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Avatar #737153
am Montag, 27. Januar 2020 um 12:57

Krankenhausärzte überbelastet

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Krankenhausärzte fühlen sich überlastet
vom Donnerstag, 23. Januar 2020
Ich muß sagen für einen der in der NHS (england) anfänglich als SHO (Assistenzarzt) teilweise bis zu 128 Stunden pro Woche gearbeitet habe, begrüße ich das Bemühen, die Arbeitszeit Menschlich zu gestalten. Allerdings 4 "Überstunden" sind nicht beklagenswert und darüber sollte man nicht jammern und auch nicht vergessen, daß Mann (Frau) als Artzt*in enorm priviligiert ist und sich dem Dienst am Menschen und nicht am eigenen Portmonnai verpflichtet hat.
Avatar #742961
am Mittwoch, 29. Januar 2020 um 20:25

Der Lichtstrahl der Hoffnung beleuchtet jedoch nur die harte Realität...

Als Betroffener bin ich zuvorderst tief berührt dass mein Arbeitsleben offensichtlich kein Einzelfall ist. Irgendwie gewusst hat man das ja schon immer, aber in Zahlen gefasst wirkt es beruhigend. Man ist nicht als trauriger Einzelfall abgehängt und wird irgendwie auch ausgenutzt, nein, das ist der Regelfall der für die meisten Klinikärzte gilt: überviele Wochenstunden und massig Bürokratie.
Hurra. Und trotzdem werden wir genauso weitermachen, denn schließlich haben wir keine Zeit und auch keine Energie mehr das zu ändern - außer wir entsagen auch noch den letzten Minuten mit der Familie, Freunden, Bekannten...
In der uns Ärzten üblichen Weise werden wir Probleme schnell und unbürokratisch lösen, also den Ausweg nutzen der sich jedem auf andere Weise früher oder später bietet.
Und wenn irgendwann keine Ärzte für den notwendigen Dienst zur Nacht- und Wochenendzeit zur Verfügung stehen, dann sollten wir uns freuen. Dann haben alle einen Job gefunden der auch ein Leben außerhalb des Arztseins zulässt, vielleicht nicht unbedingt mit weniger Arbeit, dafür aber mit einer sinnvollen, verschwendungsfreien Zeiteinteilung und fairem Verdienst.
Und bevor sich jetzt die Spahnsche Logik meldet mit dem Ruf nach größeren Kliniken, sollte erstmal die Frage geklärt werden wer diese Kliniken denn füllt - und zwar auf ärztlicher Seite. Noch mehr Arbeitsverdichtung durch maximale Patientenzahlen wird aus den politisch vorsätzlich unrentabel gemachten "Kleinkliniken" kein Personal in die Großkliniken nach der Idee von Jens Spahn transferieren.
Vielleicht wäre eine radikale neue Idee die Lösung: mehr Personal pro Patient, ergo mehr Zeit, dadurch bessere Zuwendung zum Patienten und in Folge raschere Genesung und bessere Resilienz gegenüber Folgeerkrankungen. Ja, die Zeit die ein Arzt beim Patienten verbringt kann tatsächlich heilende Wirkung haben...
Dass dies aktuell durch die bestehenden Entgeltsysteme bestraft wird ist Teil der gesundheitspolitischen Perversion die uns immer tiefer in Überlastung und Personalschwund treibt.
Wir brauchen wieder Visionen im Gesundheitswesen, zuallererst um die Menschlichkeit in den Alltag von Arzt und Patient zurückzubringen.

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