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Avatar #832304
am Donnerstag, 11. Juni 2020 um 12:04

mal überlegen ...

Kommentar zur Nachricht
Studie: SARS-CoV-2 überlebt auf Oberflächen auch bei höheren Temperaturen
vom Mittwoch, 10. Juni 2020
Hallo
Hmm. Ich habe mit dem '100-fachen' Verständnisprobleme: von welcher Bezugsgrösse gilt der Ansatz. Sagt der Autor, 100% verlieren die Übertragbarkeit und sind inaktiv und wenn man nach 4- und 8-Stunden nachzählt und testet sind alle noch da und wieder aktiv aber es werden langsam weniger.
Kann das sein?
Avatar #832320
am Donnerstag, 11. Juni 2020 um 13:41

Die Bezugsgröße ist bei Angaben von x-fachen

Vergleichen zunächst einmal egal. Gemeint ist hier: wenn z.B. 10000 Viren eine Stunde auf einer nassen Oberfläche liegen, sind anschließend noch 9950 von ihnen aktiv. Packt man sie auf eine trockene Oberfläche, sind es nur noch 5000. Man erhält also eine Größenordnung für den Unterschied, aber keine Informationen über tatsächliche Zahlen.
Angaben dieser Art machen eigentlich nur Sinn bei sehr großen Zahlen und gleichzeitig eher kleinen Änderungen.
Avatar #589166
am Donnerstag, 11. Juni 2020 um 16:47

Wie belastbar sind diese Daten des Artikels in J. of Infection?

Der Artikel unten sagt etwas anderes.
http://www.thelancet.com/microbe
We first measured the stability of SARS-CoV-2 at different temperatures. SARS-CoV-2 in virus transport medium (final concentration ~6·8 log unit of 50% tissue culture infectious dose [TCID50] per mL) was incubated for up to 14 days and then tested for its infectivity (appendix p 1). The virus is highly stable at 4°C, but sensitive to heat. At 4°C, there was only around a 0·7 log-unit reduction of infectious titre on day 14. With the incubation temperature increased to 70°C, the time for virus inactivation was reduced to 5 mins
Avatar #691359
am Dienstag, 16. Juni 2020 um 23:34

Zusätzliche Schlussfolgerungen

Die Besonderheit dieser Arbeit besteht darin, dass die Viruslast nicht einfach mittels real-time PCR bestimmt wurde, sondern mittels Zellkultur und damit ein echtes Maß für die Infektiosität darstellt. Der für mich wichtigste Nebensatz ist folgender:
„Initial virus (SARS-CoV- 2/München-1.1/2020/929) concentration was 1.58 × 107 50% tissue culture infectious dose per milliliter [TCID50/mL] and declined to 9.63 × 104 TCID50 /mL after 1h drying.“

Das bedeutet, allein durch das Trocknen sinkt die Infektiosität um mehr als zwei log-Stufen. Und das ist nicht nur für trockene Oberflächen wichtig, sondern auch für Gesichtsmasken. Angenommen, Gesichtsmasken hätten nur einen einzigen Effekt, nämlich das Auffangen der ausgeatmeten Tröpfchen und deren Trocknung, dann würde dieser Effekt allein bereits die Infektiosität in der Ausatemluft auf weniger als 1% reduzieren, selbst wenn alle Viruspartikel anschließend wieder an die Umgebung abgegeben würden. Dieser Effekt dürfte eine spezifische Schwachstelle bei den umhüllten Coronaviren darstellen, bei Picornaviren sieht es wahrscheinlich schon wieder anders aus. Dies erklärt auch die anfängliche Skepsis z.B. von RKI und WHO gegenüber Gesichtsmasken.

Noch ein paar Worte zu den Umgebungsbedingungen. Es wurden Temperaturen von 4°C, RT und 30°C geprüft. All diese Temperaturen erlauben eine Weiterverbreitung von Sars-CoV-2. (Aus anderen Arbeiten ist bekannt, dass eine thermische Inaktivierung oberhalb von 60°C erfolgt). Das bedeutet, eine Ausbreitung ist auch in den Tropen möglich, wie die Beispiele Ecuador und Brasilien zeigen. Interessant ist hier der Vergleich von Guayaquil und Quito. Die hohe Luftfeuchte in Guayaquil scheint die Ausbreitung zu beschleunigen, dagegen trockenere Hochgebirgsluft in Quito in Verbindung mit dem hohen UV-Index scheint die Ausbreitung zu bremsen. Jedenfalls war der Kollaps des Gesundheitssystems in Guayaquil in den internationalen Medien, während es bezüglich Quito dort vergleichsweise ruhig war. Das hätte aber auch Konsequenzen für Deutschland. Die niedrigere Luftfeuchte im Sommer plus der höhere UV-Index verschaffen uns derzeit eine Atempause, die maximal bis zum Oktober andauern kann.

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