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Avatar #767798
am Dienstag, 30. Juni 2020 um 18:18

Paralleluniversen

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Experten plädieren für vollständiges Tabakwerbeverbot
vom Dienstag, 30. Juni 2020
gibt es wohl doch. Ich habe für meinen Teil eine völlig andere Veranstaltung im dt. BT (1) gesehen, als der Artikel beschreibt.

Formell ging es in der Expertenanhörung um ein Tabakwebeverbot. Realiter in weiten Teilen um die E-Zigarette (enthält keinen Tabak!). Und zwar in einer Weise, als sei diese vollkommenes Neuland und erst seit gestern bekannt.

Helbig-Schuster von der Deutschen Krebshilfe griff zu besonders drastischen Worten. Die E-Zigarette sei in den USA eine „Seuche bei den Jugendlichen“, die sie bald auch in Europa sehe, und es gebe permanent „steigende Zahlen in Deutschland“ bei der Nutzung.

Das ist eine wirklich befremdende, unbequellte Einschätzung, denn laut der Debra-Studie, die allgemeine Anerkennung findet, liegt der Anteil dampfender Jugendlicher zuletzt deutlich niedriger als noch vor einigen Jahren.
Das gipfelte u.a darin, dass sie den Ahnungslosen den Prozentsatz des Probierkonsum unter Jugendlichen ( jemals eine E-Zigarette probiert?) falsifizierend als bedrohlichen Dauerkonsum unterschob.
Weiter noch stellte sie in Spuren analytisch nachweisbare Schadstoffe (Blei, Nitrosamine, Formaldehyd) kontextual derart verzerrt dar, als seien diese herstellerseitig bereits den Produkten beigefügt.

Derartigen Unfug – wenigsten ansatzweise - zu korrigieren blieb dann die Aufgabe von Prof. Martin Storck. Zu Formaldehyd betonte er ausdrücklich, dass dieses um 3log ( 3 Zehnerpotenzen) geringer nachweisbar wäre, als in einer konventionellen Tabakzigarette.

Reiner Hanewinkel, Leiter des Instituts für Therapie- und Gesundheitsforschung in Kiel rückte fortwährend in den Mittelpunkt, die E-Zigarette sei eine „Einstiegsdroge“ und durch die Tabakindustrie darauf hin genau konzipiert.

Konträr dazu aber bestätigen zahlreiche Studien für D und Europa wiederholt, dass die Zahl der regelmäßigen Dampfer, die nie geraucht haben, verschwindend gering und seit Jahren oft am Rande der Messbarkeit ist!

Es schien somit schon einhelliger Konsens, dass die E-Zigarette keine Ausstiegshilfe sei und daher nicht zur Raucherentwöhnung tauge, worauf es an Ute Mons vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) war, zu betonen da „stimme ich nicht ganz überein“. Denn seit vergangenem Jahr liege unter anderem eine überzeugende klinische Studie vor, die zeige, dass die E-Zigarette durchaus bei der Tabakentwöhnung helfen könne!

Martin Storck pflichtete dem bei, er ist darüber hinaus der Meinung, stark unterschiedliche Risiken müssten auch bei der Werbung unterschiedlich behandelt werden, wie auch aus seiner schriftlichen Stellungnahme (2) hervorgeht. Besser aber sei es noch, wenn der Staat, zum Beispiel die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), über die unterschiedlichen Risiken und besonders Alternativen stärker aufkläre. Auch müssten Raucher viel stärker durch Beratungsangebote aufgeklärt werden!

Und glasklar erkennbar war, dass die Abgeordneten im Vorfeld einige ihrer Fragen mit „ihrem“ Experten abgesprochen hatten, um gebührend Raum für dessen Ausführungen zu schaffen.

(1) https://www.bundestag.de/mediathek?videoid=7455124#url=L21lZGlhdGhla292ZXJsYXk/dmlkZW9pZD03NDU1MTI0&mod=mediathek

(2) https://www.bundestag.de/resource/blob/703262/dc2bd26f30bc66d0fc33aeb7af012f04/19-10-323-C-data.pdf
Avatar #767798
am Mittwoch, 1. Juli 2020 um 18:53

Nachtrag

zu der gestrigen BT Expertenanhörung. Die – milde ausgedrückt befremdlichen – Positionen von Prof. Hanewinkel und ganz besonders die von Frau Dr. Helbig-Schuster von der Deutschen Krebshilfe angeführten steigenden Konsumzahlen, sowie der herbeifabulierte drohende Ausbruch einer Vaping –Epidemie, wie in den USA gibt es nicht und sind falsch.

So berichtet das dt. ÄB heute unter „Rauchen unter jungen Menschen immer unbeliebter“ (1), dass einer neuen Studie der BZgA zufolge die Zahl jugendlicher Raucher einen neuen Tiefstand mit gerade noch 5,6 Prozent (Gruppe der 12- bis 17-Jährigen, gelegentlich oder ständig Raucher) erreicht hat. Bei den 18- bis 25-Jährigen liegt der Prozentsatz mit 21,2 Prozent zwar höher, markiert aber ebenso einen neuen Tiefstand.

Interessanterweise gab die Leiterin der BZgA, Frau Dr. Thaiss darin auch an, dass bei der E-Zigarette ebenfalls kein Anstieg der Konsumentenzahlen ermittelt werden konnte!

Wie erklärt sich nun die erheblich abweichende diametrale Position der Deutschen Krebshilfe, besonders in Bezug auf die E-Zigarette? Dazu kann ein Blick in ein altes Positionspapier erhellend beitragen. (2)

Der gestrige Vortag von Frau Dr. Helbig-Schuster gibt nahezu identisch die Argumente dieses veralteten und aus dem Jahr 2015 stammenden Papiers wieder. Ohne dabei die neuesten Prävalenz-Zahlen, Wirkung gesetzgeberischer Maßnahmen, sowie aktuelle Studienlage zu berücksichtigen.

Erfreulich dagegen festzuhalten, dass bei der Neubesetzung der Stabstelle Krebsprävention im DKFZ mit der dort Einzug gehaltene durchaus kritischen, aber stets den aktuellen neuen Stand der Forschung einbeziehende Stimme auch die Einsatzmöglichkeiten und besonders die Chancen ergebnisoffen und unvoreingenommen in Betracht gezogen werden.

Man muss folglich leider annehmen, dass bei der Deutschen Krebshilfe keinerlei Wille vorhanden ist, sich mit den eigenen Positionen dem aktualisierten Stand der Forschung zu adaptieren.

Bleibt leider noch festzustellen, dass deren Positionspapier 1:1 auf den Argumentationsketten des ABNR (Deutschen Krebshilfe ist dort Mitglied) fusst. Was sicherlich nicht weiter zu beanstanden wäre, gäbe es dort nicht die bestehende bekannte Einflussnahme aus der Pharmaindustrie mit einem erheblichen Bias gegen die E-Zigarette als Konsequenz! (3)

(1) https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/114270/Rauchen-unter-jungen-Menschen-immer-unbeliebter?

(2) https://www.krebshilfe.de/fileadmin/Downloads/PDFs/Stellungnahmen/Stellungnahme_der_Deutschen_Krebshilfe_zum_TabakerzeugnisG_25112015.pdf

(3) https://www.spiegel.de/wissenschaft/warum-die-pharmalobby-die-e-zigarette-bekaempft-a-00000000-0002-0001-0000-000165579742
(Paywall)

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