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Avatar #93878
am Montag, 29. Juni 2020 um 19:20

Föderales Kompetenzgerangel verhindert Erkenntnisgewinn

Die Politik (sprich Spahn) hat tatsächlich noch nicht viel dazu gelernt. Je mehr Tests durchgeführt werden umso mehr Informationen hat man für die richtigen Entscheidungen. Natürlich muss man dabei ein wenig Verständnis für Statistik und Epidemiologie aufbringen. Ob Söder dies hat oder einfach des Diskutierens und des föderalen Kompetenzgerangels müde ist, sei einmal dahingestellt. PCR (Virus) tests erlauben einen Einblick in die Dynamik des Infektionsgeschehens. Antikörpertests geben Aufschluss über den generellen Infektionsstatus, insbesondere die bereits durchgemachten Infektionen in der Bevölkerung und die (erhoffte) Immunitätslage. Je mehr und je un-selektierter die Tests angeboten werden umso mehr erreicht man damit eine gewisse Repräsentativität für die Gesamtbevölkerung. Wenn Tests zu restriktiv und nur unter bestimmten Bedingungen angeboten werden (z.B. nur bei schweren Symptomen) dann sind die Ergebnisse natürlich nur für diese Population anwendbar. Insofern ist der Söder-Weg zwar nicht optimal, aber der bessere.
Avatar #763956
am Montag, 29. Juni 2020 um 20:26

Kann man machen ...

... aber man sollte auch bedenken: Wenn ich negativ getetet wurde und mit der Bahn heim fahre, kann ich beim Aussteigen bereits positiv sein. Welche Sicherheit bringt das auf Zeit?
Andererseits ist die Kritik tatsächlich unangebracht: Wenn Bayern sich das leisten kann und will - bitte! Warum denn nicht? Herr Söder verlangt doch nicht, dass alle nachziehen. Und besser als die App, die im Zweifel wahrscheinlich Tausende falsch-positive Meldungen generieren wird (die dann auch alle getestet werden müssten, obwohl auch da kein Anspruch besteht), ist das allemal.
Avatar #760232
am Dienstag, 30. Juni 2020 um 18:46

2 unterschiedliche Aspekte

Söder hat mit Sicherheit den Aspekt eines Signals an die Bevölkerung im Auge : wer Sorge hat, infiziert zu sein, kann sich testen lassen. Der von dubito genannte Aspekt ist aber weniger auf die einzelne Person bezogen, sondern hat den Erkenntnisgewinn im Auge.
Der erstgenannte Aspekt Aspekt ist in der Tat nur von begrenzter Aussagekraft und wirft die Frage nach der Kosten-Nutzen-Relation auf. Der zweite Aspekt hat eine solidere Basis - aber dann sollte er nicht lokal auf Bayern begrenzt bleiben, sondern bundesweit wirken - um keine örtliche Vorselektion zu präjudizieren.
Avatar #831974
am Mittwoch, 1. Juli 2020 um 09:55

Die Bayrische Strategie

Ich möchte in dieser Diskussion noch einmal auf den kürzlich hier erschienenen Artikel von Ralf L. Schlenger, "Ergebnisse richtig interpretieren" Deutsches Ärzteblatt, 117/24 (2020) A1194-A1195, und die Diskussion dazu im Forum verweisen. Selbst wenn wir 99.9% Spezifität für den Test unterstellen, so wird es bei massenweisem Einsatz ohne konkreten symptombasierten Verdacht eine Vielzahl falsch positiver Ergebnisse geben - selbst bei symptombehafteten Patienten gibt es die natürlich, nämlich auch immer dann, wenn die Prävalenz von Covid19 -wie aktuell - sehr gering ist. Man möchte beim aktuellen Testaufkommen und der geringen Positivrate lieber keinen geschätzten Fehlerbalken an die Kurve der Infektionszahlen zeichnen. Dem gegenüber steht eine Selektivität, die vermutlich einen solchen hohen Wert unter realen Bedingungen nicht annimmt. Bei geringer Prävalenz liegt die Anzahl falsch positiver Testergebnisse leider weit über denen der richtig positiven Ergebnisse - mit gewisser Wahrscheinlichkeit sind sogar alle 300 positiven Tests eines Tages falsch. Für jeden Einzelnen und die Familie des falsch positiv getesteten geht dies mit massiven Einschränkungen und einer psychischen Belastung einher. Einziger Ausweg: von jedem Menschen werden standardmäßig mindestens 3 Proben genommen, von denen eine A- und B-Probe untersucht wird (wie bei den Tests auf Dopingmittel). Die dritte Probe wird bei abweichenden Ergebnissen A und B zu Rate gezogen. Das würde falsch positive Tests nahezu ausschließen. Ja, es treibt die Kosten weiter in die Höhe, rechtfertigt aber dann zumindest irgendeine Konsequenz aus dem Massentest, zumindest wenn man unterstellt, der dann relativ sicher richtig positive Nachweis auf Corona-Virus-Erbgut steht auch in sicherem Zusammenhang mit der Infektiosität eines Patienten.
Des Weiteren möchte man doch anregen, einmal eine Serie von mindestens 500'000 Blindtests durchzuführen um die Selektivität der Tests endlich mit hinreichender Genauigkeit für einen Zweck der Massentestung angeben zu können. Dazu wäre über die Dauer von einem Monat etwa ein Drittel der Testkapazitäten nötig. Leider besteht an einem solchen wissenschaftlichen Herangehen kein Interesse. Für den klinischen Gebrauch sind die PCR-Tests auf Grundlage der Methode von Herrn Prof. Drosten sicherlich als hinreichend genau beschrieben worden (120 Blindtests haben in der Originalarbeit kein falsch positives Ergebnis geliefert, also Spezifität im Bereich von wahrscheinlich mindestens 99%). Sie taugen damit aber noch lange nicht für den Einsatz zum Massenscreening. Ein vernünftiges Signal an die Bevölkerung wäre endlich eine transparente Diskussion der wissenschaftlichen Methoden, auf deren Grundlage weitreichende Entscheidungen wie Quarantäne von ganzen Klassen, Schulen und Kitas etc. beschlossen werden. Der gesellschaftliche Schaden, den man mit falsch verwendeten Tests anrichtet, darf als beträchtlich angesehen werden.
Avatar #831974
am Mittwoch, 1. Juli 2020 um 10:32

Nachtrag

In der Forumsdiskussion des von mir zitierten Artikels gibt es einen interessanten Hinweis auf die vom RKI angeregte Teststrategie, die zwei Proben als zielführend erachtet. Wird dies auch tatsächlich so gehandhabt? Als Außenstehender habe ich daran Zweifel, die vielleicht ein Insider zerstreuen kann. Gerade wenn ich an die Tests von Ausreisewilligen aus dem Landkreis Gütersloh denke... Vielen Dank.

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