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Avatar #760232
am Freitag, 17. Januar 2020 um 20:09

Pathologie und Organspende

zu : Staphylococcus rex
am Donnerstag, 16. Januar 2020, 23:39 :
Die Einschaltung der Pathologie ist ein interressanter Aspekt. Aber ist er praktikabel ? Welche Hirnregion soll der Pathologe entnehmen und untersuchen , welche ist entscheidend ? Die Hirnareale haben ja alle keine isolierte Funktion. Vor allem : wie stellt man sich den zeitlichen Ablauf in dieser extrem zeitkritischen Prozedur vor. Ich halte es nicht für praktikabel. Die ethische Frage der Widerspruchskonstruktion ist damit aber auch gar nicht berührt. Richtig erscheint mir die Aussage, daß in der Parlamentsdebatte einige Fragen überhaupt nicht berührt wurden. Vor allem diese : sind wir mit der Organtransplantation überhaupt auf dem richtigen Weg. Der Kampf um jedes Menschenleben sollte schon geführt werden, aber mich quält das Mißverhältnis zwischen dem medizinischen Aufwand auf der einen Seite und der Gleichgültigkeit, mit der täglich hunderte Menschen durch Waffen um ihr Leben gebracht werden.
Avatar #691359
am Dienstag, 21. Januar 2020 um 06:31

Was bringt der Einsatz eines Pathologen?

Die Frage nach der Praktikabilität der Einbindung eines Pathologen in die Organspende ist berechtigt. Aus meiner Sicht bringt es nichts ein paar Biopsien zu entnehmen. Um eine qualifizierte Aussage treffen zu können, muss der Pathologe bei der Explantation vor Ort sein. Nach der Organentnahme muss der Spender umgelagert werden, der Schädel geöffnet und das Gehirn im Ganzen entnommen werden. Nur dann ist eine komplette Begutachtung und die Durchführung von Schnellschnitten aus ausgewählten Regionen möglich.

Ein derartiges Verfahren ist aufwendig (auch weil es gar nicht mehr so viele Pathologen in Deutschland gibt). Dafür erwarte ich eine Reihe von Vorteilen:
1. Die klare Aussage, dass das Schädigungsmuster nicht mit dem Leben vereinbar ist (=sichere Todeszeichen zur Bestätigung des Hirntodes). Die funktionellen Teste im Vorfeld sind nach meiner Meinung dagegen keine sicheren Todeszeichen.
2. Eine ungefähre Aussage zum Zeitpunkt des Hirntodes. Wie gesagt, das Sterben ist ein Prozess, ein Todeszeitpunkt ist immer ein willkürlicher Zeitpunkt. Aus methodischen Gründen ist der Herzstillstand das einfachste Kriterium für die Unumkehrbarkeit des Sterbeprozesses. Ein nachgewiesener Hirntod ist zur Angabe des Todeszeitpunktes aber auch geeignet und die Feststellung des Todeszeitpunktes gehört zu den Kernkompetenzen von Pathologen und Gerichtsmedizinern. Damit hätten wir das Dilemma vom Tisch, dass bisher der Abschluss der Organentnahme als Todeszeitpunkt gewertet wird.
3. Eine Angabe der Todesursache (Trauma etc.) und dabei auch Ausschluss einer viralen Enzephalitis. Dafür wären aber Schnellschnitte erforderlich, um im positiven Fall die Transplantation zu stoppen oder mindestens eine Postexpositionprophylaxe durchzuführen.
4. Ein Pathologe kann hier keinen Ruhm verdienen, hat also kein Interesse an einer zu großzügigen Indikationsstellung für die Explantation. Als unabhängige Kontrollinstanz könnte dies Vertrauen schaffen.

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