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Avatar #798265
am Dienstag, 12. Mai 2020 um 20:32

Therapie oder Verstümmelung?!


Ich kann mich den Fragen meines Vor-Kommentators "Lusa" nur anschließen.

Der Artikel schweigt zu den Hintergründen und Begleitumständen des Eingriffs.

Im Alter von 7 Monaten sind echte Indikationen zur Zirkumzision ziemlich selten. So drängt sich der Verdacht auf, dass dieser Eingriff ohne medizinische Notwendigkeit an einem gesunden Kind vorgenommen wurde.

Um eine Sache ganz klar zu sagen: Eine Beschneidung an einem nichteinwilligungsfähigen Kind – in Ermangelung einer medizinischen Notwendigkeit – ist ganz einfach nur eine GENITALVERSTÜMMLUNG.

Die Bundesärztekammer sollte deshalb dem Beispiel des Niederländischen Ärztebundes (1), des Schwedischen Kinderärzteverbands („Barnelegeforening“) (2), des Schwedischen Ärztebundes (3) und des Dänischen Ärztebundes („Den almindelige danske Lægeforening“) (4) folgen, und sich klar und deutlich gegen die Beschneidung minderjähriger Jungen aussprechen.

Einzelnachweise:

1. https://sverigesradio.se/sida/artikel.aspx?programid=2054&artikel=4973468

2. https://www.huffpost.com/entry/circumcision-ban-sweden-denmark_n_4674547

3. https://www.nytimes.com/2016/12/08/world/europe/circumcision-boys-babies.html

4. https://www.knmg.nl/advies-richtlijnen/dossiers/jongensbesnijdenis.htm

Avatar #798265
am Dienstag, 12. Mai 2020 um 20:37

Therapie oder Verstümmelung?!


Ich kann mich den Fragen meines Vor-Kommentators "Lusa" nur anschließen.

Der Artikel schweigt zu den Hintergründen und Begleitumständen des Eingriffs.

Im Alter von 7 Monaten sind echte Indikationen zur Zirkumzision ziemlich selten. So drängt sich der Verdacht auf, dass dieser Eingriff ohne medizinische Notwendigkeit an einem gesunden Kind vorgenommen wurde.

Um eine Sache ganz klar zu sagen: Eine Beschneidung an einem nichteinwilligungsfähigen Kind – in Ermangelung einer medizinischen Notwendigkeit – ist ganz einfach nur eine GENITALVERSTÜMMLUNG.

Die Bundesärztekammer sollte deshalb dem Beispiel des Niederländischen Ärztebundes (1), des Schwedischen Kinderärzteverbands („Barnelegeforening“) (2), des Schwedischen Ärztebundes (3) und des Dänischen Ärztebundes („Den almindelige danske Lægeforening“) (4) folgen, und sich klar und deutlich gegen die Beschneidung minderjähriger Jungen aussprechen.

Einzelnachweise:

1. https://www.knmg.nl/advies-richtlijnen/dossiers/jongensbesnijdenis.htm

2. https://sverigesradio.se/sida/artikel.aspx?programid=2054&artikel=4973468

3. https://www.huffpost.com/entry/circumcision-ban-sweden-denmark_n_4674547

4. https://www.nytimes.com/2016/12/08/world/europe/circumcision-boys-babies.html

Avatar #106067
am Mittwoch, 13. Mai 2020 um 10:20

Danke für die Fragen von "Lusa"

Wer Lesen kann ist klar im Vorteil! Die offiziellen Angaben zu Emla®-Creme:
"Zusammensetzung:
Zusammensetzung je 1 g Creme ( Darreichungsform: Creme )
Arzneilich wirksamer Bestandteil:
Lidocain , 25 mg
Prilocain , 25 mg
Sonstige Bestandteile:
PEG-54 hydriertes Rizinusöl; Carbomer 974 P; Natronlauge zur pH-Wert-Einstellung; Wasser, gereinigtes
Indikation / ATC-Code:
1. Erwachsene, Kinder und Jugendliche:
Oberflächenanästhesie der Haut im Zusammenhang mit:
- dem Einführen von Nadeln, z. B. von i. v.-Kathetern oder bei Blutentnahmen
- chirurgischen Eingriffen an der Hautoberfläche.
2. Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren:
Oberflächenanästhesie der genitalen Schleimhaut, z. B. vor chirurgischen Eingriffen an der Hautoberfläche oder vor einer Infiltrationsanästhesie.
3. Nur Erwachsene:
Oberflächenanästhesie von Bein-Ulcera zur Erleichterung der mechanischen Wundreinigung/Debridement nur bei Erwachsenen.
Hinweise zu den Anwendungsgebieten
Die Anwendung auf der genitalen Schleimhaut, der genitalen Haut oder auf Bein-Ulcera sollte nur von oder unter Aufsicht des medizinischen Fachpersonals durchgeführt werden.
Hauptindikation:
Anästhetika / Narkotika
Lokalanästhetika
Oberflächenanästhesie vor medizinischen Eingriffen..."

Die Anwendung bei einem 6 Monate alten Säugling im Genitalbereich ist zweifelsfrei unzulässig, off label und risikobehaftet. Das sollte zivil- und strafrechtliche Konsequenzen haben.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #727963
am Donnerstag, 14. Mai 2020 um 03:30

„Aus Fehlern lernen“? Nicht die Komplikation, die Zirkumzision ist das Problem

Sexualsensorik

Bei einer Beschneidung werden die für das sexuelle Erleben zentralen Körperteile des Penis amputiert, das Gefurchte Band, die innere Vorhaut, das Frenulum (Bändchen) und das Frenulare Delta.

Die Vorhaut, nicht die Eichel, ist der für leichte Berührung empfindlichste Teil des intakten männlichen Geschlechtsorgans (Sorrells, Snyder, Reiss, Ede, Milos, Wilcox, Van Howe: Fine-touch pressure thresholds in the adult penis).

Die Vorhaut ist sensibler als die menschlichen Lippen oder Fingerspitzen. Aufgrund ihrer sexuellen Empfindsamkeit spielt das Präputium eine bedeutende Rolle im Sexualleben unbeschnittener Männer und belastet eine jede Vorhautamputation Sexualität, Sexualpartner und Partnerschaft (Frisch, Lindholm, Grønbæk: Male circumcision and sexual function in men and women: a survey-based, cross-sectional study in Denmark).

Zu den durchweg nachteiligen Auswirkungen jeder medizinisch nicht indizierten männlichen Beschneidung gehört eine lebenslange starke Schädigung der sexuellen Sensitivität, denn Nervenfasern und überwiegend spezialisierte Nervenendigungen bzw. Tastkörperchen (Meissner-Körperchen, Vater-Pacini-Körperchen, Ruffini-Körperchen und Merkel-Zellen) werden bei der Zirkumzision, die wir männliche Genitalverstümmelung (MGM) nennen dürfen, amputiert. Diese spezialisierten Nervenendigungen dienen dazu, auch leichteste Berührungen sowie Feinheiten von Temperatur, Geschwindigkeit bzw. Vibration oder Textur wahrzunehmen und weiterzuleiten.

Im Vergleich dazu befinden sich auf der Glans penis (Eichel) überwiegend unspezialisierte freie Nervenenden, sogenannte Nozizeptoren, die Schmerzreize aufnehmen und weiterleiten können. Die schmale Zone der Eichel zwischen Corona glandis (Eichelrand) und Sulcus coronarius (Penisfurche), die von Natur aus doch (wenige) Lustrezeptoren enthält, keratinisiert (verhornt) im Laufe der Jahre, was beschnittene Männer als großen Verlust an (restlicher) sexueller Lebensqualität beschreiben und mit Schutzmaßnahmen (vor mechanischer Reibung im Alltag) bzw. mit Restoring (Versuch der Wiederherstellung der Vorhaut) nur begrenzt ausgleichen können.

Durch die Beschneidung werden dem Jungen oder dem Mann ein Großteil der Nervenendigungen des Penis insgesamt und fast alle der besonders empfindlichen niedrigschwelligen spezialisierten Nervenendigungen irreversibel entfernt. Die empfindlichsten Regionen des unbeschnittenen Penis sind durch die Beschneidung amputiert worden.

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Entwicklung des Kindes

Kein Junge im Kindergartenalter, aber auch kein männlicher Grundschüler oder Fünft- und Sechstklässer braucht eine retrahierbare (zurückziehbare) Vorhaut. In diesem Alter ist eine noch bestehende angeborene Vorhautenge oder eine noch bestehende angeborene vollständige oder teilweise Vorhautverklebung häufig, völlig normal und gesund.

Thema Alter des Zurückziehenkönnens: Von menschlicher Natur aus, bei bester Gesundheit sowie durchschnittlich erst mit 10,4 (zehn Komma vier) Jahren – und auch dann kann das erst jeder zweite Junge (Jakob Øster (1968); Hiroyuki Kayaba et al. (1996), Thorvaldsen and Meyhoff (2005)).

Die anderen 50 % aller Jungen sind folglich älter als die genannten 10,4 Jahre, sind beispielsweise zwölf oder 14 oder 16 Jahre alt, bis sie ihre Vorhaut vollständig zurückziehen können.

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Ethik

Bei der Debatte um die „Beschneidung“ sprich um FGM oder MGM zeigt sich der Konflikt zwischen kultureller Moderne und kultureller Vormoderne, der Streit um die Frage, was den Vorrang hat, Individuum oder Kollektiv, Individualrechte oder Gruppenrechte.

Der Bürger im Staat sei vor dem Gesetz gleich. Die Frau etwa habe dasselbe Recht wie der Mann. Eine Sondersorte Mensch, eine der Scharia pflichtige Spezies Muslim etwa, ist im freiheitlichen Rechtsstaat nicht hinzunehmen, denn andernfalls wären die der Umma angehörigen Frauen weitgehend entmündigt und entrechtet, bekämen nur das halbe Erbe, ihre Stimme hätte vor Gericht nur den halben Wert, sie verlören bei einem Sorgerechtsstreit ihre Kinder, müssten den Hidschab tragen und wären, mindestens bei den Schafiiten sowie bei den Dawoodi Bohra, „beschnitten“ sprich genital verstümmelt.

Das Recht auf ein intaktes Geschlechtsorgan ist ein Menschenrecht.

Was aber jedem Individuum zusteht, darf keine Frage des sogenannten Kulturkreises sein. Die verteidigenswerten und weltweit durchzusetzenden allgemeinen Menschenrechte (AEMR, festgestellt in Paris am 10.12.1948) sind nie und nirgendwo durch Berufung auf irgendeine Religion oder Tradition außer Kraft zu setzen.

Wo wir gegen jede Form der weiblichen Genitalverstümmelung kämpfen, also gegen FGM Typ Ia, Ib, II, III, IV, und die FGM weltweit überwinden wollen, können wir den Jungen und Männern nicht weniger Schutz zuteil werden lassen.

Auch das deutsche Grundgesetz kann und will nicht zwischen männlichen und weiblichen Rechtsansprüchen unterscheiden.

Weltweit ist jedes Kind, jeder Jugendliche vor dem Gruppenzwang zum „Beschnittensein“ zu schützen. Völlig altersgemäß ist der Minderjährige (der Mensch unter 18 Jahre) in eine FGM oder MGM nicht einwilligungsfähig. Wir Volljährigen haben die moralische Pflicht, dafür zu sorgen, dass weltweit ebenso jedes Mädchen wie jeder Junge ihren oder seinen 18. Geburtstag mit einem unversehrten Geschlechtsorgan erreicht.

Der 2012 hastig durch Deutschlands Parlament gepeitschte § 1631d BGB ist verfassungswidrig und ersatzlos streichen.

Avatar #567332
am Freitag, 15. Mai 2020 um 14:44

Reaktionen, auch seitens der Arznei­mittel­kommission der Deutschen Ärzteschaft

Liebe Mitkommentator/en/in,
erst einmal vielen Dank für die Bestärkung meiner Kritik und der gestellten Fragen.
Diese habe ich auch an den Verfasser des Beitrags, der Arznei­mittel­kommission der Deutschen Ärzteschaft, gestellt.
Es kam eine prompte Reaktion, die mir jedoch nur zeigte, dass in diesem Fall Dienst nach Vorschrift gemacht wird, ohne weiter über den Tellerrand zu blicken und ohne die Arznei­mittel­therapie­sicherheit komplett zu beleuchten:

"Es ist eine der Aufgaben der Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft, die Ärzteschaft über Probleme der Arzneimittelsicherheit und Arznei­mittel­therapie­sicherheit zu informieren. Dies tun wir beispielsweise durch Mitteilungen im Deutschen Ärzteblatt. Mit der aktuellen Mitteilung, auf die Sie Bezug nehmen, wollen wir auf Risiken bei der Anwendung von Lidocain/Prilocain-haltiger Creme hinweisen, wenn Dosierungsempfehlungen nicht beachtet werden. Weitere Informationen zu den von Ihnen angesprochenen Fragen liegen uns nicht vor. "

Wenn weitere Informationen nicht vorliegen, könnte man danach ja auch fragen, sofern die Meldung an die akdä nicht anonym erfolgte? Und, wie Herr Kollege Schätzler schrieb, ausloten, wie die rechtlichen Konsequenzen umgesetzt werden können.

Traurig, dass immer noch völlig unnötige Beschneidungen und auch so genannte Phimosen-OPs heutzutage in Deutschland durchgeführt werden und sich Nutznießer daran beteiligen und schweigen.