DÄ plusForenKommentare News... Legalisierung von Drogen?

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Avatar #767798
am Donnerstag, 28. November 2019 um 15:28

Richtigstellung bez. Illegaler Drogen II.

II. @ Staphylococcus,
Sie sprachen ein Lifestyleprodukt an – ja genau darum geht es. Ich hoffe, der Hausherr erlaubt die Erläuterungen…mir ist durchaus klar, in welcher Empfangshalle ich hier stehe.
Die US Cannabisindustrie ( ca. 235.000 Beschäftigte, Milliarden Umsätze) ist natürlich bestrebt, ihre Produkte weiter zu veredeln, d.h. aus der Schmuddelecke Kiffer herauszuheben. Dazu gehört auch, sich um neue Darreichungsformen zu bemühen und zu entwickeln, damit das Ganze viel mehr Richtung eines Lifestyleproduktes – natürlich mit neuen Absatzmärkten im Auge - etabliert wird. (Lassen wir dabei bitte konsequent die Debatte darüber, ob nun Genussmittel oder Rauschdroge aussen vor). Ein Konsum ohne Tabakzusatz (klassischer Joint), Asche und Rauch, ohne glasbläserische Monsterkonstrukionen, ein Konsum, der jederzeit auf Knopfdruck wieder beendet werden kann, das ist das Produkt, wofür die E-Zigarette Pate gestanden hat. Diese Kartuschen erfreuen sich seit ca. 4 Jahren mindestens 2-stelliger Zuwachsraten/Anno. In den Bundesstaaten, in denen Cannabis legal ist, können Sie – eine Marijuana-Card vorausgesetzt – diese ganz bequem in Dispensaries oder auch online erwerben. Der ganze Herstellprozess ist staatlicherseits überwacht und nur lizensierten Betrieben erlaubt. Der Inhalt der Kartuschen ist hochkonzentriert und erfordert einen immensen Rohmaterialeinsatz – heisst mit anderen Worten sehr teuer. Mir ist das Verhältnis Einwaage/Endprodukt aber nicht bekannt. Der apparative Aufwand ist hoch, da viel mit überkritischer CO2-Extraktion gearbeitet und anschliessend mehrfach rektifiziert wird. (Preis Extraktor in großtechnischer Ausführung ca. 200.000$ ) Dafür reicht der Inhalt einer Kartusche offenbar (THC ~ 75%...95%) einige Tage bis Wochen.

Zurück zur E.Zigarette
II. Das White House hat den wortgenauen Transcript der letztwöchigen Debatte zur Youth-Vaping-Crisis in Präs. Trump´s Office online gestellt ( 1) Lesedauer ca. 2h
Ich habe mich da durchgearbeitet und mir sind dabei zwei Dinge aufgefallen.
Zum einen wurde überhaupt nicht die Additivierung mit Benzoesäre und der damit m.E. verbundenen Gefahr herausgestellt.
Big-T forschte schon in den 80ern an einer Saucierung der Filler - vorzugsweise an natürlichen Substanzen, die originär auch Nicotiana tabacum zuzuordnen wären. Boshafte Verleumder meinten damals schon zu wissen, warum….
In Wahrheit ging es darum, dem Light-Produkt, der schadstoffreduzierten Zigarette noch etwas mitzugeben oder zu belassen, was dem Stark-Raucher dennoch etwas bietet. Nämlich den Kick, den Flash. Und der Weg dahin führt eigentlich nur über eine Erhöhung des Nikotingehaltes. Dem sind aber sofort Grenzen gesetzt, da der Geschmack darunter derart leidet, dass das Ganze von kratzig, harsch bis Hustenanfall auslösend limitiert ist. Abhilfe versprach die Verschiebung des pH in den sauren Bereich und dabei fielen organische Säuren als vielversprechend in den Focus dieser Forschung.
Jahrelange Sendepause
Bis dann über das Startup Ploom, anschließend umbenannt in Pax und nunmehr von JUUL in den Archiven - des, aus dem Master-Settlement-Agreement resultierende Erbe von Millionen Seiten der Tabakindustrie, die auf gerichtliche Anordnungen online zu stellen waren, - dieses Wissen wieder ausgegraben wurde.
JUUL (US) weist Nikotingehalte von 59 mg/ml (2) und Benzoesäure um 44,8mg/ml auf. Diese Kombination - auch „freebase nicotine“ oder „nicotine salts“ genannt – führt zu einer extrem kurzen Anflutung und eine in der Serum-Nikotin Peakhöhe deutlich einer konventionellen Zigarette überlegenen Exposition (2), dass der Kick, der Flash dieses euphorisierende Gefühl genau das ist, worauf Jugendliche abfahren. Bei der Nikotinmenge in nur einer Kapsel, die z.T. deutlich höher ausfällt, als eine ganze Schachtel Normalzigaretten, ist nicht verwunderlich, wenn bereits nach sehr kurzer Gebrauchsdauer Abhängigkeit eintritt. Die JUUL erfüllt – im Gegensatz zu ihren direkten Ahnen genau das „Lifestyle“-Profil von oben. 2 Komponenten, narrensicher in der Anwendung, kein Dampf, kein Geruch, jederzeit ein-auschaltbar und aufgrund der Größe (USB-Stick) kann das Ding sofort verschwinden, um einer Enttarnung vorzubeugen. ((3)kompletter Artikel dazu bei Reuters-investigativ (en) )
Die Vorläufer dagegen waren nur zum diskontinuierlichen Gebrauch, mussten entleert, gesäubert und jedesmal neu befüllt werden.
II. Bei der Anhörung kam zwar kurz zur Sprache, dass das „Vapen“ in den USA von Vätern und Müttern, die sich hinter die Tresen gestellt und diesen Markt von unten heraus komplett aufgebaut und nicht erst zum Schluss von oben mit Millarden den Markt betreten hätten, worauf der Präsident anerkennend sagte „they are great people, great people – i love them“ aber ein zweiter Aspekt fehlt mir:
Die klassische E -Zigarette, wie sie seit 15 Jahren am Markt ist, kann das JUUL- Erlebnis gar nicht bieten! Die Aufnahmemenge und Geschwindigkeit an Nikotin ist viel geringer, sodass der Flash gar nicht, bis kaum auftritt. Was auch dazu führt, dass etliche Umsteige-Interessierte schon nach einer Woche aufgeben, da etwas fehlt. Die „erfolgreichen“ Nutzer haben mit einigen bis etlichen Anstrengungen und wochen- monatelanger Selbsttitration erst lernen müssen, mit der neuartigen Nikotinaufnahme umzugehen. Von daher für Jugendliche viel weniger bis gar nicht interessant. Herzu kommt ein höherer Unterhaltsaufwand sowie deutlich höhere Anschaffkosten.
Schlussfolgerung
1. Die Lung Injury Crisis ist definitiv gesichert auf gestreckte, illegale Kopien von THC-Kartuschen zurückzuführen
2. Die Youth-Vaping-Crisis entstand erst, nachdem neue Akteure mit ihren Nikotinsalzen die Bühne betraten. Von daher auch nicht der tradierten E-Zigarette zuzurechnen, denn sonst wäre diese Epidemie schon Jahre früher ausgebrochen!
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(1) https://www.whitehouse.gov/briefings-statements/remarks-president-trump-listening-session-youth-vaping-electronic-cigarette-epidemic/

(2) https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2755483
(3) https://www.reuters.com/investigates/special-report/juul-ecigarette/
Avatar #79783
am Freitag, 29. November 2019 um 01:20

@Cryonix

Danke für die umfangreiche Recherche und Darstellung.
Das Ergebnis erlaubt nur eine Interpretation: Ende der Illegalisierung! Nur ein kontrollierter und regulierter legaler Zugang erlaubt Verbraucher- und Jugendschutz. Der "Law-related-Harm" ist bei allen Drogen (einschließlich Alkohol und Tabak) immer größer als der "Drug-related-Harm".
Überall, wo staatliche Verbote und Verfolgung einen kriminellen Markt förder, steigt der Verkauf gefährlich verunreinigter oder falsch deklarierter Stoffe mit entsprechenden Gesundheitsschäden.
LEGALIZE IT
(After the War on Drugs - Blueprint for Regulation, kostenloser Download bei transform.org)
Avatar #767798
am Freitag, 29. November 2019 um 06:01

@Practicus

Sie wissen aber schon, wo Sie hier schreiben? Das ist das Publikationsorgan der BÄK, deren Präsident, Dr. Reinhardt erst kürzlich eine unmissverständlich harte Haltung bekräftigt hat: „Es gibt keinen Grund, noch eine weitere Droge zuzulassen.“
(Bezug auf ggf. kontrollierte Freigabe von Cannabis)
Avatar #79783
am Freitag, 29. November 2019 um 23:57

Die BÄK-Präsidenten

sind seit jeher eher Prediger von verschwurbelter Standesethik und GsD nicht alleinige Vertreter der Ärzteschaft.
Leider repräsentieren die Herren in ununterbrochener Reihe nicht die Gesamtheit der Ärzteschaft, sondern nur ihre standespolitischen Stammtische (für die engagierte Ärztekeine Zeit haben).
Deutsche Ärzte interessieren sich nicht für Drogenprobleme, solang nicht die eigene Familie betroffen und die Flasche Rotwein am Abend noch ok ist.
Herr Dr. Reinhardt ist da so kompetent wie Frau Mortler war ("Cannabis ist verboten, weil es eine illegale Droge ist").
Die Beratungsgremien der BÄK sind auch nicht besser, z.B. Prof. Tom Bschor, AKDÄ: Eine Abstinenz, die nicht erkämpft und erlitten wird, ist wertlos"
Angesichts des Unfugs, den hier teilweise medizinische Laien unbesorgt veröffentlichen dürfen, wird hier adminsitrativ gar nichts gemacht, wir dürfen noch schreiben, was wir wollen!
Avatar #715180
am Samstag, 30. November 2019 um 13:48

... Legalisierung von Drogen?

@Praktikus: Bitte nehmen Sie höflichst zur Kenntnis, dass wir Ärzte den Alltag oft ein wenig anders erleben als ein Durchschnittsbürger, nämlich – vielleicht – nicht unbedingt "repräsentativ". EIN Kernpunkt ärztlicher Aufmerksamkeit richtet sich auf (relevante) "Risiken" jedweder Art, und seien sie ggf. noch so selten.

Wir sehen z.B. immer wieder einzelne, vielfach junge Menschen, deren Biographie wie Gesundheit durch Drogen (hier: "Betäubungsmittel") VÖLLIG ZERSTÖRT ist; gerade die "vaping illness" ("EVALI") ist doch gerade diesbezüglich (neben langjährig bekannten Fällen, z.B. Heroin) ein erschreckendes Beispiel! Man kann doch bitte nicht im Ernst von uns verlangen, dabei völlig emotionslos oder "unparteiisch" zu bleiben, oder uns gar "Desinteresse" vorhalten; das ist doch – mit Verlaub – Unfug.

Von daher haben Stellungnahmen wie die des BÄK-Präsidenten und aus ärztlicher Sicht, und wie immer man dazu stehen mag, ihre volle und jedenfalls SUBJEKTIVE Berechtigung und unterliegen überdies – wie alle (!) Meinungen – in einem Rechtsstaat höchstem Schutz.

Ein VÖLLIG ANDERES Thema ist eine Legalisierung. Wie der Name schon sagt, handelt es sich dabei um einen RECHTLICHEN Sachverhalt, zu dem man auch als Arzt jede vorstellbare MEINUNG haben kann. Persönlich beurteile ich diesen Aspekt differenziert: einerseits sehe ich die katastrophalen Schäden von Betroffenen (was grds. – z.B. zwecks "Mengenbegrenzung" und Vermeidung des Eindrucks einer "Bagatellisierung" – eher für eine Beibehaltung von Verboten sprechen könnte), andererseits ist nicht von der Hand zu weisen, dass bspw. die "vaping illness" insbesondere mit der Ilegalität zusammenhängt. WÜRDE der Staat also einen Teil der Verantwortung für die Konsumenten übernehmen, indem er Drogen KONTROLLIERT, was notwendigerweise eine "Legalisierung" voraussetzt (und sofern man nicht auf die – auch historisch gesehen: utopische – Option "völlige Abschaffung" resp. "völlige Abstinenz" setzt), wäre natürlich – und allein DIESBEZÜGLICH – viel gewonnen.

Schlussendlich muss dieses Thema gesellschaftlich gelöst werden, und – aus ärztlicher Sicht – der "Verbraucherschutz" unter sich naturgemäß widersprechenden Bedingungen so gut wie nur immer möglich gewährleistet werden.

Also Bitte um ein wenig differenziertere Betrachtung. Selbstverständlich gebe ich Ihnen vollumfänglich recht, soweit Sie diesen Anspruch ALLEN Seiten vorhalten; genau das ist doch der Kernpunkt meiner beharrlichen Kritik zum Thema "E-Joints" vs. "E-Zigaretten".

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