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am Dienstag, 18. Februar 2020 um 16:58

Könnt oder wollt ihr es nicht besser? Unfassbare Inkompetenz!

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Berliner Notdienstpraxis soll Rettungsstelle Arbeit abnehmen
vom Montag, 17. Februar 2020
Wenn an einem Wochenende weniger als 60 Patienten versorgt werden, dann sind das weniger als 30 Patienten pro Tag. Dafür sind ein (Haus-)Arzt und eine MFA notwendig. Wie viele Patienten behandelt ein Hausarzt üblicherweise in 8h in seiner eigenen Praxis? Mit zwei MFA sicherlich mehr als 50 – pro Tag.
Einen (Haus-)Arzt in einer Notdienstpraxis der KV Berlin einzusetzen ist also weniger effizient als ihn in seiner eigenen Praxis arbeiten zu lassen. Je mehr Notdienstpraxen die KV Berlin installiert, desto ineffizienter der Einsatz der Ressource Arzt. Das kann man für gut befinden, wie es beispielsweise die KV Berlin findet. Für jede Notdienstpraxis, die geöffnet wird, wird eine niedergelassene Praxis geschlossen bleiben.
Oder man hält es für eine Ressourcenverschwendung, wie es beispielsweise Ökonomen tun.

Aber man kann den Unfug noch steigern, wie Berlin gerade vorexerziert. Es gibt zunächst einen zentralen Tresen der Notaufnahmen, der über hüben (Eingang Notaufnahme) oder drüben (Eingang Notdienstpraxis) entscheidet. Vorausgesetzt, es entscheidet keine Self-service-app, die der Patient selbst mit Informationen bestücken muss, damit die app entscheidet, ob hüben oder drüben. (Zwischenfrage: Wieviele Patienten würden sich mit der Auskunft der app zufrieden geben, ohne sich zusätzlich nochmals bei einer realen Person zu versichern?)
Wird der Tresen mit einer realen Person besetzt, kostet diese Zwischenschaltstelle schon wieder Manpower. Der Patient erzählt seine Geschichte, die Person erfasst und dokumentiert. Anschließend geht es nach hüben oder drüben.

Drüben oder hüben erzählt der Patient schon wieder seine Geschichte, dieses Mal einem Arzt. Die MFA dokumentiert, der Patient wird behandelt (Variante Notfallpraxis). Oder er erzählt die Geschichte einem Arzt plus Krankenschwester (Variante Notaufnahme).

Aus ursprünglich einer Notaufnahme (1 Assistenzarzt, 1 Krankenschwester) wurden in Berlin:
- 1 zentraler Tresen (Minimum MFA, eher Krankenschwester)
- 1 Notdienstpraxis (1 Facharzt, 1 MFA)
- 1 Notaufnahme (1 Assistenzarzt, 1 Krankenschwester)
Die Ausgaben steigen deutlich an, Ressourcen werden vergeudet.

Die Versorgung der ambulanten Patienten wird systematisch von den Praxen der Niedergelassenen in die Krankenhäuser, entweder Notdienstpraxis oder Notaufnahme, umgeroutet. Warum? Weil es für die Patienten „besser“ ist, wenn sie gleich zu der Stelle gehen, die sie optimal versorgt. Denn sicher ist sicher. Und wenn sich mein Wehwehchen doch als schwerwiegender herausstellt als erwartet, dann ist es doch besser, ich bin gleich im Krankenhaus und kann sofort in die Notaufnahmen.

Wer dieses Konzept befürwortet, hat damit lediglich seine ökonomische Inkompetenz öffentlich zur Schau gestellt.

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