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am Donnerstag, 2. Juli 2020 um 23:40

Auf dem falschen Gleis in die Sackgasse

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Nordrhein-Westfalen verhängt wegen Ausbruch bei Tönnies regionalen Lockdown
vom Dienstag, 23. Juni 2020
Deutschland ist wie viele andere Länder weltweit von einer Pandemie befallen: dem Corona-Wahnsinn. Möglichst alle sollen auf das Sars-Cov-2-Virus getestet werden und aus Angst vor positiven Testergebnissen wird die Marktwirtschaft in einem bedrohlichen Ausmaß geschädigt und besteht die Neigung, Teile des gesellschaftlichen Lebens – wie Bildung, Kultur, Unterhaltung und Tourismus– zur Disposition zu stellen.
Die Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie, speziell bei Tönnies, sind Teil eines Geschäftsmodells, das sich in Jahrzehnten entwickelt hat. Verbesserungen sind gewiss notwendig, aber warum dieser Riesenskandal allein um positive Sars-Cov-2-Testergebnisse? Warum fragt kein Wissenschaftler, kein Politiker und kein Journalist nach einem tatsächlichen gesundheitlichen Schaden? Wie viele der etwa 2.000 Betroffenen müssen intensivmedizinisch behandelt, wie viele beatmet werden, wer ist verstorben? Interessiert das niemanden außer mir?
Im täglichen Lagebericht des RKI vom 02.07.2020 werden 327 COVID-19-Patienten in intensivmedizinischer Behandlung aufgeführt, 160 davon müssen beatmet werden. Getrennt davon wird aufgeführt, dass sich die Zahl schwerer akuter Atemwegsinfektionen (SARI) in den Krankenhäusern, die an der Datenerfassung teilnehmen, auf einem sehr geringen Niveau befindet, nur bei 4% der Fälle wurde zusätzlich eine COVID-19-Diagnose gestellt.
Ende April gab es 2.500 COVID-19-Patienten in intensivmedizinischer Behandlung, davon 1.750 Beatmungspatienten.
Die aktuelle Situation in Deutschland lässt den Schluss zu, dass schwere COVID-19-Erkrankungen derzeit kein relevantes Gesundheitsproblem sind.
Im Kontrast zur im Situationsbericht ausführlich dargelegten entspannten Lage im Gesundheitswesen erstaunt, dass sich die abschließende Risikobewertung des RKI am 02.07.2020 kaum von der Ende April unterscheidet: Unverändert wird eine „sehr dynamische und ernste Situation“ konstatiert, die Gefährdung für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland unverändert „als hoch, für Risikogruppen als sehr hoch“ eingeschätzt.
Länder wie Deutschland, die eine Permissivität für Sars-Cov-2 ungeachtet aller Kosten verhindern wollen, lösen damit nicht einmal ein Problem, sondern schieben die fehlende Immunität als zusätzliche schwere Hypothek vor sich her. Die Fahrt auf dem falschen Gleis endet in der Sackgasse. Werden die finanziellen, wirtschaftlichen und sozialen Verwerfungen in der zweiten Jahreshälfte und 2021 fortgeschrieben, untergräbt dies unser Gesellschaftsmodell irreversibel.
Avatar #88255
am Freitag, 3. Juli 2020 um 09:02

Flatten-The-Curve oder Nullinzidenz?

Tatsächlich ist die anfängliche Strategie des „Flatten-The-Curve“ stillschweigend von der Strategie der Nullinzidenz abgelöst worden, nachdem sich gezeigt hat, dass der Lockdown wirkt und die hastig geschaffenen Intensivbetten unbenutzt blieben. Das war zunächst einmal erfreulich, aber nun wäre es an der Zeit zu überlegen, um welchen Preis wir eine solche Nullinzidenz erreichen und aufrecht erhalten können oder wollen. Ein „Sieg“ über das Virus ohne effektive Impfung scheint derzeit nicht erreichbar; wann sie zu Verfügung steht, ist unklar, ebenso, ob es bald eine wirksame Behandlung gibt. Also weiterhin unvorhersehbare lokale, regionale oder gar landesweite Lockdowns je nach Infektionszahlen und ministerpräsidentialer Befindlichkeiten? Wäre als (immer willkürlicher) Maßzahl statt der Inzidenz nicht eher die Auslastung des Gesundheitssystems oder die Rate schwerer resp. tödlicher Verläufe geeigneter? Sicherlich, aus ethischer Sicht ist die Nullinzidenz-Strategie die einfachere Variante, aber wie lange können wir sie uns tatsächlich leisten? Mittlerweile steht genügend Schutzausrüstung zur Verfügung, so dass jeder, der sich schützen muss oder will, dies problemlos und effektiv selbst tun kann, ohne dass ein ganzes Volk auf unabsehbare Zeit vermummt und auf Distanz bleiben muss. Selbst wenn „systemrelevante“ Wirtschaftsbereiche auch mit Einschränkungen halbwegs funktionieren, häufen sich die sozialen Lasten durch Insolvenzen, Arbeitslosigkeit und staatliche Hilfen für „nicht systemrelevante“ Bereiche wie Kultur, Bildung, Tourismus, Sport etc. immer weiter an.

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