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am Samstag, 18. Januar 2020 um 02:37

Bitte erläutern Sie die INVERSE Beziehung ...

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Ursachenforschung: Diabetes aus der Umwelt
aus Deutsches Ärzteblatt 26/2019 vom Freitag, 28. Juni 2019
... zwischen der ZUNAHME (Inzidenz) von Diabetes mellitus Typ 2 (1) und der ABNEHMENDEN Luftverschmutzung (2) in den letzen 30 Jahren, deren Bedeutung zu Fragen angegebener "Kausalität", und inwiefern die geschilderten Daten von daher ggf. "repräsentativ" für die Allgemeinbevölkerung sein können.

Nicht nur SIMPELSTER Logik, sondern gerade dem BASISWISSEN der Epidemiologie (3) zufolge muss eine Ursache einer Folge VORAUSGEHEN, naturgemäß auch eine Veränderung. WAS SONST, bitte?

So lange derart FUNDAMENTALE Diskrepanzen nicht hinreichend erklärt sind (vgl. ebenso Lungenkrankheiten (4) und Feinstaub), nehme man bitte Abstand von offensichtlich ABENTEUERLICHEN Hypothesen zu Ursache und Wirkung.

Es ist doch ggf. an PEINLICHKEIT kaum mehr zu überbieten, wenn derart grundlegende Zusammenhänge nicht vor der Publikation auffallen.

Im Übrigen beachte man bitte auch seitens der IRREFÜHRENDEN Terminologie (z.B. "(Luft-) Schadstoffe") anerkannte Grundsätze der TOXIKOLOGIE (5), bevor man potenziell "homöopathischen" Dosen von chemisch anscheinend nicht einmal genauer definierten, z.B. auch natürlichen "Fremdstoffen" (wertfreie Bezeichnung nach Marquardt & Schäfer) irgendeine ERNSTZUNEHMENDE Schadwirkung unterstellt. Es muss DRINGEND daran erinnert werden, dass Kausalbeziehungen (zumal, aber nicht nur, auf derart niedrigem Niveau) einer z.B. experimentellen Bestätigung bedürfen, die methodologisch NIEMALS INNERHALB der Epidemiologie gefunden werden kann (6).

BERECHNEN kann Jeder Alles. Ob es aber HILFT, darf nach der derzeitigen Datenlage ERNSTHAFT BEZWEIFELT werden.

_____________
Der Unterzeichner stellt ausdrücklich klar, dass a) kein Interessenkonflikt besteht, und b) auch für ihn der Schutz menschlichen Lebens unverhandelbar ist.

MfkG Dr. A. Schnitzler, FAfIM, Diabetologe (DDG, KVN), Lüneburg

Referenzen
(1) Zylka-Menhorn V: Diabetes mellitus: Inzidenz und Prävalenz steigen in Deutschland. Deutsches Ärzteblatt 2017. 114:A-748. (https://www.aerzteblatt.de/archiv/187959/Diabetes-mellitus-Inzidenz-und-Praevalenz-steigen-in-Deutschland)
(2) Schulz H, Karrasch S, Bölke G et al.: Atmen - Luftschadstoffe und Gesundheit. Positionspapier der DGP. 2018. (https://pneumologie.de/fileadmin/user_upload/Aktuelles/DGP_Luftschadstoffe_Positionspapier_20190227-komprimiert.pdf)
(3) Phillips CV, Goodman KJ: The missed lessons of Sir Austin Bradford Hill. Epidemiologic Perspectives & Innovations 2004. 1:3. doi: 10.1186/1742-5573-1-3 (https://doi.org/10.1186/1742-5573-1-3)
(4) Lommatzsch M: Erschreckend: Atemwegs- und Lungenerkrankungen nehmen drastisch zu. https://www.atem-materlik.com/app/download/5811880416/2018-9_Mediaplanet_Luft-Lunge_Sep.pdf (Zugriff 04.01.2020)
(5) Marquardt H, Schäfer S: Lehrbuch der Toxikologie. 2., völlig neu bearbeitete Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart, 2004. (ISBN 3804717772)
ZITATE:
a)
»Die Erfahrung hat immer wieder gezeigt, dass unklare Definitionen den Keim für falsche Schlussfolgerungen in sich tragen.« (S. 1224)
b)
»Es muss zunächst noch einmal betont werden, dass ein Agens nicht "giftig" sein kann. Die Begriffe "giftig" oder "Gift" müssen immer auf eine Dosis hinauslaufen: Es mag ein Dosisbereich existieren, in dem ein bestimmtes Agens eine giftige Wirkung entfaltet. Es gibt immer auch Expositionsbereiche eines Agens, die keine unerwünschten Wirkungen auslösen.« (S. 1223)
c)
»Verwirrend ist auch der Begriff "Schadstoff". Der Begriff "Schaden" kann nicht mit einem Stoff, sondern bestenfalls mit einer zur Auslösung des Schadens benötigten Dosis korreliert werden. Wenn mit einem Schadstoff eine Substanz gemeint sein sollte, die unter bestimmten Bedingungen zu einem Gesundheitsschaden für den Menschen führen könnte, dann trifft das für fast jede Substanz bei ausreichender Dosierung zu.« (S. 1224)
(6) Hammitt JK, Morfeld P, Tuomisto JT et al.: Premature Deaths, Statistical Lives, and Years of Life Lost: Identification, Quantification, and Valuation of Mortality Risks. Risk Analysis 2019. doi: 10.1111/risa.13427 (https://doi.org/10.1111/risa.13427)

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