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Avatar #771752
am Montag, 17. Februar 2020 um 20:09

Wie Belastungsfähig ist ein breiter medizinisch-wissenschaftlicher Konsens?

Kommentar zur Nachricht
Keine Zwangsbehandlung ohne breiten medizinisch-wissenschaft­lichen Konsens
vom Montag, 17. Februar 2020
Hier müssen die Medizinhistoriker ran. Hat sich der "breite medizinisch-wissenschaftliche Konsens" nicht schon - rückblickend gesehen - signifikannt geirrt? Nur wenn ein Irrtum ausgeschlossen ist, sollte eine Zwangsbehandlung genehmigungsfähig sein. Dies kann es aber schon aus Gründen der Logik nicht sein.
Weiterhin stellt sich bei jeder Zwangsbehandung auch immer und zwingend die Haftungsfrage und die Frage der Beweislast bei einer (vermuteten) Schädigung durch die Behandlung. Nach rechtsstaatlichen Prinzipien kommt hier nur in Frage, dass die Haftung zu 100% bei dem Gremium liegt, das die Zwangsbehandlung verordnet, und dass die Beweislast bei diesem Gremium liegen muss, dass eine daraus entstandene Schädigung nicht von dieser Zwangsbahandlung kommen kann.
Avatar #103574
am Dienstag, 18. Februar 2020 um 16:55

Unglaublich.

Die finden wohl keine Freiwilligen für Ihre Studien.
https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/fileadmin/zpm/psychatrie/pdf/Probandensuche_Studien/ekt.pdf
Und jetzt versucht man es mit Zwangsbehandlung.
Solchen "Ärzten" sollte man die Approbation entziehen.
Avatar #79783
am Dienstag, 18. Februar 2020 um 23:17

Falsche Fragestellung

Ich unterstelle mal, dass Schizophrene - von Ausnahmen wie dem heiligen Franziskus von Assisi abgesehen - unter ihrer Erkrankung schwer leiden. Die modernen Medikamente erlauben vielen Erkrankten, zumindest zwischen akuten Schüben ein selbständiges Leben zu führen, während Patienten mit chronischen Verläufen in einer dauerhaft betreuten Umgebung untergebracht wrden müssen. Einige dieser Patient_innen stellen zudem noch eine unkalkulierbare Gefahr für Mitpatienten, Pflegepersonal und Ärzte dar.
Für die Klinik bestehn dann nicht mehr allzuviele Handlungsmöglichkeiten: Die Zwangsbehandlung mit Medikamenten, wenn die erfolglos ist, die Absonderung (=Isolierung) und ggfs Fixierung des Patienten.
Wenn am Ende dieser Kette ein Behandlungsversuch mit einer EKT erfolgversprechend scheint bzw. "eine nicht ganz fernliegende Aussicht auf Besserung" besteht, kann in solchen Fällen eine EKT sinnvoll sein.
Die Alternative - unbehandelte chronische Wahnerkrankung - kann man angesichts von notwendiger Isolation und immer wieder notwendiger Fixierung ja auch nur als Folter bezeichnen.
Die Entscheidung, lieber einen EKT-Versuch als dauerhafte Nichtbehandlung hinzunehmen, ist ärztlich sicher gerechtfertigt. Unverständlich, dass die von unqualifizierter Panikmache gegen die EKT - Stichwort "Elektroschock" geleitete Mutter gegen diesen Versuch einer Leidensminderung vorgeht. Die EKT ist unter heutigen Bedingungen ein Verfahren, das sicher keine Dauerschäden hinterlässt, was für die medikamentöse Behandlung nur mit Einschränkungen gilt.
Avatar #103574
am Mittwoch, 19. Februar 2020 um 10:13

@practicus

Wenn Sie das Präsidentensymposium auf dem letzten DGGPN Kongress besucht hätten, wüssten Sie es besser. Sie vertreten die falschen Ansichten aus dem letzten Jahrhundert.
Zu EKT:
https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4907799
Der Befürworter ist nicht ernstzunehmen. Da Interessenkonflikte.
Avatar #79783
am Mittwoch, 19. Februar 2020 um 23:09

@mkohlhaas

ich lasse mich ja gern belehren... der Medscape-Artikel führt nicht wesentlich weiter - insbesondere, weil die Gegner der EKT offenbar eine Nichtbehandlung schwerst depressiver und katatoner Zustände vorziehen. Die meiten Psychiater heute kennen dank der modernen Medikamente solche Zustände gar nicht mehr.
Die Position scheint bei manchen Zuständen grundsätzlich völlig gegensätzlich zu sein: Auf der einen Seite abwarten und beten, auf der anderen zumindest versuchen, den Zustand irgendwie zu durchbrechen...

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