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Avatar #763956
am Mittwoch, 13. November 2019 um 18:42

Allergien und Überempfindlichkeiten ...

können bekanntermaßen Tausende von Ursachen haben.
Pollen, Gräser, Tierhaare, Lebensmittel, Metalle (angeblich sogar Gold) ...
Es wäre verblüffend, wenn sich nicht auch ein Fall von Überempfindlichkeit gegen irgendwelche Aromastoffe in einem Liquid findet. Wahrscheinlich gibt es solche Fälle im kommenden Monat geballt im Zusammenang mit Nadelbäumen, Duftkerzen, Lebkuchen oder Zimtsternen. Niemand wird sich wundern, niemand überhaupt berichten. Aber da es sich hier um E-Zigaretten handelt, ist das natürlich eine "Story".
Avatar #4332
am Mittwoch, 13. November 2019 um 21:19

Antikörper gegen "Liquids"

Wenn dieser Artikel und die Diagnostik irgendeinen Sinn ergeben soll, wäre zu klären, welcher Inhaltsstoff der Liquids die allergosche Reaktion ausgelöst hat.
Aber nein, es wird pauschalisiert und das Dampfen an sich verteufelt. Das ist unwissenschaftlich. Das Deutsche Ärzteblatt sollte höhere Ansprüche an die Artikel stellen, die es veröffentlicht.
Avatar #764444
am Donnerstag, 14. November 2019 um 11:33

Ärzte-BILD

Ich beobachte schon seit geraumer Zeit die Berichterstattung auf BILD-Niveau über "E-Zigaretten" in diesem Blatt.
Kann es sein, dass hier ein militanter Gegner des Vapens oder ein Tabak-Lobbyist (oder beides) am Werk ist, der sich alles, was mit dem Thema zu tun hat greift, die Tatsachen zum Teil erheblich verdreht und möglichst negativ berichtet?
Da wird - selbst als die Ursache längst bekannt ist - immer wieder berichtet, dass die in den USA aufgetretene Lungenerkrankung "durch E-Zigaretten" ausgelöst wurde.
Und am Tod von Heroinsüchtigen sind Löffel und Spritze verantwortlich?
Und weil man diese Behauptung nun nicht mehr aufrecht erhalten kann, kommt jetzt die Allergie-Karte!
Da die meisten Dampfgeräte aus Metall sind - wie wäre es noch mit einem Bericht über durch Vapen ausgelöste Nickel-Kontaktallergien? Oder Arthrose in den Fingern aufgrund des häufigen Drückens der "Feuertaste"? Oder ein Amok-Lauf eines Vapers auf Entzug, aufgrund der Tatsache, dass es Liquids nicht -wie Zigaretten- im Automaten gibt?
Ich schlage vor, dieses Blatt in "Ärzte-BILD" umzubenennen.
Avatar #715180
am Sonntag, 17. November 2019 um 15:08

... Wahrheit und Klarheit, bitte!

In dem Bericht sind mMn zwei sachliche Fehler enthalten:
a) »Die verschiedenen Inhaltsstoffe von E-Zigaretten können offenbar schwere Überempfindlichkeitsreaktionen auslösen.«
b) »Mit einem eigens angefertigten „Enzyme-linked Immunosorbent Assay“ (ELISA) wurden Antikörper gegen beide Liquids nachge­wiesen.«

Ad a)
"Die verschiedenen Inhaltsstoffe" ist offenbar so zu verstehen, als ob MEHRERE Inhaltsstoffe für die "allergische" Reaktion ursächlich sein können. Genau das wurde vorliegend aber NICHT nachgewiesen oder behauptet. Es wurden IgM-Antikörper auf EIN LIQUID nachgewiesen (hierzu sogleich mehr).

Es wurde hingegen nicht näher differenziert, gegen WELCHEN INHALTSSTOFF GENAU sich die Antikörperreaktion richtete.

»The listed ingredients of both the liquids were identical except for the unnamed flavourings (see figure 1).«

Da aber nun die IgM-Antikörper nur gegen EINES von zwei Liquids nachgewiesen wurden, scheiden (zumindest vorläufig) GEMEINSAME Inhaltsstoffe (weitgehend) aus, also vorliegend insbesondere die mengenmäßig bedeutsamsten Stoffe PG (Polyethylenglycol) und VG (Vegetable Glycerin), was natürlich nicht bedeutet, dass nicht – in anderen Fällen – auch allergische Reaktionen auf die genannten Inhaltsstoffe auftreten KÖNNTEN. Nikotin wurde nicht erwähnt, sollte aber – nach hiesigem besten Wissen – (ebenfalls) weitgehend unverdächtig sein.

Bei der immunologischen Untersuchung wurde übrigens "Liquid" und NICHT "Dampf" getestet, so dass hier thermisch veränderte Substanzen eher unverdächtig sind (da ja Antikörper GEFUNDEN wurden).

Somit bleiben Aromastoffe ("flavorings") aus Liquid 1 als (Haupt-) Verdächtige übrig, wie die Autoren ja auch vermuten. Da man diese aber nicht näher beschreiben konnte, bleibt die Anzahl offen. "Aromen" bestehen nun üblicherweise aus deutlich unter 50, bei Tabakaromen bis zu 100 einzelnen chemisch definierten Substanzen (2), übrigens im Gegensatz zu Tabakzigaretten, bei denen heute von mehreren tausend "Chemikalien" ausgegangen wird (Naturprodukt!).

RICHTIG muss es also heißen:
EINZELNE Inhaltsstoffe (...), also einer (siehe folgenden Abschnitt, Singular: „the eliciting antigen“!) oder mehrere.

b)
»As shown in figure 1, [...] the patient had IgM specific for liquid 1, but not liquid 2, raising the possibility that the eliciting antigen was present in liquid 1.«

Die LEGENDE zu den dargestellten Reaktionen geht aus dem Text hervor: Patientenserum ist in Abb. 1 als P v1 (Tag 50) bzw. P v2 (Tag 122) abgebildet, HC (1...5) sind „Healthy Controls“ (gesunde Niemalsraucher/-dampfer), „A Liquid 1-specific IgM“ und „B Liquid 2-specific IgM“. Aus Abb. 1B geht hervor, dass KEINE Reaktion des Patientenserums (P v1 bzw. P v2) auf Liquid 2 festgestellt wurde.

Richtig ist lediglich, dass es bei Liquid B zu einer Reaktion bei drei GESUNDEN Probanden kam (Liquid A: EIN Proband), was immer das (klinisch) bedeuten mag. Jedenfalls hatten diese Befunde keine Relevanz für den vorliegenden Krankheitsfall.

Die oben zitierte Aussage (b) ist also – und bezogen auf den beschriebenen Patienten – sachlich UNRICHTIG.

Bitte also höflichst um SORGFÄLTIGE Berichterstattung (und unbenommen, aus wessen Feder auch immer (!) die kritisierten Aussagen stammen).

GERADE im aktuellen Umfeld (unbegründete „Panikmache“ gegen E-Zigaretten, statt gegen „gepanschte E-Joints“) ist (hoffentlich nicht nur!) nach Auffassung des Unterzeichners eine sachlich korrekte und ggf. vollständige Darstellung von Fakten, ggf. eben weitergehende Recherche, unverzichtbar.

Die Autoren schreiben übrigens selbst als Zusammenfassung (Übersetzung durch den Unterzeichner):
»Hier gibt es zwei wichtige Lektionen. Das erste ist, immer eine Reaktion auf E-Zigaretten bei einer Person mit einer atypischen Atemwegserkrankung in Betracht zu ziehen. Die zweite ist, dass wir E-Zigaretten auf unsere Gefahr als „viel sicherer als Tabak“ betrachten.«

_____________
Der Unterzeichner stellt ausdrücklich klar, dass a) kein Interessenkonflikt besteht, und b) auch für ihn der Schutz menschlichen Lebens unverhandelbar ist.

MfkG Dr. A. Schnitzler, FAfIM, Lüneburg

(1) Link zur Originalstudie (PDF):
https://adc.bmj.com/content/archdischild/early/2019/10/21/archdischild-2019-317889.full.pdf

(2) Bernd Mayer: Dampfen statt Rauchen Teil 8 - Sind inhalierte Aromastoffe schädlich? https://www.youtube.com/watch?v=K4R4BubdZWk

ergänzend:
- https://ig-ed.org/2019/01/prof-dr-mayer-sieben-haeufig-vorgebrachte-argumente-gegen-das-dampfen/
- http://e-dampfen.info/wissenschaft/veroeffentlichungen-von-dr-bernhard-michael-mayer/

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