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Avatar #810471
am Freitag, 24. Januar 2020 um 10:42

Heilpraktiker*innen leisten einen hohen Beitrag für die Gesundheitsversorgung!

Wie kann es sein, dass einige wenige Menschen denken über 50% der Bevölkerung bevormunden und ihr Therapie- und Therapeut*innenwahl einschränken zu wollen? Echte mitmenschliche Sorge umeinander würde erst mal die Betroffenen fragen, statt über sie bestimmen zu wollen.
Im Besonderen frage ich mich wie die Ethikrichtlinien des Ärzteblattes sind, wenn Titel veröffentlicht werden, in denen ein Mensch ca 45.ooo anderen Menschen die Existenzberechtigung abschreibt? Selbst wenn Hr. Botzlar das so sagt, sollte die Überschrift wohl überlegt sein! Eine Berufsgruppe, die sich der EBM verschreibt, sollte besonders bei Hypothesen zu anderen Berufsgruppen wissenschaftlich vorgehen und erst eine umfängliche Untersuchung zur täglichen Praxis der Heilpraktiker*innen inklusive deren Anteil am Gesundheitssystem durchführen, bevor im aktuellen Hype ungeprüft vorverurteilt wird, nur weil es en vogue ist.
Fair wäre gewesen in der Umfrage zum Artikel auch die Möglichkeit anzubieten, sich für eine Behandlung bei einer/em Heilpraktiker*in zu entscheiden.
Avatar #103488
am Freitag, 24. Januar 2020 um 12:08

Lobbyistenvorwurf unberechtigt

Einige Kommentare werfen Herrn Botzlar vor, er spreche als Lobbyist. Der Vorwurf soll seine Position delegitimieren, indem seine Person angegriffen wird.

Vielleicht sollte man sich einmal vergegenwärtigen, dass er z.B. Physiotherapeuten, Ernährungsberater, Psychotherapeuten usw. nicht als überflüssig erklärt, obwohl sie doch auch am Gesundheitsbudget teilhaben, also mit den Ärzten um knappe Ressourcen konkurrieren. Wie plausibel ist also der Lobbyistenvorwurf?
Avatar #759489
am Freitag, 24. Januar 2020 um 13:28

Cthulus Denkfehler

Wenn er schreibt:
"All diesen Leuten ist anscheinend schon geholfen, wenn sich mal jemand richtig viel Zeit nimmt, zuzuhören und zu nicken. Dann ein bisschen Abrakadabra - und der Patient ist zufrieden (! - nicht geheilt)."
Sorry, das ist esoterischer Unsinn. Natürlich wird kein Migräne-Patient geheilt, und ist auch nicht zufrieden wenn man ihm mal ZUHÖRT und freundlich NICKT. Richtig gedacht lautet der logische Schluß: Migräne ist weg oder deutlich besser - die Heilpraktiker-Therapie HELFEN.

Dann zur Unterscheidung WER HEILT HAT RECHT VERSUS WER NACHWEIST DASS ER HEILT HAT RECHT. Das ist dem Patienten egal, wenn die Migräne weg ist, muß er nicht zu den Neuskeptikern rennen, sich erzählen lassen, dass er auf einen Placebo-Effekt herein gefallen ist und sich jetzt nachweisen lassen muß, dass er geheilt sei. Logisch?

Zu KuhnJ's Anmerkung:
"Physiotherapeuten, Ernährungsberater, Psychotherapeuten usw. nicht als überflüssig erklärt, obwohl sie doch auch am Gesundheitsbudget teilhaben, also mit den Ärzten um knappe Ressourcen konkurrieren." So ist es freilich nicht, denn die Physios z.B. sind beileibe KEINE KONKURRENZ, denn die handeln auf Anweisung u. Rezept des Arztes, sind also unter geordnet, was dem Arzt natürlich besser gefällt, als ein HP, der mit seinen IGEL-Leistungen konkurriert und vielleicht noch zum Patienten sagt: "Lassen sie die verschriebene Ibu einfach mal weg u. machen sie lieber bei mir Akupunktur oder nehmen sie ....".
Psychotherapeuten und Ökotrophologen sind schon gar keine Konkurrenz, denn Hausarzt Dr. Mustermann macht keine Psychotherapie und Ernährungsberatung nur im Schnelldurchgang ("essen sie weniger Fett und FDH" oder "sie können essen was sie wollen, nur nicht zu viel") u. hätte auch keine Zeit dazu u. keine diesbez. Ausbildung.
Avatar #810513
am Freitag, 24. Januar 2020 um 14:46

Placebo - ein Segen

Lieber Mitdenker,
ist es "dem Patienten" wirklich egal, was genau hilfreich war? Ich denke, beim nächsten Migräne-Anfall ist es eben nicht egal, die Sache mit dem Fehlschluss habe ich schon erwähnt.
Also ich jedenfalls möchte wissen, ob mir eine Tablette, die Massage oder das Blut eines bei Vollmond geschlachteten Huhns weiterhilft. Denn nur dann kann ich den Erfolg (wenn es denn einen gibt) wiederholen.

Schließlich veranschaulichen Sie sehr schön das schiefe Bild, welches die meisten Menschen vom Placebo-Effekt haben. Niemand muss auf diesen Effekt "hereinfallen", er ist quasi bei jeder Behandlung vorhanden.
Leider besteht offenbar die Ansicht, dass dieser Mechanismus etwas von Täuschung oder Selbstbetrug inne hat.
Obwohl er noch nicht besonders gut verstanden ist, kann man ihn (auch klinisch) nachweisen und ist wahrscheinlich eines der besten Heilmittel überhaupt.
Und ich muss Ihnen wohl nicht erklären, dass echte Medikamente sehr wohl nachweisen müssen, dass sie besser als der reine Placeboeffekt sind - Meridiane und Miasmen stehen offenbar darüber.
Avatar #106067
am Samstag, 25. Januar 2020 um 15:16

Würdeloses Heilpraktikergesetz

Die Problematik der drei Todesfälle bei einem Heilpraktiker in einer alternativen Krebsklinik im Jahr 2016 nahe der niederländischen Grenze unter Anwendung des Präparates „3-Bromopyruvat“ als experimentelle allopathische Chemotherapie von Krebskranken war nicht – wie irrtümlich von medizin- und bildungsfremden Kreisen in Aufsichtsbehörden, Verwaltung, Gesundheitswesen und Jurisprudenz angenommen – die Homöopathie.
Die Homöopathie als Behandlungsmethode bezieht sich in der Regel auf Krankheiten, Gesundheits- und Befindlichkeitsstörungen, die mit oder ohne Therapie auch spontan von selbst ausheilen können. Unter diesem „Schutzschirm“ ist und bleibt diese „besondere Therapierichtung“ (SGB V) in der Bevölkerung beliebt und wird meist unproblematisch und unkritisch betrachtet.

Völlige Überschätzung der eigenen Fähigkeiten
Das Hauptproblem bei dem onkologischen Sterbedrama in NRW waren übermotivierte, in „illusionärer Verkennung“ ihrer Fähigkeiten und Begrenzungen ebenso invasiv und interventionell wie notfallmedizinisch inkompetent arbeitende Heilpraktiker gewesen. Dabei sollte eigentlich gelten: Alle – inklusive der Ärzteschaft – sollten ihre professionellen Grenzen kennen!
Geschützt werden hier Heilpraktiker-Scharlatane, die es im Übrigen unter Ärzten ebenfalls geben kann, durch eine weltweit einmalige juristische Fiktivkonstruktion: Akademisch grundlagen-orientiert, pathophysiologisch, klinisch und in der Praxis ausgebildete Ärzte werden mit „Erfahrungsheilern“ ohne wissenschaftlich fundierte Ausbildung nahezu gleichgestellt.

Entwertung der ärztlichen Ausbildung
Darum ist das Heilpraktikergesetz als „HeilprG“ einfach nur würdelos! Es entwertet Abitur und Vollstudium Humanmedizin, PJ und klinische Fachausbildung. Es zieht die Befähigung zur Ausübung der Heilkunde als sogenannte „Heilkunde-Erlaubnis“ und „Heilkunde-Privileg“ ins Lächerliche.
Das kann man auch billiger haben: Einfach den „Heilpraktiker“ ohne zusätzliche Berufsausbildung machen! Dann kann man sich nach Herzenslust an Patienten als freiwilligen Versuchskaninchen austoben; wird damit jedoch genauso entwertet.

Hilfe aus dem Ministerium
Und wer hilft einem dabei, ohne störende Ausbildungshürden, ohne lästiges Arztregister, Bundes- und Landesärztekammern, Weiterbildungs- und Fortbildungspflichten, Berufsordnungen bzw. weitere staatliche Kontroll- und Aufsichtsbehörden? Ein völlig unbedarftes „Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz“ mit einem geradezu „bahnbrechenden“ Heilpraktikergesetz von 1939, das auch noch auch noch weitschweifig und kommentarlos im Internet präsentiert wird:
„Gesetz über die berufsmäßige Ausübung der Heilkunde ohne Bestallung
(Heilpraktikergesetz), HeilprG, Ausfertigungsdatum: 17.02.1939
„Heilpraktikergesetz in der im Bundesgesetzblatt Teil III, Gliederungsnummer 2122-2, veröffentlichten bereinigten Fassung, das zuletzt durch Artikel 15 des Gesetzes vom 23. Oktober 2001 (BGBl. I S. 2702) geändert worden ist“.
[...]
Die Reichsregierung hat das folgende Gesetz beschlossen, das hiermit verkündet wird:
§ 1 (1) Wer die Heilkunde, ohne als Arzt bestallt zu sein, ausüben will, bedarf dazu der Erlaubnis.
(2) Ausübung der Heilkunde im Sinne dieses Gesetzes ist jede berufs- oder gewerbsmäßig vorgenommene Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Krankheiten, Leiden oder Körperschäden bei Menschen, auch wenn sie im Dienste von anderen ausgeübt wird.
(3) Wer die Heilkunde bisher berufsmäßig ausgeübt hat und weiterhin ausüben will, erhält die Erlaubnis nach Maßgabe der Durchführungsbestimmungen; er führt die Berufsbezeichnung „Heilpraktiker“.
§ 2 (1) Wer die Heilkunde, ohne als Arzt bestallt zu sein, bisher berufsmäßig nicht ausgeübt hat, kann eine Erlaubnis nach § 1 in Zukunft ... erhalten.
(2) Wer durch besondere Leistungen seine Fähigkeit zur Ausübung der Heilkunde glaubhaft macht, wird auf Antrag des Reichsministers des Innern durch den Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung unter erleichterten Bedingungen zum Studium der Medizin zugelassen, sofern er seine Eignung für die Durchführung des Medizinstudiums nachweist.
§ 3 Die Erlaubnis nach § 1 berechtigt nicht zur Ausübung der Heilkunde im Umherziehen.
§ 4 und § 5 Wer, ohne zur Ausübung des ärztlichen Berufs berechtigt zu sein und ohne eine Erlaubnis nach § 1 zu besitzen, die Heilkunde ausübt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.
§ 5a (1) Ordnungswidrig handelt, wer als Inhaber einer Erlaubnis nach § 1 die Heilkunde im Umherziehen ausübt.
(2) Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße bis zu zweitausendfünfhundert Euro geahndet werden.
§ 6 (1) Die Ausübung der Zahnheilkunde fällt nicht unter die Bestimmungen dieses Gesetzes.
(2)Eingangsformel
§ 7 Der Reichsminister des Innern erläßt ... die zur Durchführung ... dieses Gesetzes erforderlichen Rechts- und Verwaltungsvorschriften.
§ 8 (1) Dieses Gesetz tritt am Tag nach der Verkündung in Kraft.
(2) Gleichzeitig treten § 56a Abs. 1 Nr. 1 und § 148 Abs. 1 Nr. 7a der Reichsgewerbeordnung, soweit sie sich auf die Ausübung der Heilkunde im Sinne dieses Gesetzes beziehen, außer Kraft.“

Juristische Nazi-Propaganda im 21. Jahrhundert?
Das ist nicht nur übelste juristische Nazi-Propaganda einer demokratisch gewählten Deutschen Bundesregierung des 21. Jahrhunderts. Das ist auch ein Schlag ins Gesicht aller staatsexaminierten Ärzte, die auf hohem professionellen Standard ihre ärztliche Profession ausüben. Es entwertet ihre universitäre, theoretisch und praktisch orientierte, klinische und ambulante, wissenschaftliche und versorgungsmedizinische Ausbildung und beschädigt die rechtliche Bedeutung der Erteilung einer Heilkunde-Erlaubnis mit sogenannter „Bestallung“.
Und dies vor dem Hintergrund, dass ein HeilprG auch noch unter „Sieg Heil“-Rufen von Nazi-Schergen, die damit die Ausrottung und Vertreibung von jüdischen Ärzten und jüdischen Patienten bejubelten, verabschiedet wurde.
Der Deutschen Reichsregierung fehlten Ärzte an allen Ecken und Enden, die wenigen weiblichen wurden meistens gar nicht für voll genommen: An den Kriegsfronten, in den Lazaretten, in den Akutkliniken, in den Praxen in Stadt und Land.
Das ist die eigentliche Entstehungsgeschichte dieses würdelosen und schändlichen Heilpraktiker-Gesetzes!

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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