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Avatar #103488
am Dienstag, 28. Januar 2020 um 22:26

Fakten oder Fake?

Herr Hümmer, als Quelle Ihrer Fakten geben sie eine Homöopathie-Organisation an. Das erinnert mich an die Bemühungen früherer Zeiten, den Forschungsrat Rauchen ernsthaft als Quelle für Aussagen ins Feld zu führen, dass Rauchen bzw. Passivrauchen nicht schädlich sei.

Avatar #691359
am Dienstag, 28. Januar 2020 um 22:50

Wissenschaftliche Theorie oder Glaubensbekenntnis?

Wissenschaftliche Theorien haben ihre Geschichte und keine Theorie war von Anfang an perfekt. Deshalb haben praktisch alle wissenschaftlichen Theorien anfangs willkürlich erscheinende Elemente, sogenannte Postulate oder Axiome, von denen weitere Erkenntnisse abgeleitet werden. Diese Postulate sind wichtig als Einstieg in die Theorie, sind aber auch eine wesentliche Schwachstelle. Deshalb kann keine wissenschaftliche Theorie als ausgereift gelten, wenn diese Postulate nicht mathematisch hergeleitet oder experimentell bewiesen werden, im Idealfall sollten beide Bedingungen erfüllt sein. Im Gegensatz dazu haben Glaubensbekenntnisse auch ihre Postulate bzw. Axiome, nur können diese weder wissenschaftlich hergeleitet noch experimentell bestätigt werden, deshalb müssen diese Postulate von den Gläubigen als Dogmen einfach hingenommen werden.

Als die Homöopathie vor etwa 200 Jahren entstanden ist, hatte auch sie einige Postulate, in Anbetracht des medizinischen Wissens jener Zeit war es durchaus legitim sie damals als wissenschaftliche Theorie zu bezeichnen. Nur sind seitdem 200 Jahre vergangen, das was bisher als wissenschaftliche Erklärungsversuche präsentiert wurde ist aus naturwissenschaftlicher Sicht einfach nur peinlich, deshalb verzichte ich auch darauf Herrn Hümmers Exkusionen in die Quantenphysik hier eingehender zu kommentieren.

Das wäre alles halb so schlimm, wenn es saubere experimentelle Belege für die grundlegenden Postulate geben würde. Auf die Postulate, die auf eine experimentelle Bestätigung warten, hatte ich bereits in meinem letzten Beitrag hingewiesen:
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/107852/Neue-Weiter%C2%ADbildungs%C2%ADordnung-in-Niedersachsen-ab-Juli-2020

Das Ähnlichkeit nicht Identität bedeutet, ist mir schon klar. Erstaunlicherweise kommen solche Postulate immer dann, wenn die Gefahr besteht, auf einer klaren Aussage festgenagelt zu werden (wobei dann wieder die Frage steht, wie Nosoden den Weg in die Homöopathie finden konnten). Der Pferdefuß dabei ist, eine derartige Aussage schreit nach einer experimentellen Untersuchung des Grenzbereichs, wie viel Ähnlichkeit ist notwendig und wie viel Identität ist schädlich? Genau wie die Frage, wie viel Schütteln ist notwendig beim Potenzieren? Und all dies in einem Studiendesign, welches auch einen kritischen Geist befriedigt. Im Gegensatz zu den hier aktiven Anhängern der Homöopathie hatte dies Fritz Donner in den 30-er Jahren sehr wohl verstanden. Den Inhalt des Donner-Berichts setze ich als bekannt voraus. Seit über 80 Jahren warten wir alle gespannt auf eine saubere experimentelle Bestätigung der grundlegenden Postulate der Homöopathie.

Ohne diese experimentelle Bestätigung ist die Homöopathie ein totes Pferd, welches seit über 80 Jahren exzessiv beritten wird (was nur deshalb nicht sofort auffällt, weil es zwischen Placebo, Ritual und Selbstbetrug festgezurrt ist), es ist sozusagen der große Wiedergänger der Alternativmedizin. Daran werden auch zahlreiche methodisch unsaubere Studien in alternativmedizinischen Journalen nichts ändern. Mit dem Thema Homöopathie und Studiendesign hatte ich mich bereits in einem früheren Beitrag auseinandergesetzt:
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/107261/Bayerischer-Landtag-fuer-Homoeopathiestudie
Solange der experimentelle Nachweis der Postulate und Axiome der Homöopathie aussteht, müssen sich die Anhänger der Homöopathie den Vorwurf gefallen lassen, einem Glaubensbekenntnis anzugehören. Nach 200 Jahren sollte die Zeit für eine frühe Nutzenbewertung verstrichen sein. Ein Glaubensbekenntnis ist bekanntlich Privatsache und liegt nicht im Verantwortungsbereich einer Erstattung durch die Sozialversicherungen.

Übrigens Herr Hümmer, wenn Sie schon Ihre eigene Webseite auf wordpress verlinken, dann sollten Sie dies im Text vorher auch so kommunizieren. Ich persönlich habe die schlechte Angewohnheit mir auf einer fremden Seite zuerst das Impressum anzuschauen und reagiere allergisch darauf, wenn die eigene Meinung als externes Expertenwissen verkauft wird.
Avatar #754654
am Dienstag, 28. Januar 2020 um 23:44

Homöopathie, Demokratie und Astroturfing

Fassen wir mal zusammen: Ein Großteil der Bevölkerung (72%-siehe unten) wünscht sich ein Miteinander von konventioneller und komplementärer Medizin(inkl. Homöopathie). Die Homöopathie gilt zu Recht als besonderes Therapieverfahren, weil jeder Laie nach einer Stunde VHS-Homöopathiekurs weiß, dass es dabei um sie Stimulation der Eigenregulation des individuellen Organismus geht und dies nicht einfach mit "chemischer Pharmakologie" verglichen werden kann. Wer für die Homöopathie die exakt gleichen Wirkungsnachweise wie für chemische Pharmazeutika fordert, fordert eigentlich das Ende für Homöopathie(ganz abgesehen von den immer teurer werdenden Studien, die für kleine Homöopathiehersteller nicht finanzierbar sind). Das wissen sie aber sicherlich.
Die Studienlage zur Homöopathie zeigt, besonders in der Versorgungsforschung, positive Ergebnisse, und ja, Herr Dr. Behnke ist der Experte für Homöopathieforschung in Deutschland. Deshalb nochmals meine Empfehlung für diesen kurzen Überblick zur Forschungslage zur Homöopathie:
https://www.youtube.com/watch?v=HBecbS2A0gM

Schade, dass Frau Grams und Sie, Herr Aust keine Stellung zu meinen Fragen nehmen. So können die Leser nicht erfahren, wie sie zum von mir genannten Dossier von Herrn Prof. Matthiessen stehen:
Prof. Matthiessen: Homöopathie und intellektuelle Redlichkeit-Eine … Deutsche Zeitschrift für Onkologie 2018; 50: 172–177
http://dialogforum-pluralismusindermedizin.de/dpm_.dll?pageID=174
Auf Ihrer Webseite finde ich dazu wenig inhaltlich stichhaltiges und viel Polemik.
Vielleicht mag sich ja auch noch jemand von ihnen dazu äußern, wie es auf Twitter und in den Kommentarspalten zu so einem – demokratiegefährdenden - Ungleichgewicht bezüglich realer Bevölkerungsmehrheiten kommt und dadurch politische Entscheidungen kontra Homöopathie - wie in diesem Artikel ersichtlich - forciert werden und ob dies alles nur durch eine Gruppe mit einer Art "überstarker Überzeugung"(Skeptiker, GWUP, INH) oder auch mithilfe von professioneller PR-Unterstützung(Astroturfing) erfolgt.
Vielen Dank.
Stichwort: „Skeptiker“ siehe hier:
https://swprs.org/das-skeptiker-syndrom/?fbclid=IwAR31S2KaQBiyWbxluo-wRgj8vKsUzrR289ergXOAXE0dyiXtqf7Oo1RS64U
Avatar #79783
am Mittwoch, 29. Januar 2020 um 01:10

Wenn 72% der Bevölkerung

"Homöopathie wünschen", ist das ein Kennzeichen für einen erbärmlichen Wissensstand bzw, erschreckend weit verbreiteten Aberglauben! Die Homöopathen verstehen gut zu verschleiern, dass es KEINERLEI wissenschaftliche Grundlage für Homöopathie gibt, sondern sich Dr Hahnemann dieses Heilsystem aufgrund unzulässiger Verallgemeinerung fragwürdiger Versuchsergebnisse am heimschen Küchentisch AUSGEDACHT hat!
Allein die Bezeichnung "Schulmedizin für die wissenschaftliche Medizin ist reine PR, gut gelungen..
Bei Schulmedizin denkt jeder an verknöchert, entwicklungsunfähig, schematisch - dabei sind das GANZ GENAU die Merkmale der Homöopathie, die seit 200 Jahren überhaupt keine Veränderung oder Weiterentwicklung durchlaufen hat!
Während die wissenschaftliche Medizin mit Riesenschritten neue Erkenntnisse und Behandlungsmethoden schafft (30 Lebensjahre gewonnen in 100 Jahren!), hängen die Flechten wie Bärte am ehrwürdigen Gemäuer der Homöopathie, jedem Fortschritt eisern trotzend!
Arzneiprüfung, Repertorisation, Potenzierung - das folgt immer noch UNVERÄNDERT dem "Organon der Heilkunst" in dessen Vorwort sich Hahnemann gar auf Gott als Inspirator beruft.
Leichtfertiges journalistisches Bejubeln der vermeintlich "sanften" Medizin, die überhaupt keine Medizin ist, hat diesen Aberglauben fest im Volksglauben verankert, ssogar in mein Unterstufen-Lesebuch von 1960 hatte es Hahnemanns "Chininexperiment" geschafft (dessen Wiederholung noch niemand gelungen ist!)
Avatar #103488
am Mittwoch, 29. Januar 2020 um 01:50

Zum Papier von Herrn Matthiessen

@ Peter H.:

Zu dem von Ihnen genannten Papier: http://scienceblogs.de/gesundheits-check/2018/06/16/wissenschaftstheorie-und-lobbyismus/

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