DÄ plusForenKommentare NewsEin paar Anmerkungen zur Impfdiskussion

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Avatar #759489
am Mittwoch, 18. September 2019 um 15:24

Rechte Ecke

Zu Welltwo:
es ist scheinbar in die Mode gekommen, alle unbequemen Mahner, gleich in die Meinungsfreiheitkillerecke zu stecken. Wollte ich ihm seine Meinung verbieten? Nein, ich habe nur problematisiert ob er als Kundgebungsredner zu diesem Thema auf diese Demo passt.
Und Meinungsfreiheit soll es in unserem Land nicht geben? Gelächter. Dann viel Spaß beim Aussiedeln in die Türkei oder nach China.
Heiko Schrang verzapft die typischen rechten Stories und sympathisiert höchstwahrscheinlich sogar mit der Reichsbürgerbewegung; ich zitiere sehr ungern Psiram, aber wenn die Psiram-Recherche stimmt, dann hat Schrang auf der Demo nichts verloren:
https://www.psiram.com/de/index.php/Heiko_Schrang
Avatar #769631
am Mittwoch, 18. September 2019 um 18:28

Naturfreund

Psiram ist der Internetpranger mit Sitz in den USA. Jeder, der nicht meinungskonform ist, wird auf dieser schäbigen Plattform an den Pranger gestellt.
Avatar #759489
am Donnerstag, 19. September 2019 um 14:44

PSIRAM

@NATURFREUND:
Stimmt größtenteils. Diese anonyme Gesinnungsschnüffelei-Plattform (Psiram) ist mit allergrößter Vorsicht zu genießen. Schließlich betreibt PSIRAM gerne einen „Internet-Krieg um Alternativmedizin“. Ab und zu kann man die Recherche jedoch gebrauchen, man merkt, dass dort bezahlte Profis (von wem?) arbeiten, die sich mitunter richtig Mühe machen.
Trotzdem sollten wir nicht den gleichen Fehler wie die Impf-Fans machen, die alle Medien runtermachen, die etwas kritisch über das Impfen schreiben. Die Kunst ist eben, sich die Infos heraus zu picken; es gibt nicht (mehr) DAS Medium. Nicht so einfach, ich weiß...
Avatar #769631
am Donnerstag, 19. September 2019 um 18:21

Rubikon

Rubikon ist lesenswert zu dem Thema: Der Gewaltakt
https://www.rubikon.news/artikel/der-gewaltakt

Avatar #691359
am Montag, 23. September 2019 um 00:36

Ein paar Anmerkungen zur Impfdiskussion

Leider ist die Diskussion zu diesem Thema fast komplett in den Händen der Impfgegner. Dies hat mehrere Ursachen, einerseits hat die schweigende Mehrheit weder die Zeit Halbgebildeten die Grundlagen der Biologie beizubringen und sich mit Literatur zu beschäftigen, die entweder aus zweifelhaften Quellen stammt oder einfach nur aus dem Zusammenhang gerissen wurde. Dazu ist es extrem frustrierend mit Personen zu diskutieren, die nicht die Wahrheit suchen, sondern einfach nur Recht behalten wollen. Und wo das nicht reicht, haben wir einen Ge­sund­heits­mi­nis­ter, der zu sehr in seinem politischen Aktionismus gefangen ist, um noch sachdienliche Politik zu machen.

Ich persönlich hätte kein Problem mit einer Impfpflicht. In der ehemaligen DDR gab es eine Impfpflicht und selbst noch einige Jahre nach der Wende waren Masernfälle dort die absolute Ausnahme und immer die Folge eingeschleppter Infektionen. Da dies nicht nur die kurze Phase nach Einführung der Impfung (Honeymoon-Phase) betraf, sondern über Jahrzehnte funktionierte, kann man mit Sicherheit sagen, die Eliminierung der Masern ist kein medizinisches Problem, sondern ein politisches Problem.

Damit wären wir bei der Impfpflicht. Eine Impfpflicht im engeren Sinn als staatliche Impfpflicht macht nur Sinn, wenn mehrere Voraussetzungen erfüllt sind, nämlich eine weitgehende Akzeptanz in der Bevölkerung, und dort wo die Akzeptanz fehlt, die Mittel und die Bereitschaft des Staates, diese Impfpflicht auch durchzusetzen. In der ehemaligen DDR war die Akzeptanz hoch, in der BRD ist sie deutlich niedriger. Der ÖGD hat genug andere Probleme am Hals als sich um Impfgegner zu kümmern. Auch die Höhe der Strafe ist nach meiner Auffassung unpassend. Für eine versäumte Impfung (ohne dass jemand zu Schaden kommt) 2500 € zu verlangen, das schafft nicht Einsicht, sondern Märtyrer. Für diesen Fall wären auch 100 € ausreichend, nur wenn tatsächlich jemand erkrankt, dann sollte die volle Strafe eingefordert werden.

Auch steht bei einer Impfpflicht die Frage, welche Impfungen einbezogen werden. Die STIKO ist ein Expertengremium, sie hat aus meiner Sicht keine hoheitlichen Befugnisse. Gegen eine Impfpflicht hatte auch die Ethikkommission nach meiner Erinnerung keine Einwände, solange dafür eine nachvollziehbare Begründung geliefert wird. Diese Begründung fehlt nach meiner Einschätzung im aktuellen Gesetzentwurf. Trivial ist die Begründung für die Impfungen, wo es seitens der WHO ein Eradikationsprogramm gibt (welches von Deutschland mitgetragen wird), das betrifft nach meinem Kenntnisstand aktuell Masern, Röteln und Polio. Bei allen anderen Impfungen muss dies im Einzelfall begründet werden. Da es derzeit in Deutschland keine großen Ausbrüche gibt, wird es spannend, wie diese Begründungen im Einzelfall aussehen. Ein Vergleich mit Impfpflichten in anderen Ländern macht nur Sinn, wenn dabei nicht nur das Ergebnis (die Impfraten), sondern auch die Intention (echte Impfkampagne oder reiner politischer Aktionismus) betrachtet werden.

Aus verschiedensten Gründen würde ich anstatt einer staatlichen Impfpflicht eine Reihe von Zugangsbeschränkungen bevorzugen. Der entscheidende Vorteil ist, dass hier Impfgegner nicht aktiv gesucht werden müssen, sondern dass potentielle Superspreader ihre Immunität nachweisen müssen (egal ob dokumentierte Grundimmunisierung oder Antikörpertiter), wenn sie Zugang zu bestimmten Bereichen wollen. Dies könnten sein die Zulassung zu staatlich geförderten Schulen in medizinischen Berufen, dies könnte die Erteilung der Approbation für angehende Ärzte sein. Dies könnte die Verbeamtung von Lehrern und Polizisten sein (eigentlich alle staatlichen Angestellten mit Publikumsverkehr). Dies könnten in letzter Konsequenz auch angehende Heilpraktiker sein, wenn zusätzlich zur Prüfung auch ein Immunitätsnachweis verlangt wird.

Ein Ausschluss von ungeimpften Kindern von der KITA ist nach dem Votum der Ethikkommission problematisch, nicht dagegen eine Berücksichtigung des Impfstatus für die Warteliste. Die Herdenimmunität hat neben der globalen Seite auch einen lokalen Aspekt. Wenn Kinder (in KITA und Schule) nach Serostatus kohortiert werden, dann profitieren die Angehörigen der geimpften Kinder ebenfalls von deren Impfschutz. Eine freiwillige Kohortierung von ungeimpften Kindern findet bereits jetzt statt, wie die immer wiederkehrenden Ausbrüche in Waldorfschulen zeigen. Sollte es dort zu einer großen Epidemie kommen, hält sich mein Mitleid für die Betroffenen in Grenzen.

Um bei Ausbrüchen handlungsfähig zu bleiben, wäre ein zentrales Impfregister wünschenswert, zumindest dann, wenn die Vernetzung im ambulanten Sektor irgendwann mal richtig funktionieren solle. Das Hauptproblem bei Impfungen und Politik besteht darin, dass bei Impfungen langfristig gedacht werden muss. Die aktuellen Impflücken sind die Folgen politischer Entscheidungen von vor vielen Jahren. Der Aktionismus von Spahn bei den Impfungen und die Inkonsequenz bei Homöopathie haben beides mit seriöser Politik wenig gemein.

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