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Avatar #88767
am Mittwoch, 1. Juli 2020 um 17:23

Alles wie gehabt - nächste eklatante Fehlbesetzung in der BÄK

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Bundes­ärzte­kammer erwartet weiteren Digitalisierungs­schub
vom Mittwoch, 1. Juli 2020
Zwei Kriterien sollte erfüllen wer sich anmaßt, für die Ärzteschaft in Sachen Digitalisierung der Gesundheitsversorgung zu sprechen.
1. Umfangreiche Erfahrung aus der Praxis für die Praxis
2. Umfangreiche IT-Kenntnisse

Der Co-Vorsitzende des Ausschusses verfügt offensichtlich weder über das Eine noch das Andere. Als angestellter Krankenhausarzt mag er die IT-Verhältnisse in Krankenhäusern kennen. Dass die IT im niedergelassenen Bereich völlig andere Anforderungen hat und viel vielschichtiger als im stationären Bereich ist, ist ganz offensichtlich noch nicht bis zu Bobbert vorgedrungen. Fax und Muster 16 funktionieren in der Praxis ganz vorzüglich. TI, KV-Connect, KVSafenet usw. fallen dagegen immer wieder mal aus, sei es wegen Fehlern im eigenen Bereich oder sei es nach Softwareupdates in den Praxisprogrammen.
Man kann sicherlich trefflich darüber streiten, ob es ein konkurrierendes Angebot unterschiedlicher Techniken (VPN, TI, andere Verschlüsselungstechniken, …) sein sollte oder ob man sich auf eine einzige Hardwareinfrastruktur setzt und sich damit zugleich in die Hände von Monopolisten begibt. Die Politik hat entschieden. Jetzt haben die Niedergelassenen eine völlig überteuerte, technisch unzureichende, von der Gematik nicht beherrschte und zudem schlecht gemanagte Telematik-Infrastruktur, von der derzeit nur eines sicher ist: In wenigen Jahren wird man andere Lösungen ohne die teure TI-Hardware-Infrastruktur haben. Das haben auf Seiten der Ärzteschaft Funktionäre vom Kaliber Bobbert mitzuverantworten.

Mit dem Vorschlag, eine spezielle Messenger-App für ärztliche Kommunikation zusätzlich zu etablieren, toppt Bobbert alles bisher Dagewesene. Die Ärzte sollen sich zusätzlich zur TI, die akutell dank eines simplen Fehlers in 80.000 Praxen für längere Zeit immer noch ausgefallen ist und deren Fehlerbehebung die Ärzte mal wieder bezahlen dürfen, jetzt auch noch eine spezielle Messenger-App anschaffen. Geht’s noch? Die Corona-App, mit Hilfe von Apple und google für Smartphones verfügbar gemacht, zeigt doch schon auf, wo das Problem bei Apps liegt. Denn die Corona-App selbst ist bei google zwar aus dem Store zu laden - aber zum Betrieb muss die Ortungsfunktion des Smartphones eingeschaltet sein. Dass die Corona-App nicht auf die Ortungsdaten zugreift hilft mir doch überhaupt nicht, wenn zig andere installierte Apps auf die dank Corona-App aktivierte Ortungsdaten zugreifen können. Google und Apple können immer auf alles zugreifen, was auf einem Smartphone passiert. Woher kommt bloß der Glaube, dass diese Firmen nicht auf alles an Daten zugreifen würden, was jemals über die Chips der Smartphones prozessiert wurde? Wie naiv muss man sein, wenn man dieses systemimmanente Problem nicht berücksichtigt, bevor man einen solchen Vorschlag macht?

Ein solcher Messenger ist teuer. whatsapp wird von Milliarden Nutzern bzw. über Werbung refinanziert. Eine Ärzte-Messenger-App müssten weniger als 300.000 Nutzer bezahlen. Zugleich wären die Ärzte (Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser, Physiotherapeuten, Orthopädietechniker, …..) schon wieder von Monopolisten abhängig und müssten Mondpreise zahlen.

Meine Erwartung an KBV und BÄK:
Sorgt für eine Softwarelösung, um die Kommunikation von Gesundheitsdaten sicher zu machen. Um meine Bankgeschäfte zu erledigen brauche ich keine spezielle Infrastruktur, es geht also auch ohne spezielle Hardware. Die Kryptografie hat vermutlich Lösungen im Angebot, die der Aufgabenstellung angepasst sind. Deren „Nachteil“ dürfte allerdings darin liegen, dass damit für die Hardwarelieferanten ein äußerst lukrativer Markt wegbricht.

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Nachtrag zum stationären Sektor:
Es gibt eine Vielzahl von PACS und DICOM-Lösungen, die eines gemeinsam haben: Die firmenspezifischen Lösungen verlangen typischerweise firmenspezifische Viewer. Wäre es nicht mal eine tolle Aufgabe für die BÄK, hier für einen einheitlichen Standard zu sorgen? Zumindest für Arztpraxen wäre es von großem Vorteil, wenn man mit einer einheitlichen Oberfläche auf Bilddaten unterschiedlichster Hersteller zugreifen könnte.
Bevor ihr euch um Dinge kümmert, nach denen keiner gefragt hat, kümmert euch lieber mal um Dinge, die den täglichen Betrieb deutlich vereinfachen. Löst keine fiktiven Pseudoprobleme, kümmert euch um die realen Probleme!
Avatar #648603
am Mittwoch, 1. Juli 2020 um 21:04

@fjmvw - mecker mecker mecker

Lieber – wie üblich alles und jedes besser als alle und jede/r wissender Kollege fjmvw,

Sie repräsentieren wirklich den Prototyp, das Abziehbild, einer offenbar reichlich frustrierten und langsam verschwindenden Generation von Vertretern unseres Berufs die meinen, es reiche aus, einfach möglichst großspurig daherzureden, andere verächtlich zu machen und dann werde man den Lauf der Welt schon aufhalten.

Sie haben aber leider selbst weder besonders viel Durchblick – auch wenn sie sich bemühen so zu tun – noch erweisen Sie der Zukunft der Medizin, einer weiterhin guten Versorgung der Patient:innen oder auch nur dem Ziel befriedigender Arbeitsbedingungen für die Menschen im Gesundheitswesen mit dieser völlig ichbezogenen und völlig veränderungsunwilligen Anspruchshaltung einen guten Dienst.

Zum Glück dreht sich die Welt aber auch ohne Ihr Zutun weiter.
Avatar #88767
am Mittwoch, 1. Juli 2020 um 21:17

@normalerdoktor

Welches waren gleich noch Ihre Sachargumente?

Danke, das habe ich jetzt verstanden.
;-)
Avatar #648603
am Donnerstag, 2. Juli 2020 um 06:59

@fjmvw - nichts verstanden

Sie haben gar nichts verstanden!

Trotz Ihres sicher reiferen Alters ist Ihnen offenbar unbekannt, dass für das Gelingen einer Sachdiskussion und erst recht für das Erzielen von Lösungen als Ergebnis einer Debatte, Wertschätzung und Respekt dem Gesprächspartner gegenüber zentrale Grundvoraussetzungen sind.

Sie hingegen lassen sich einfach gehen. Schon in der Überschrift werden Sie persönlich und bezeichnen das Gegenüber als „eklatante Fehlbesetzung“ um ihm dann sogleich auch noch Inkompetenz und Anmaßung zuzuschreiben.

Und Sie glauben allen Ernstes, dann noch Anspruch auf eine Sachdiskussion und eine Auseinandersetzung mit Ihren Argumenten zu haben? Haben Sie nicht!

Und es geht Ihnen ja auch nicht um die Sache oder um eine Lösung. Sie benutzen die Sache nur regelmäßig als Mittel, um sich als sich besonders harter Hund unter den Leserbriefschreibern des Deutschen Ärzteblatts zu gerieren.
Avatar #109
am Donnerstag, 2. Juli 2020 um 08:07

Fragwürdige Nutzen-Bescheinigung durch BÄK

„...Noch nicht gelöst sind die Entschädigungsmodelle, die Abrechnung und die Vergütung im Bereich Telemedizin sowie der relevanten TARMED-­Tarifpositionen für verschiedene digitale Leistungsbereiche. Die zurzeit in Frage kommenden Tarifpositionen ­decken die digitalen Leistungen unvollständig und ungenügend ab. So setzt der TARMED-Tarif heute keinen Anreiz für die Nutzung der Telemedizin, da entsprechende Positionen schlichtweg fehlen. Gerade für kleinere Praxen stellen aber die Investitionskosten bei ­ungenügender tariflicher Abbildung beziehungsweise fehlender Abgeltungssysteme ein Hindernis für die ­Integration digitaler Gesundheitsangebote dar.
Die Realsituation sieht so aus, dass vor allem die jüngere Ärzteschaft nachfragebedingt digitale Möglichkeiten ­einsetzt und anbietet [2] – heute mit suboptimalen Rahmenbedingungen, insbesondere bezüglich Abgeltung, Rechtslage und Datenschutz.

Ambulant tätige Ärztinnen und Ärzte wollen ihre Gesundheitseinrichtung dann digitalisieren, wenn das Kosten-Nutzen-Verhältnis für sie eine positive Bilanz aufweist und der Mehrnutzen für die Patienten aus ihrer Sicht gegeben ist [2]. Wirksamkeits- und Zweck­mässigkeitsnachweise digitaler Gesundheitsangebote, insbesondere im diagnostisch-therapeutischen Bereich, sind aber noch unzureichend [15]. An­gesichts des zunehmenden Kostendrucks wird die Orientierung an der medizinischen Evidenz aber weiter zunehmen. Eine methodisch solide Evaluation von telemedizinisch unterstützten Versorgungsansätzen ist eine wesentliche Voraussetzung für deren breite Umsetzung [16]. ..“
https://saez.ch/article/doi/saez.2019.17521

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