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Avatar #82184
am Samstag, 20. Juni 2020 um 00:14

Neurone Prozesse verstärken gewonnene Überzeugungen

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Neurone Prozesse verstärken gewonnene Überzeugungen
vom Donnerstag, 18. Juni 2020
Das Prinzip ist in der Psychologie schon lange bekannt unter dem Namen "Homöstase". Der Begriff stammt aus der Systemtheorie und besagt, dass ein sich selbst regulierendes System immer versucht, einen einmal eingestellten Refrenzwert wieder herzustellen. Das einfachste Beispiel ist ein Heizungsthermostat der sich ein. und ausschaltet, je nachdem ob ein bestimmter Schwellenwert über oder unterschritten ist.
Jeder, der einmal versucht eine Schlankheitskur zu machen, weiß wie schwierig es ist, sein Gewicht dauerhaft zu reduzieren, weil der Körper versucht ein einmal erreichtes Gewicht wieder herzustellen.
Dem allen liegen natürlich neuronale und biochemische Prozesse zugrunde.
Wir könnten nicht überleben, wenn Entscheidungsprozesse nicht eine bestimmte Stabilität haben würden, weil wir sonst ständig alles in Frage stellen müssten. Jeder Psychotherapeut ein Lied davon singen, wie schwierig es ist, solche Entscheidungsprozesse zu korrigieren, auch wenn sie falsch sind.
In diesem Zusammenhang ist das Buch von Thomas S. Kuhn "The Structure of Scientific Revolutions" von Bedeutung, der ausführt, dass all unser Wissen und Erfahrungen nicht die Realität widerspiegeln, sondern nur Modelle (Paradigmen) der Realität sind. Diese Modelle erklären immer nur einen bestimmten Teil der beobachtbaren Phänomene. Dazu gibt es meist konkurrierende Modelle, die einen anderen Erklärungsansatz bevorzugen und die gleichen oder andere Phänomen erklären. Je nachdem welches Modell die besseren Erklärungen liefert, kann es sich im Laufe der Zeit durchsetzen. Man spricht dann von einem Paradigmenwechsel. Ein solcher Wechsel findet manchmal abrupt statt, z.B. als die Bezeichnung "Sauerstoff" die vorherige Bezeichnung "Phlogiston" ablöste, weil das Wissen um die Natur des Sauerstoffs bessere Erklärungen lieferte, als die Theorie des "Phlogistons". Wie aber die Geschichte der Religionen und der Evolutionstheorie beweisen, können sehr unterschiedliche Betrachtungweisen unserer Existenz - und evtl. des Lebens danach - durchaus nebeneinander her bestehen, obwohl die Evolutionstheorie in krassem Gegensatz zu den Religionen steht.
Bis zu einem gewissen Grad halten wir kognitive Dissonanzen durchaus aus, ohne unsere Überzeugungen zu ändern. Wenn die Änderung dennoch geschieht, bricht für viele von uns gewissermaßen "eine Welt" zusammen und das versuchen wir meist zwanghaft zu verhindern.

Erwin Bleicher
Dipl.Psych.
Avatar #755239
am Montag, 22. Juni 2020 um 12:40

Quines Netz der Überzeugungen

Nun also der wissenschaftliche /materielle Beweis für die Theorie aus der Psychologie. Sehr schön! :-)

Siehe auch Willard Van Orman Quines "Netz der Überzeugungen".

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