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Avatar #105066
am Montag, 6. Juli 2020 um 16:19

Empagliflozin: Diabetestherapie für Herz

Kommentar zum Print-Artikel
Empagliflozin: Diabetestherapie fürs Herz
aus Deutsches Ärzteblatt 27-28/2020 vom Montag, 6. Juli 2020
In dem o.g. Artikel erscheinen folgenden Sätze:
Hier möchte Sandow ihre Kollegen auf den § 630 a Abs. 2 BGB hinweisen: Eine Behandlung habe nach fachlichen Standards zu erfolgen. Fachlicher Standard seien heute die Leitlinien der DGIM und der DDG.
Dem muss vehement wiedersprochen werden: fachlicher Standard für die hausärztliche Versorgung sind die Voten der DEGAM und für die Ärzteschaft insgesamt die der Arznei­mittel­kommission der Deutschen Ärzteschaft (AKdÄ). Beide agieren im Gegensatz zu DGIM und DDG völlig industrieunabhängig.
Bezüglich Diabetestherapie befinden sich gerade die NVL und eine Anwenderversion der DEGAM in der letzten Phase der Überarbeitung. Die bisherigen Empfehlungen werden dabei teilweise revidiert beziehungsweise für Subgruppen präzisiert.
Der Redaktion des Deutschen Ärzteblattes empfehle ich dringend, unverzüglich ganz auf solche Schleichwerbung der Pharmaindustrie in ihrem offiziellen Organ zu verzichten (es war der Bericht eines Pressegespräches von Böhringer Ingelheim/Lilly Allianz) und darauf zu achten, dass die Stellung der eigenen AkdÄ immer ausreichend berücksichtigt wird
Avatar #584426
am Montag, 6. Juli 2020 um 19:22

Parallelen zur Causa Amthor

Kollegin Sandow kennt die Leitlinien ihrer eigenen wissenschaftlichen Fachgesellschaft DEGAM nicht - und erklärt fälschlicherweise nicht ausreichend industrieunabhängig entstandende Leitlinien für den hausärztlichen Bereich für bindend. Cui bono? Eine Idee könnten ihre leicht recherchierbaren Interessenskonflikte geben. Um nicht falsch verstanden zu werden. Es ist nötig, dass gute ÄrztInnen für und in der Pharmaindustrie arbeiten. Für die Bewertung von Leitlinien und deren hausärztliche Umsetzung sind diese KollegInnen aus gutem Grunde nicht erste Wahl. So wie Politiker nicht gleichzeitig auch noch türöffnende Lobbyisten sein sollen. Ist der journalistische Selbstanspruch des DÄ noch zeitgemäß?
Avatar #584426
am Montag, 6. Juli 2020 um 19:51

Nach Amthors Rücktritt - noch zeitgemäße Darstellung?

Kollegin Sandow meint industriennah erstellte fachfremde Leitlinien seien nach §630a BGB industrieunabhängig erstellten fachidentischen DEGAM-Leitlinien vorzuziehen. Da irrt sie. Gleichzeitig hat sie erhebliche Interessenskonflikte. Vielleicht hätte sie das Bürgerliche Gesetzbuch einfach bis §630e weiterlesen sollen. „ Der Behandelnde ist verpflichtet, den Patienten über sämtliche für die Einwilligung wesentlichen Umstände aufzuklären.“ Interessenskonflikte in Höhe von 20.000 € gehören sicherlich dazu. Ist das journalistische Selbstverständnis des DÄ hier noch zeitgemäß? Oder würden Sie Philipp Amthors Werbung für Augustus Intelligence auch unkommentiert in dieser Rubrik abdrucken?
Avatar #674200
am Dienstag, 7. Juli 2020 um 17:39

Wie peinlich ist das denn...

Sehr aufschlussreich.
"Die EMPRISE-Studie wurde von akademischen Partnern der Abteilung für Pharmakoepidemiologie am Brigham and Women's Hospital und der Harvard Medical School, Boston, USA, initiiert und weiterhin geleitet" (diabetologie-online). Für den Beleg eines Nutzens einer Substanz wählt big pharma einen Parameter, der bei der VERGLEICHS-Substanz wie folgt beschrieben wird: "Und es besteht der Verdacht auf ein vermehrtes Auftreten von zur Hospitalisierung führender Herzinsuffizienz" (AkdÄ, 2017). Und siehe da: Bei der NEUEN Substanz soll es doch tatsächlich eine relative Risikosenkung für "Hospitalisierung aufgrund von Herzinsuffizienz" gegeben haben. Für eine Weiterverbreitung dieser Art von "Wissenschaft" muss das Schmerzensgeld schon ziemlich hoch sein.
Avatar #70102
am Dienstag, 7. Juli 2020 um 17:54

Back to the 1980er? Seriously?

Der Beitrag von Schenk gibt unkommentiert und unreflektiert das "Virtuelle Pressegespräch" eines Arzneimittelherstellers wieder. Vortragshonorare der zitierten Ärzt:innen sind nicht angegeben, können aber für vorangegangene Veranstaltungen teilweise bei correctiv recherchiert werden. Diese Form von gesponserten Beiträgen sollten für das DÄB verzichtbar sein oder als Ressourceneinsparung allenfalls in der elektronischen Version (und dann auch nur auf Wunsch der Abonennt:innen) erscheinen.
Die Zitate der "erfahrenen Hausärztin" in diesem Beitrag spiegeln zudem ein überholtes Verständnis von Allgemeinmedizin wider:
"Der Hausarzt entscheidet primär über die Medikation dieser Patienten und auch darüber, ob dieser sich bei einem Diabetologen oder einem anderen Facharzt vorstellt.“
Heute treffen Hausärzt:innen gemeinsam (!) mit ihren Patient:innen eine Entscheidung. Wir tuen dies
auf der Basis der bestmöglichen Evidenz (und hier empfiehlt sich die industrieunabhängige Leitlinienarbeit unser Fachgesellschaft, der DEGAM, die sehr häufig den Positionen der AkdÄ entspricht), der Präferenz der Patient:innen und unserer eigenen ärztlichen Erfahrung.
Das von Petra Sandow skizzierte paternalistische Ärzt:innenverständnis haben wir glücklicherweise ebenso hinter uns gelassen, wie hoffentlich bald auch die Vernetzung von Fortbildung, Leitlinienarbeit und Industriesponsoring. Dieser Beitrag entspricht nicht mehr (m)einem zeitgemäßen Medizinverständnis.

Mit freundlichen Grüßen

Dr.med. Sandra Blumenthal
Angestellte Fachärztin für Allgemeinmedizin
Praxis Ambrosius
Alt Nowawes 110
Potsdam



Interessenskonflikte: Sprecherin der Sektion Fortbildung der DEGAM

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