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Avatar #38398
am Montag, 10. Februar 2020 um 21:31

Dr. med. > Pädiater

Nach Jahrzehnten klinisch und ermächtigt tätig, fand es ich eine Segen, dass endlich Notfallzentren der Kliniken und der KVen "unter einem Dach" - ja, physisch - zusammenfinden. Wer nun "der Hahn auf dem Mist" sein soll, erscheint mir eine bürokratische / ökonomische aber nicht fachliche Diskussion zu sein.
Avatar #88767
am Dienstag, 11. Februar 2020 um 11:32

Habt ihr schon mal überlegt was passiert, wenn man das alles umkehren würde?

Statt der KV wären es die Krankenhäuser und statt der Niedergelassenen müssten Krankenhausärzte diese Dienste in den INZ übernehmen. Das hätte folgende Auswirkungen:
1. Alle Niedergelassenen wären froh, diese Dienste los zu sein. Umgekehrt dürften sich die Krankenhausärzte über diese zusätzlichen Dienste "freuen".
2. Die Honorar für die INZ stammen aus dem EBM. Niedergelassene machen mit solchen Honoraren moderate Verluste. Für Krankenhäuser wäre es dagegen ein Fass ohne Boden.
3. Wenn die KVen die INZ betreiben, dann zählen die INZ unzweideutig zur "ambulanten Versorgung". Denn nur für die haben die KVen den Sicherstellungsauftrag. Also wird auch die Finanzierung aus der von den Kassen mit befreiender Wirkung gezahlten Gesamtvergütung kommen.
Wären die Krankenhäuser die Betreiber, übernehmen sie einen Teil der ambulante Versorgung. Also wollen sie dafür auch den ihnen zustehenden Anteil an der Gesamtvergütung.
Ärzten steht nur ein angemessener Anteil an der Gesamtvergütung zu. Krankenhäuser müssen / wollen / werden extrabudgetär honoriert werden, da sie andernfalls pleite gehen.
4. Damit wird die Gesamtvergütung über INZ-Vorwegabzüge noch viel schneller geleert als heute schon.
5. Die Niederlassung wird damit auf Grund desaströser wirtschaftlicher Aussichten noch unattraktiver als bisher schon.
6. Der Ärztemangel nimmt zu und kompensatorisch steigt die Nachfrage nach Einrichtungen wie INZ.
7. Jeder Anstieg an INZ führt zu noch niedrigeren Honoraren bei den Niedergelassenen. ==> Es dauert nicht lange, bis der ambulante Sektor aufgibt.
8. Dann haben wir nur noch Krankenhäuser und INZ, bei denen die Leistungen ein Vielfaches teurer als bei Niedergelassenen sind.

Ich bin dafür, den Krankenhäusern die INZ zu geben.
;-)
Avatar #743234
am Sonntag, 16. Februar 2020 um 13:40

arme Patienten

Es wird eine dauerhafte Debatte geführt, wer denn das größte Stück vom Kuchen haben darf, ein niedergelassener Kollege oder eine Klinik, und es dürfen ja nicht zu viele Kliniken beteiligt werden.
An den Patienten wird dabei nicht gedacht. Ich bin selbst Notfallmediziner. Der KV-Bereitsschaftsdienst ist meiner Meinung nach vollkommen überflüssig. Wenn man Glück hat, und das ist selten, hat man einen notfallmedizinisch kompetenten Kollegen bis um 22:00, der einzelne Patienten anschaut. Wenn man Pech hat, und das ist häufig, sitzt ein Dermatologe oder HNO-Arzt im Dienst, schreibt fein säuberlich eine Einweisung für jeden Patienten der kommt oder wenn man großes Pech hat, übersieht beim Patienten schwere Erkrankuungen. Allein n der letzten Woche habe ich eine Sammlung an Fahrlässigkeiten gesehen, bei der man sich fragt, wie es immernoch Leute geben kann, die unser Gesundheitssystem als gut bezeichnen. Nicht, dass in den deutschen Notaaufnahmen alles gut laufen würde und alle Patienten optimal behandelt würden. Aber es ist zumindest immer ein Internist anwesend, fast immer auch ein Chirurg, es gibt erfahrene Notfallpflege. Nicht einen meist fachfremden, nicht notfallmedizinisch gebildeten und an dem Dienst nicht interessierten Kollegen. Wenn der Kollege Interesse an der Notfallmedizin hätte, wenn er darin gut und weitergebildet wwäre und dort Arbeiten wollte, würde er Notarzt fahren oder in einer Klinik arbeiten und dort die Notfallmedizin aufrecht erhalten. Er hat sicher andere Qualitäten. auch deii dauerhafte Cersorgung nicht notfallmedizinischer Patienten, die Nachsorge, Rehabilitation, Risikooptimierung und Vorsorge sind wichtige Teilgebiete der Medizin und der Kollege mag dort extrem gut sein. Das bedeutet aber nicht, dass er ein guter Notfallmediziner ist.
Allein die Idee, diese Kollegen dazu zu zwingen, die Notfallversorgung zu gewährleisten und sie stattdessen den besser qualifizierten Kollegen im Krankenhaus wegzunehmen scheint irgendwie absurd. Warum nicht die Krankenhäuser auch für ihre Notfallmedizin vergüten und sie damit von dem Zwang, einen Notfallpatienten aufzunehmen, um Leistungen bezahlt zu bekommen, befreien? Mit dem Geldkönnten die Krankenhäuser dann auch ihre Versorgung verbessern und es würde endlich mal der Patient gewinnen. Nur die Macht- und Geltungssucht der kassenärztlichen Vereinigung befriedigen verbessert nicht die Patientenversorgung.

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