Jahr Finanzspritzen für 120 Kliniken von jeweils 400.000 Euro und damit insgesamt 48 Millionen Euro.

Das Chaos wird vorprogrammiert: Ärztinnen und Ärzte, Kranken- und Gesundheitspflege, Logistik und freie/gemeinnützige Klinik-Betreiber werden zu Gunsten großer, teilweise monopolartig operierender Krankenhaus-Konzerne und Aktiengesellschaften von der Bertelsmann-Stiftung und dem Berliner IGES-Institut diskriminiert und auseinanderdividiert!

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z.Zt. Lysekil/Göteborg/S)
Avatar #79783
am Dienstag, 16. Juli 2019 um 22:55

Die "Bertelsmänner" haben natürlich Recht!

Reduziert man die Krankenhausdichte auf das international übliche und (siehe Dänemark, Niederlande) nicht bloß ausreichende, sondern überlegene Maß, gibt es für die verbleibenden Häuser genug Ärzte und Pflegepersonal und finanzielle Ressourcen!
2/3 der Häuser ohne 24/7 Katheterlabor, Stroke-Unit oder CT, auch ohne Klinikhygieniker - das ist doch armselig und lebensgefährlich.
Kommt ein Patient ins "falsche" Krankenhaus, ist der Zeitverlust bis zur Verlegung in die "richtige" Klinik größer, als wenn diese direkt angefahren wird. Da wird dann aus dem ACS ein Infarkt und aus einem gut behandelbaren Schlaganfall ein schweres Ereignis mit Folgeschäden. In dem ARD-Beitrag wurde das sehr gut dargestellt.
Heute treiben die Krankenkassen mangels politischer Mitwirkung - die Schließung einer gefährlichen Mini-Klinik ist Harakiri für Bürermeister oder Landräte - die Häuser einfach in den wirtschaftlichenRuin und hoffen auf den Markt...
Vorussetzung ist allerdings eine gewaltige Verbesserung der Triage durch Einsatz von intelligenten Algorithmen.
Dann endet auch die wirtschaftlich lohnende Rekrutierung von "Kurzliegefällen" über die Notaufnahmen
Avatar #751684
am Freitag, 26. Juli 2019 um 19:08

Die Länder müssen sich durchsetzen

Die Länder sind an der Reihe eine deutlichen und struktrierten Krankenhausplan aufzustellen, der auch Regionale Besonderheiten als auch Versorgungskapazitäten für eine Grippewelle hat.

Da muss halt der ein oder andere Landrat die bittere Pille schlucken.

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