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Avatar #759489
am Dienstag, 12. November 2019 um 12:32

Andere Studie zu diesem Thema

PS:
Bereits 1999: Arbeit von Albrecht et al. in der Zeitschrift Alternative Therapies veröffentlicht, bei der in einem norddeutschen Schweinezucht-Betrieb Homöopathika (eine Mischung aus 5 Arzneien) gegen Atemwegserkrankungen eingesetzt und die Wirkung sowohl mit niedrig dosierten als auch mit hochdosierten Antibiotika verglichen wurde.
Ergebnis: Die homöopathischen Arzneien erwiesen sich als deutlich wirksamer als niedrig dosierte Antibiotika. Schon „damals“ hätte man Antibiotika -Resistenzen aus der Massentierhaltung entgegenwirken können, so man es denn gewollt hätte…
Avatar #781197
am Dienstag, 12. November 2019 um 17:02

auch gegen SEN von Staphylokokken wird´s bald (AB)-Resistenzen geben.

Donner ist, wie auch die damaligen Verhältnisse, zum Glück schon lange, lange her...
Inzwischen gibt´s z.B. die Analysen des 2015-er Reports der NHMRC, der sich als Versuch des Wissenschaftsbetrugs zu ungunsten der Homöopathie herauskristallisiert....
...gibt´s die Schlafqualitätsstudie, über die sogar Edzard Ernst stolperte: "„Eine neue homöopathische Studie weist darauf hin, dass hoch verdünnte [homöopathische] Mittel besser als Placebos sind. UND ICH KANN KEINEN FEHLER FINDEN.“
....gibt´s die Sepsis-Studie von Frass
....gibt´s die Depressions-Vergleichsstudie Fluoxetine versus Homöopathie, in der Homöopathika besser als ersteres abschneiden...
....Tierstudien AB versus Homöopathie s.u. @Mitdenker...
...gibt´s die Meatstudien, in denen in deutlich überwiegender Anzahl WÖRTLICH STEHT:
"WIRKUNG ÜBER PLACEBO-NIVEAU"
Diese Conclusion kann man allerdings nur noch überlesen, wenn man unter dem sog. SEN (Skeptiker-Evidenz-Neglect) leidet!
Avatar #691359
am Donnerstag, 14. November 2019 um 00:42

Homöopathie und spezifisches Studiendesign

Die Form folgt der Funktion, dies ist eine Binsenweisheit. Gerade weil die Fragestellungen und die zur Verfügung stehenden Ressourcen unterschiedlich sind, gibt es nicht das EINE Studiendesign, sondern es muss eine Auswahl aus einer Reihe möglicher Designs getroffen werden. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass jedes Design spezifische Vor- und Nachteile aufweist.

Die prospektive mehrfachverblindete randomisierte klinische Studie wird zwar als hochwertigste Form einer Studie angesehen. Dieses Design kann mit einer minimalen Zahl an Elementen die belastbarsten Ergebnisse liefern. Dies wird aber auch mit einigen Nachteilen erkauft: dieses Design hat den höchsten Ressourcenverbrauch, kann in der Regel nur eine einzige Frage beantworten und muss aufgrund des interventionellen Charakters vorher durch eine Ethik-Kommission genehmigt werden. Nachträgliche Änderungen am Design sind nicht möglich und die Teilnehmerzahl muss vorher feststehen. Deshalb sind diese Studien in der Regel der Abschluss eines Forschungsprozesses, vorher gibt es zahlreiche weniger „hochwertiger“ Studien zu diesem Thema, die orientierenden Charakter haben und der Hypothesenbildung dienen. Und nicht zuletzt auch dazu, die Stärke des erwarteten Effekts abzuschätzen und damit die notwendige Probandenzahl abzuschätzen. Wenn also Foristen wie MITDENKER sich darüber mokieren, dass die Zahl an RCT so gering ist, dann bedeutet dies nicht, dass die Schulmedizin schlampig arbeitet, sondern dass Personen wie MITDENKER nicht verstanden haben wie Wissenschaft funktioniert. Gerade bei begrenzten Ressourcen (was eigentlich immer der Fall ist) kann man bei einem beschreibenden Studiendesign ein Maximum an Rohdaten gewinnen. Deshalb gibt es bei den Studiendesigns eine hierarchische Ordnung und RCT sind der Abschluss eines längeren Arbeitsprozesses.

Unter den von den Verfechtern der Homöopathie hier im DÄ propagierten Studien erfreuen sich derzeit zwei Designs besonderer Beliebtheit: Randomisierte klinische Studien mit einer Gruppengröße von ca. 30 Probanden je Gruppe und Metaanalysen. Beides ist aus meiner Sicht kein Zufall. Beide Konzepte nutzen statistische Schwächen des jeweiligen Designs aus, um bei fehlender echter Signifikanz eine Pseudosignifikanz zu generieren.

Fangen wir an mit den Pseudo-RCT. Ein relevantes Merkmal wie z.B. Schlafdauer ist in der Regel normal verteilt. Bei Schlaflosigkeit haben wir den linken Rand dieser Kurve, meist gibt es dort einige Ausreißer. Wenn die Randomisierung nach dem Zufallsprinzip erfolgt, dann ist die Wahrscheinlichkeit ½, dass der äußerste Ausreißer in der Homöopathiegruppe landet, für die beiden äußersten Ausreißer ¼, für die drei äußersten Ausreißer 1/8 etc. Also hat man statistisch bei einer von acht randomisierten Studien die drei äußersten Ausreißer in der gewünschten Gruppe (die übrigen sieben Ministudien werden einfach totgeschwiegen. Nach meiner Kenntnis gibt es kein Zentralregister, wo derartige Studien vorher registriert werden müssen). Im Fall von Schlaflosigkeit reagieren alle Probanden auf die Zuwendung und Verbesserung der Schlafhygiene, die Ausreißer vom linken Rand naturgemäß etwas stärker. Dieses Phänomen ist bekannt als Regression zur Mitte. Die Stärke des Effekts wird im Einzelfall sicher etwas variieren, aber ein Ausreißer kann in einer Gruppe von etwa 10 Elementen für einen spürbaren Effekt sorgen. Das bedeutet für diesen Effekt muss die Größe der einzelnen Gruppen mindestens 20 betragen (bei weniger Elementen liefern die normalen statistischen Teste keine ausreichende Signifikanz), darf aber auch nicht über 40 liegen, damit der Effekt der Ausreißer messbar bleibt. Und wie sieht die Realität aus? Sowohl bei der Studie zur Schlaflosigkeit (über die ich bereits früher diskutiert habe) als auch bei der hier präsentierten von MITDENKER präsentierten Studie zur Diarhhoe in Schweinen haben die Verum- und Kontrollgruppe genau diese Größe.

In beiden Fällen gibt es keinen vernünftigen Grund, die Gruppengröße derartig zu begrenzen. Weder sind es besonders seltene klinische Fragestellungen, noch ist der Materialeinsatz besonders hoch (was z.B. bei Implantaten ein Problem sein dürfte). Deshalb ist es auch kein Zufall, dass derartige „Studien“ in sehr speziellen Zeitschriften veröffentlicht werden. Der Prozess des peer-Review hat systembedingte Schwächen. Streng genommen handelt es sich beim peer Review um einen Binnenkonsens der Gutachter. Bei einem schulmedizinischen Journal liegt der Schwerpunkt auf einer sauberen Methodik und auf plausiblen Ergebnissen. Bei einem alternativmedizinischen Journal sieht es auf den ersten Blick ähnlich aus, nur haben die Gutachter dort eine andere Wahrnehmung was plausible Ergebnisse betrifft und sind vor allem deutlich großzügiger bei Schwächen in der Methodik, solange sie das eigene Weltbild stützen. In einem seriösen Journal würde der Gutachter einfach sagen, „Meldet Euch noch mal wenn Ihr das vierfache an Probanden habt (mindestens hundert in jeder Gruppe)“ oder würde zumindest prüfen, ob die Randomisierung zu vergleichbaren Gruppen geführt hat. Die „seriösen Wissenschaftsverlage“, welche diese Journale in ihrem Portfolio haben, sind mitschuldig an dieser Misere, dass wissenschaftlich schlechte Arbeiten auf diese Art und Weise geadelt werden und sollten endlich die Konsequenzen aus ihrer Verantwortung ziehen.

Bei Metaanalysen liegt das Problem woanders. Die Aufgabe von Metaanalysen besteht im Nachweis schwacher Effekte, um durch das Zusammenlagen mehrerer Studien die Probandenzahlen zu erhöhen. Dabei werden alle Effekte verstärkt, sowohl schwache echte Effekte (das ist gewollt), aber auch systematische Verzerrungen. Deshalb ist die Frage nach den Einschlusskriterien die entscheidende wissenschaftliche Leistung des Studienautors. Wenn mich mein Gedächtnis nicht täuscht, wurden in der australischen Metaanalyse alle Studien mit weniger als 75 Teilnehmern pro Gruppe ausgeschlossen. Wenn man sich verdeutlicht, warum die Gruppengröße so wichtig ist für pseudosignifikante Studien, wird der Aufschrei aus den Kreisen der Anhängerschaft der Homöopathie verständlich. Woher kommt also das Interesse der Homöopathie an Metaanalysen? Einfach, weil dabei lediglich Zahlen extrahiert werden und man schnellstmöglich unbequemen Fragen nach dem konkreten Studiendesign aus dem Wege gehen kann. Einhundert (oder mehr) schlechte Ministudien mit verzerrten Daten ergeben zusammen auch keine hochwertige Studie, es werden nur die verräterischen Spuren besser verwischt und es wird schwieriger Defizite nachzuweisen. Was die Effektstärke der Homöopathie betrifft, widersprechen sich deren Anhänger selbst. Einerseits sollen die Effekte so stark sein, um in Gruppen von 30 Probanden signifikant zu sein. Andererseits ist eine Metaanalyse erforderlich für eine „Wirkung über Placebo-Niveau“. Dies zeigt, Metaanalysen werden seitens der Homöopathie als Mittel zur Verschleierung missbraucht.

Der Zeitaufwand, all diese Scheinstudien der Homöopathie auseinanderzunehmen ist sehr hoch, deshalb ist das Versagen der Fachverlage um so gefährlicher und deshalb werde ich auch nur punktuell auf derartige „Studien“ eingehen. Ein angehender Statistiker sollte sich unbedingt die Studien zur Homöopathie anschauen, hier gibt es sehr viel über offene und versteckte Fehlerquellen in der Statistik zu lernen. Es gibt sicher auch noch statistische Tricks, die ich hier nicht besprochen habe. Die bayerische Staatsregierung wäre sehr gut beraten, das geplante Studiendesign von echten Naturwissenschaftlern kontrollieren zu lassen, um hinterher böse Überraschungen und unangenehme Fragen zum Thema Geldverschwendung zu vermeiden.
Avatar #691359
am Donnerstag, 14. November 2019 um 00:58

Nachtrag

Das Simile-Prinzip hat zwei Seiten. Einerseits die „gewünschte“ klinische Wirkung auf den Patienten, andererseits die Wirkung als „Krankmacher“ mit den gleichen Symptomen auf gesunde Probanden. Der Donner-Report fokussiert sich auf den zweiten Aspekt und ist deshalb heute genauso relevant wie damals. Damals sind die Studien zur Wirkung von Homöopathika auf gesunde Probanden gescheitert und daran hat sich in den letzten 80 Jahren nichts geändert. Was unterscheidet eine Homöopathie, deren Symptombeschreibungen nicht belastbar sind, von einer pseudoreligiösen Lehre?
Avatar #759489
am Donnerstag, 14. November 2019 um 11:40

Homöopathie und Studieergebnisse, die vierhundertdreiundvierzigste

Dazu:
"Woher kommt also das Interesse der Homöopathie an Metaanalysen?"
Umgekehrt wird ein Schuh daraus; die Neo-Skeptizisten zitieren doch immer die 6 großen diesbez. Metastudien, da die angeblich ergeben hätten, dass die Ergebnisse die Homöopathie schwächen.
Hier ein Beispiel dazu:
https://scilogs.spektrum.de/detritus/gesamtschau-der-studien-zur-hom-opathie/

Wie kompliziert das Ganze ist, wird aus diesem interessanten Artikel deutlich:
http://www.homöopathie-bochum.de/pdf/Studienkritik.pdf

Und auch hier kann man wirklich nicht von einer zu kleinen Probandengruppe sprechen, sondern eher von einem verblüffenden Therapie-Effekt:
https://www.homöopathie-forschung.info/aktuelle-forschung_haemophilie/

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