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Avatar #106067
am Freitag, 26. Juni 2020 um 22:55

Unsinnige Immunitätsausweis-Debatte

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Debatte um Immunitätsausweis hält an
vom Freitag, 26. Juni 2020
Problematische Antikörper-Tests: Mit qualitativen, nicht quantitativen Tests werden für SARS-CoV-2-Infektionen/COVID-19-Erkrankungen typische IgM und IgG im Patientenblut nachgewiesen, wenn sie entsprechend validiert und auf Sensitivität und Spezifität untersucht wurden. Für die Interpretation sind medizinische, infektiologische und labortechnische Fachkenntnisse erforderlich.

Was bedeuten negative oder positive Testergebnisse?

Wenn kein positives Ergebnis erscheint, hat der Patient entweder keine Antikörper, also keinen Kontakt mit SARS-CoV-2 gehabt. Er könnte aber ebenso hochinfektiös sein, weil er in der Frühphase der Erkrankung noch keine Antikörper gebildet hat und aufweisen wird. Dies ließe sich nur durch den spezifischen Erregernachweis mittels PCR erkennen/ausschließen.

Fällt der Test dagegen positiv aus, ist der Patient entweder noch hochinfektiös (PCR-Nachweis?), weil er sich in der Spätphase der akuten Erkrankung befindet. Oder er hat die COVID-19-Erkrankung schon durchgemacht, ist vermutlich immun bzw. hat kreuzreagierende Antikörper gegen andere Coronaviren.

Als da sind:
- SARS-CoV[-1] (severe acute respiratory syndrome coronavirus)
- MERS-CoV (Middle East respiratory syndrome coronavirus) und das derzeit besonders bekannte und aktuelle
- SARS-CoV-2 (severe acute respiratory syndrome coronavirus 2).

In einer in Amsterdam durchgeführten Studie wurde das Vorhandensein von einem eher harmlosen HCoV-NL63 bei etwa 4,7 % der häufigsten Atemwegserkrankungen geschätzt. L. van der Hoek et al. "Human coronavirus NL63, a new respiratory virus" - In: FEMS Microbiology Reviews. 30, Nr. 5, September 2006, S. 760–773. doi:10.1111/j.1574-6976.2006.00032.x

HCoV-NL63 ist eines von 4 nur leichte Infektionen hervorrufenden, insgesamt sieben bekannten Vertretern der Coronaviridae, die den Menschen infizieren, darunter HCoV-229E, HCoV-OC43 und HCoV-HKU1.

Mit anderen Worten: Diese Tests haben eigentlich keine infektiologisch gesicherte Aussagekraft. Die Immunitätsausweis-Debatte verkommt mehr und mehr zu einer Spielwiese infektiologischer Dilettanten und Laienschauspielern in Politik, Medien und Gesellschaft.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #825141
am Montag, 29. Juni 2020 um 18:44

...unsinnige Immunitätsausweis-Debatte

...um es weiter zu verkomplizieren, müsste natürlich geprüft werden, ob es sich tatsächlich um neutralisierende (und nicht nur markierende) Antikörper handelt, was nur im Hochsicherheitslabor möglich ist, da man dazu "lebendige" Viren benötigt; ausserdem wäre die zelluläre Immunität zu überprüfen. Und es gibt da noch ein IgA, dass in vorderster Front auf den Schleimhäuten gegen Corona kämpft und ggf. eine IgM resp. IgG- Antwort (fast) überflüssig macht. Alles in Allem eine sehr komplexe Materie - ziemlich ungeeignet für die Vorstellungswelt von Bankkaufleuten!
Avatar #654929
am Montag, 29. Juni 2020 um 22:25

Debatte um Immunitätsausweis hält an

Da laut aktueller (Fach-) Ärztlicher Weiter­bildungs­ordnung (BÄK) das Gebiet "Immunologie" nicht aufgeführt wird, könnte eigentlich auch niemand einen "Immunitätsausweis" ausstellen,,,
M. f. G.: MedDir a. D. Dr. Müsch

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