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Avatar #715180
am Samstag, 18. April 2020 um 22:44

Bedeutung des Rauchens unterschätzt?

1.
Bitte erläutern Sie die Aussage, dass "COPD zu 95 % durch Rauchen verursacht wird". Ich finde dazu – ganz im Gegenteil – bspw. folgende Aussage: "Die volkswirtschaftlichen Gesamtkosten der COPD in Deutschland werden auf weit über 17 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Es wird geschätzt, dass bei einem generellen Tabakverzicht 7,7 Milliarden Euro pro Jahr eingespart werden könnten" (1). Daraus würde ich in allererster Näherung einen Raucheranteil unter den COPD-Patienten von rund 40% abschätzen.

Es soll hier ausdrücklich nicht unterstellt werden, dass nicht rauchende COPD-Patienten mit Absicht zu Unrecht beschuldigt oder gar verunglimpft werden sollten; eine Richtigstellung wäre ggf. geboten.

2.
Wenn ich den Sinn Ihrer Aussage richtig verstehe, wollen Sie sagen, dass der Raucheranteil unter Covid-19-Erkrankten mindestens ebenso hoch wie der Anteil in der Bevölkerung (in D ca. 25%) sein müßte, wenn nicht höher.

Bitte erläutern Sie eine so verstandene – möglicherweise gewagte – Auffassung vor dem Hintergrund weltweit übereinstimmender (stets: vorläufiger) Befunde, dass die Raucherquote niedriger liegt als plausibel, nämlich bei ca. 6 vs. 30% (China; 2) bzw. 1 vs. 10% (USA; 3).

3.
Man erläutere bitte, weshalb z.B. Nikotin ein "Gift" ist, dies aber nun plötzlich – bezüglich Covid-19 – nicht mehr plausibel sein soll

4.
Unstrittig ist, dass einzelne, jedoch nicht alle (in D 0/3) Studien über relativ erhöhte Risiken für schwere Verläufe bei Rauchern berichten.

_____________
Der Unterzeichner stellt ausdrücklich klar, dass a) kein Interessenkonflikt besteht, und b) auch für ihn der Schutz menschlichen Lebens unverhandelbar ist.

MfkG Dr. A. Schnitzler, FAfIM, Lüneburg

Referenzen
1. https://www.lungenaerzte-im-netz.de/krankheiten/copd/auswirkungen-kosten/
2. Farsalinos K, Barbouni A, Niaura R. Smoking, vaping and hospitalization for COVID-19. Qeios, 2020. https://www.qeios.com/read/article/561 (accessed 08.04.2020)
3. US Department of Health and Human Services/Centers for Disease Control and Prevention - CDC COVID-19 Response Team. Preliminary Estimates of the Prevalence of Selected Underlying Health Conditions Among Patients with Coronavirus Disease 2019 — United States, February 12–March 28, 2020. Morbidity and Mortality Weekly Report (MMWR) 2020; 69, 382-386.

Avatar #539999
am Montag, 20. April 2020 um 07:51

Statistische Auswertungen unzureichend

Es fehlt der statistische Vergleich.
z.B. wie folgt:
Hämoglobinunterscheidet die beiden Verlaufsformen
"Unstandardisiert
Koeffizienten" "Standardisierte
Koeffizienten"
Modell B Beta Standardfehler T Sig.
(Konstante) 7,944 0,6 13,235 0,001
ARDS 3,322 0,983 0,949 3,5 0,039
NARDS 4,622 1,368 0,949 4,87 0,017

Leukozyten verkennen NARDS.
"Unstandardisiert
Koeffizienten" "Standardisierte
Koeffizienten"
Modell B Beta Standardfehler T Sig.
(Konstante) 4,889 0,673 7,266 0,005
ARDS 4,144 0,85 1,064 3,896 0,03
NARDS 0,744 0,153 1,064 0,7 0,534

CRP verkennt NARDS
"Unstandardisiert
Koeffizienten" "Standardisierte
Koeffizienten"
Modell B Beta Standardfehler T Sig.
(Konstante) 62,556 31,783 1,968 0,144
ARDS 64,444 0,362 50,253 1,282 0,29
NARDS -1,889 -0,011 50,253 -0,038 0,972

Avatar #97143
am Mittwoch, 29. April 2020 um 19:19

zu DrSchnitzler: 50 % der Raucher verschweigen ihre Abhängigkeit.

smoking rates, questionnaire: 22.47%, cotinine: 51.24% Validity assessment of self-reported smoking status in firefighters using the urine cotinine test, Ann Occup Environ Med. 2020 Jan 2;32:e2. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/32082584 Seit 1977 bin ich täglich im Kontakt mit Patienten, ab 1987 hausärztlich. Noch NIE habe einen lebenslangen Nichtraucher mit COPD kennengelernt. Bei scheinbaren Ex-Rauchern mit COPD aber SEHR viel Cotinin i.U. gefunden.
Avatar #715180
am Dienstag, 5. Mai 2020 um 17:32

Bedeutung des Rauchens unterschätzt?

@michelvoss:
OK, cum grano salis akzeptiert, was die Entstehung der COPD angeht (offenbar 20% Niemalsraucher; 1). Dann würden wir – aber auf sehr dünnem Eis – hier nochmal bis zu rund 12%-Punkte "heimliche" Raucher (Underreporting bei 50% der COPD-Patienten; bezüglich eines potenziell verminderten Risikos gilt ja nur das aktive Rauchen, nicht ein "Vorschaden") hinzurechnen?
Was aber immer noch nicht mit einem – wie gerne vermeldet – "erhöhten" Risiko (i.e., signifikant über der Quote in der Allgemeinbevölkerung, in D rund 25%) vereinbar wäre.

1. https://www.lungeninformationsdienst.de/aktuelles/news/alle-news-im-ueberblick/aktuelles/article/nichtraucher-und-trotzdem-copd//index.html

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