DÄ plusForenKommentare News"Anspruch auf eine Sachdiskussion"?

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Avatar #88767
am Donnerstag, 2. Juli 2020 um 11:42

@normalerdoktor - Ich habe einiges nicht verstanden.

Ich habe einiges nicht verstanden. Wie kann die BÄK
- eine technische Lösung, die viel zu teuer ist (selbst die Kassen wollen die teuren Konnektoren für andere Bereiche nicht mehr bezahlen sondern setzen auf Softwarelösungen), reihenweise technisch unzuverlässig implementiert wurde (Parallelanschlüsse statt serieller Anschlüsse der Konnektoren; Ausfall von 80.000 Konnektoren, weil die Gematik die TSL-Zertifikate nicht rechtzeitig erneuert hatte; bei den Konnektoren der CGM wurde das entsprechende Protokoll DNSSec gleich fast durchgehend deaktiviert - sonst wären fast alle Konnektoren und nicht nur 80.000 vom Ausfall betroffen gewesen) und datenschutzrechtlich höchst bedenklich ist (der Bundesdatenschutzbeauftragte hat vor wenigen Tagen nochmals klargestellt, dass die Gematik eine Datenschutzfolgeabschätzung für die Konnektoren vorlegen muss - diese ist immer noch nicht erfolgt, obwohl die Konnektoren schon seit 2 Jahren auf dem Markt sind) unterstützen?
- für eine zentralisierte Datenhaltung von Patientendaten sein, die für die Ärzteschaft null benefit bringt - nur Industrie und Forschung werden davon profitieren? Die ePA ist zu einer Akte des Patienten und nicht der Ärzte geworden. Für die Ärzteschaft völlig nutzlos.
- es nicht nur hinnehmen sondern sogar unterstützen, dass den Niedergelassenen ein System übergestülpt wird, welches unsicher, zu teuer, in der Handhabung viel zu kompliziert und zudem noch nutzlos ist?

Dass es sich bei Bobbert um eine weitere Fehlbesetzung handelt, versuche ich im Weiteren zu erläutern. Wie viele Vertreter der BÄK hatten in den letzten 10 Jahren schon einen GOÄ-Reform angekündigt? Nach über 30 Jahren ohne Inflationsausgleich versucht die BÄK den Ärzten jetzt sogar eine Budgetierung der Ausgaben der PKV im ambulanten Sektor auf dem Preisniveau der GOÄ 88 zu verkaufen. Windhorst, Montgomery, Reinhardt - einer nach dem anderen als Adler gestartet und als Pleitegeier gelandet. Wo bleiben die angemessenen Preise für die ärztliche Behandlung? Wer jetzt sagt, dass das eine Sache des Gesetzgebers ist, der hat Recht. Dann sollte die BÄK aber auch zugeben, dass sie in der Sache nichts zu entscheiden hat und letztlich keine Rolle spielt.
Als Kammer, sofern sie die Interessen der Ärzte vertreten will, müsste sie schon vor Jahren aufgestanden sein, um auf die fehlenden Honoraranpassungen deutlichst hinzuweisen. Nichts ist passiert. Eine Erfolgsstory sieht anders aus.

Zurück zum Ausgangsbeitrag:
Über welche Expertise verfügt die BÄK in Sachen EDV bzw. Apps? Liest da keiner mit, was zu Apps im Allgemeinen und sogar der Corona-App im Speziellen berichtet wird? Daten der Kunden sind das, was den Big Five ihre astronomischen Gewinne beschert. Nicht weil die Kunden viel Geld für die Software zahlen sondern weil die IT-Riesen alle Daten ihrer Kunden äußerst gewinnbringend auf dem Markt veräußern. Ein wichtiges Datum ist dabei das Bewegungsprofil. Eine Ortungsfunktion kann man abschalten - nur funktioniert dann auf Android-Systemen die Corona-App nicht mehr. Also muss, wer bei der Corona-App „im Interesse der Seuchenprävention“ mitmachen will, die Ortungsfunktion einschalten. Das hat google genau so programmiert. Und das nicht, weil die App sonst nicht laufen würde sondern weil die Corona-App der Hebel ist, um Kunden zum Einschalten der Ortungsfunktion zu bringen. Ist die Ortungsfunktion erst einmal eingeschaltet, haben alle Programme, die Kundendaten abgreifen wollen, mehr und bessere Daten als jemals zuvor zur Verfügung. Die Aktienkurse der Big Five werden steigen.

Wenn jetzt ein spezieller Ärzte-Messenger käme, dann muss auch der auf den handelsüblichen Handys etabliert werden. Somit hätten Apple und google erneut sofort Zugriff auf alles, was über diesen Messenger verschickt wird. Zugriff auf ALLES! Und über solch eine App will die BÄK die Ärztekommunikation realisieren? Da kann man auch gleich alles offen ins Internet stellen. Für die Ärzteschaft wäre es deutlich billiger, denn den Ärzte-Messenger müssten die Ärzte selbst bezahlen.

Wie eine geeignete Lösung genau aussehen könnte, keine Ahnung. Aber eine solche App ist aus den o. g. Gründen sicherlich keine Lösung. Vielleicht ist es ein Kryptographiealgorithmus, der zumindest für einige Jahre Datenschutz bietet. Für die reine Kommunikation könnte das eine Lösung sein. Für die zentrale Speicherung von allen Gesundheitsdaten aller Patienten reicht das nach Ansicht von Experten nicht aus. Denn nichts von dem, was wir heute an Datenschutz bieten, ist auch in 20 Jahren noch sicher - sagen die Experten.

P.S.:
Bobbert hat im Interview mit dem änd geäußert, dass es richtig gewesen sei, die TI in die Praxen zu bringen. Wenn er das für richtig hält, dann hält er ganz offensichtlich auch den Weg, auf dem man die Praxen zur TI gebracht hat, für richtig: Zwang und Bedrohungsmaßnahmen. Für mich sind das Mittel, die ich in Nordkorea und in China oder Russland erwartet hätte. Für Deutschland hätte ich ein echtes Angebot erwartet, über das die Ärzte frei entscheiden können. Taugt das Angebot, ist es aus Sicht der Kunden also das verlangte Geld wert, wird es auf dem Markt erfolgreich sein. Taugt es nicht, wird es ein Rohrkrepierer. Die TI wäre sicherlich ein Rohrkrepierer.
1 bzw. 2,5% Honorarabzug und weitere Sanktionen, wenn man sich nicht an die TI anschließt und deswegen beispielsweise keine eAU übermitteln kann, sind m. E. eine eindrucksvolle Demonstration der Insuffizienz der TI. Ohne Zwang wäre die ein Ladenhüter.
Vor über 10 Jahren kam das erste Smartphone auf den Markt. Heute haben vielleicht 60% der Weltbevölkerung ein Smartphone. Warum? Weil man ihnen die Pistole auf die Brust gesetzt hat und sie zum Kauf gezwungen hat? Nein, die Menschen haben Smartphones gekauft, weil sie vom Produkt überzeugt waren und das Preis-Leistungsverhältnis aus ihrer Sicht stimmte. Halt das Gegenteil von der TI.

P.P.S.:
Eine Frage an normalerdoktor: Sind Sie Amtsträger in einer ÄK? Es interessiert mich halt, wie man ohne Not eine mangels Sachargumenten völlig unhaltbare Position wie die Ihre einnimmt.
Avatar #672734
am Freitag, 3. Juli 2020 um 11:51

"Anspruch auf eine Sachdiskussion"?

Und das auch noch mit einem "harten Hund"?
Ja, wo bleiben sie, die "Wertschätzung und Respekt dem Gesprächspartner gegenüber" als "zentrale Grundvoraussetzungen"?
Zählt das oder zählt es nicht?
Ausweg aus dem Dilemma simpel:
"Haben Sie nicht! "

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