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Avatar #815203
am Mittwoch, 8. Juli 2020 um 19:13

Eindimensionale Betrachtung eines komplexen Sachverhalts

Ernährung sollte als Komplettpaket beleuchtet werden und nicht nur die einzelnen Bauteile. Wer Fleisch ist, konsumiert mit Sicherheit auch weitere Nahrungsmittel tierischen Ursprungs. Unterm Strich ist ja die Frage ob eine fleischhaltige, vegetarische oder vegane Ernährung Vorteile bietet.

Zum Thema Gesundheit:
- Warum wurde der Aspekt der Krebserkrankungen überhaupt nicht beleuchtet? Die WHO stuft rotes Fleisch als Klasse 2a-Karzinogen (wie auch Acrylamid und Glyphosphat) und prozessiertes Fleisch sogar als Klasse 1-Karzinogen (wie auch Tabakrauch!) ein.
- Das Framing "Methylzellulose, die Grundsubstanz von Tapetenkleister" ist völlig unsachlich und für mich Ausdruck einer unprofessionellen Ausdrucksweise. Methylzellulose kommt auch in vielen tierischen Lebensmitteln vor wie z.B. Wurst, Mayonnaise, Süßwaren, Gebäck etc. Sie ist also keineswegs ein Stoff, der nur in veganen Ersatzprodukten vorkommt. Außerdem ist bisher keine gesundheitsschädliche Wirkung bekannt. Die "umfangreiche chemische Zutatenliste" (von der der Autor aber nur Methylzellulose nennt) ist ein Vorurteil, welches vielleicht für vereinzelte Ersatzprodukte zutrifft, so wie sie auch für tierische Nahrungsprodukte zutrifft, keineswegs ist das aber bei allen Produkten so, wie die Aussage vermuten lässt. Ein Blick im Supermarkt auf die Zutatenliste würde hier schon ausreichen. Bitte besser recherchieren! Was ist zudem mit den Dioxin, Schwermetalle und Antibiotika, die in Tierprodukten vorhanden sind? Kein Wort darüber.
- Das Thema der Antibiotikaresistenzen fehlt komplett im Zusammenhang mit Tierhaltung.
- Eine rein pflanzliche Ernährung ist problemlos ohne Ersatzprodukte möglich und empfehlenswert.
- Gibt es einen Zusammenhang zwischen Schwein-, Vogelgrippe und SARS COV 2, der möglicherweise mit der Haltung von Tieren assoziiert ist?

Zum Thema Umwelt:
- Hier wurde wieder nur der Blick auf rotes Fleisch gerichtet. Butter z.B. ist wesentlich klimaschädlicher, als Fleisch.
- Die Tierproduktion verbraucht enorme Mengen an Wasser.
- Die größte Ackerfläche/Regenwaldfläche (=Regenwaldrodung) geht aufs Konto der Tierproduktion. Würden wir die Pflanzen direkt selbst essen, ohne Umweg übers Tier, ließen sich hier große Flächen einsparen, die wiederum der Aufforstung etc. dienen könnte.
- Fleischersatzprodukte haben eine deutlich bessere Umweltbilanz: https://www.umweltbundesamt.de/presse/pressemitteilungen/fleischersatz-auf-pflanzenbasis-bester-umweltbilanz

Diskussion mit dem Autor:
- "Wenn die Qualität und die Zubereitungsmethode beachtet werden, ist Fleisch ein gesundes Lebensmittel." Gibts dazu eine Quelle? Woher wissen Sie, dass es "gesund" ist Fleisch zu essen? Anscheinend ist es ja laut Ihnen kaum möglich derartige Studien durchzuführen.
- "Dass fleischfrei essen gesund ist und dem Klima nützt, müsste jedoch erst noch substanziiert werden." Sie unterstellen aber "dass Menschen, die sich gesund ernähren, auch sonst gesund leben" bezogen auf die Studien mit veganer Essgewohnheit. Also ist das unterm Strich doch irgendwie gesund, oder wie jetzt? Bezogen aufs Klima würde es auch nützen, wenn man nicht nur das Fleisch betrachtet und alles andere darum herum auch mit einbezieht.
- Würden Sie einen Artkiel über kardiovaskuläre Erkrankungen schreiben könnten Sie auch nicht nur auf den Risikofaktor Diabetes eingehen und alles andere ausblenden. Bitte mehr Weitsicht!

Avatar #101624
am Mittwoch, 8. Juli 2020 um 21:34

Grundbehauptungen des Autors nicht haltbar gegenüber der international konsentierten Evidenz und de

Die Behauptungen des Autors zum scheinbar unwesentlichen Anteil der Treibhausgasemissionen durch Agrarproduktion sind abenteuerlich und nicht haltbar . Die von ihm zugrundeliegende Quelle der US-Umweltbehörde EPA zitiert er nur nur zu dem relativen Anteil (9,3%) in den USA in einem hoch-industrialisierten Land bei gleichzeitig sehr hohem ökologischen Pro-Kopf-Abdruck. Allein die in dem EPA-Bericht aufgeführten absoluten Werte für die Agrarindustrie in den USA 2018 betragen 618,5 Mt CO2-Equivalent pro Jahr (zum Vergleich: Deutschland insgesamt 805 Mt). Global gesehen hat der Weltklimarat als von der UN und allen Vertragsparteien der Weltklimaverhandlungen autorisiertes Expertenteam aus mehr als 90 Ländern, welches die wissenschaftliche Evidenz sichtet , konsentiert und in Reports darstellt , in seinem kürzlichen Special Report "Climate Change and Land" festgestellt, dass bei Betrachtung aller Prä- und Post-Produktionsaktivitäten das globale Food-System für 21-37% aller Netto-Treibhausgasemissionen verantwortlich ist, (12,0 +/-2,9 Gt jährlich) und davon 5,3 Gt +/-1,6Gt und dabei wieder die Rinderhaltung entfallen.
Da eine weltweite Klimaneutralität erst erreicht ist bei einer Reduktion der globalen Emissionen auf ein CO2-Äquivalent von 1,5 Gt pro Jahr und das CO2-Budget bis zu einem Überschreiten einer Erderwärmung von 1,5 Grad Celsius ca. 2035 aufgebraucht ist, kann jede/r ersehen, dass ohne Ernährungswende und Agrarwende dieses Ziel nicht erreicht werden kann. Aus diesem Grunde sind umfangreiche staatliche und wirtschaftliche Initiativen und Investitionen erforderlich, die ebenfalls die Ernährungsgerechtigkeit weltweit verfolgen und die Unterernährung von fast 900 Mio. Menschen beseitigen sowie der Überernährung begegnen. Wer meint, andere Zahlen und Interpretationen zur Begründung seiner Thesen anführen zu können, steht gegen die geballte globale wissenschaftliche konsentierte Expertise. Der Autor weist ebenfalls auf die EpiX-Studie hin, die der EAT-Lancet-Commission statistische Fehler und Intransparenz vorhielt, und verschweigt, dass die Leit-Autoren Walter Willet und Johan Rockström von EAT diese Vorhaltungen begründet zurückgewiesen haben unter Verweis auf die Veröffentlichungen aller 3 statistischen Methoden, der Grundlagen und der Berechnungsmodelle. Auch zu den Veröffentlichungen in den "Annals of Internal Medicine" zu Fleischkonsum und Gesundheit , auf die der Autor sich bezieht ,gab es ausführliche Repliken . Die kanadische Regierung hat ihre offiziellen Ernährungsempfehlungen 2019 auf eine pflanzenbasierte vielfältige Ernährung umgestellt aufgrund der vorliegenden Evidenz u.a. aufgrund eines Reports des American Institute for Cancer Research.
Ein Bündnis von Millionenstädten weltweit (C40: 40 Cities) hat im September 2019 in Kopenhagen eine "Good Food Declaration" verabschiedet, die u.a. Paris, London,Kopenhagen,Amsterdam,Stockholm, Mailand und Barcelona in Europa durch ihre Bürgermeister*innen gezeichnet haben. Dieses Bündnis von Megastädten strebt in aktiven Maßnahmen zur Verkehrs-,Energie- und Ernährungswende ein erreichen des 1,5-Grad-Zieles nach dem Paris-Abkommen an. In der "Good Food Declaration" heißt es: "
Städte, die sich zu dieser Erklärung verpflichten, werden mit den Bürgern zusammenarbeiten, um bis 2030 eine „Planetary HealthDiet“ für alle zu erreichen, mit ausgewogenem und nahrhaftem Essen, das die Kultur, Geographie und Demographie ihrer Bürger widerspiegelt." Zu den Maßnahmen gehören ebenfalls eine Zusammenarbeit mit der Gastronomie, mit allen Bildungseinrichtungen , Meinungsführern und Maßnahmen zur Minimierung von Lebensmittelabfällen, die einen hohen Anteil an klimaschädlichen Wirkungen haben. Ebenfalls werden die Lebensmittelproduktion und die Transportwege im Umland bewertet und herangezogen. Das Food-System dieser Metropolen wird umgebaut aufgrund der vorliegenden Erkenntnisse hinsichtlich der Bedeutung und in der Verknüpfung von aktiven Maßnahmen gegen den Klimawandel und Gesundheit.
Avatar #667004
am Mittwoch, 8. Juli 2020 um 21:55

Immer die alten Klischees

Schade, dass auch hier die vegane Ernährung wieder auf das Essen von teuren Fleischersatzprodukten reduziert wird. Das ist nicht dass, was eine pflanzenbasierte Ernährung ausmacht. Es ist mit etwas Hintergrundwissen (ja, Vit B12 z. B.) ohne weiteres möglich, sich ohne diese Produkte vegan und preisgünstig zu ernähren. Es ist doch vielmehr so, dass der Mensch Fleisch essen kann aber nicht muss.
Da im Artikel die sog. artgerechte Tierhaltung angesprochen wurde, ein paar Worte dazu: Die "artgerechte" Haltung ist leider oftmals eine Illusion. Selbst die ca. 3 Prozent der in ökologischer Landwirtschaft gehaltenen Tiere in Deutschland kann ihren natürlichen Bedürfnissen nur bedingt nachgehen. Auch hier werden z. B. männliche Küken nach dem Schlüpfen "entsorgt", um nur einen Aspekt zu nennen.
Wie die Schlachmethoden sind, haben wir in den letzten Tagen zur Genüge in den Medien gesehen. Das alles ist schon lange bekannt.
Wenn es um Themen wie das Klima geht, sollten doch auch Aspekte wie der immense Ressourcenverbrauch an z. B. Wasser (je nach Quelle etwa das Vierzehnfache im Vergleich zu Soja) und an Ackerland in der "Fleischproduktion" im Vergleich zu pflanzlicher Kost erwähnt werden. Vor allem ist die rein pflanzliche Ernährung eine ethische Frage. Auch das Biotier wird nach einem kurzen Leben geschlachtet. Ja auch der Löwe tötet die Gazelle. Aber der Löwe kann nicht anders. Und der wirft auch nicht ein Drittel seiner Nahrung auf den Müll.
Unser Ernährungsverhalten wird weitestgehend von der Werbung und den Lobbyisten der Landwirtschaft und der Nahrungsmittelindustrie bestimmt, kaum von wissenschaftlichen Erkenntnissen oder ethischen Überlegungen.
Und nicht zuletzt führt eine Fleischreduktion auch zu einer Verbesserung der Lebensbedingungen und dadurch auch der Gesundheit von Menschen, sei es in den Ländern, wo Land und Wasser wegen der intensivierten Landwirtschaft knapp werden oder sei es in deutschen Schlachtbetrieben mit den menschenverachtenden Arbeitsbedingungen.
Avatar #633180
am Donnerstag, 9. Juli 2020 um 17:02

Pure Polemik

Es mag an Evidenz fehlen - aber mir fehlt das Verständnis, wie der Artikel von Herrn Dr. Scholl seinen Weg durch die Redaktion finden konnte. Offensichtlich lehnt der Autor eine fleischarme Ernährung ab und gibt damit die Meinung der überwiegenden Bevölkerungsmehrheit wieder, die 2019 durchschnittlich 60 kg Fleisch pro Kopf verzehrte. Er greift Studien an, die eine Risikosteigerung für kardiovaskuläre Erkrankungen durch einen höheren Verzehr von rotem Fleisch nahelegen. Dazu führt er jedoch keine Argumente an, sondern schreibt einfach, "dass ein relatives Risko von 1,03 [...] schlicht nichts bedeutet". Das ist eine gewagte Aussage für eine Studie, in die insgesamt fast 30.000 Patientinnen und Patienten eingeschlossen werden konnte.

Wiederholt lehnt er wissenschaftlicher Ergebnisse mit Floskeln ab, etwas sei "zur Genüge belegt", ohne dass Dr. Scholl hierfür auch nur eine Literaturstelle anführen würde. Merkwürdig sind auch Aussagen wie "Die Ernährungsepidemiologie hat über Jahrzehnte die Ernährungsleitlinien dominiert, obwohl es schon lange Kritik an der Qualität der Daten und ihrer Analysen gibt." Warum belegt der Autor solche starken Aussagen nicht mit Quellen, was wären seine Verbesserungsvorschläge? Oder war es wissenschaftlicher Konsens verschiedener Forscher, epidemiologische Daten stark zu berücksichtigen? Angesichts der vehementen Kritik an wissenschaftlichen Studien verwundert es, dass Herr Dr. Scholl keine eigenen Publikationen vorzuweisen hat.

Um die angeblich verzerrten Angaben zur Klimaschädlichkeit des Fleisches zu widerlegen, zitiert der Autor einen Werbespruch der Fleischindustrie von 1967 - selbst die Agentur, die diesen Slogan in die Welt gesetzt hat, ist seit mehr als 10 Jahren aufgrund eines Gerichtsurteils aufgelöst. Um nachfolgend zu belegen, wie wenig schädlich der Fleischkonsum ist, vergleicht Dr. Scholl die daraus resultierenden Treibhausgas-Emissionen mit dem Verkehr und der Industrie. Doch auch in diesen Gebieten wird intensiv an einer Reduktion des CO2-Ausstoßes geforscht, für die Ernährung bestünde ein solcher Schritt sicher in einer Reduktion des Fleischkonsums.

Dr. Scholl ist offensichtlich begeisterter Fleischesser und engagiert in seiner Ablehnung einer pflanzenbasierten Ernährung. Dies steht ihm frei. Dass eine solch haltlose und unwissenschaftliche Polemik seitenweise im Deutschen Ärzteblatt abgedruckt wird, ist bedenklich.
Avatar #672293
am Donnerstag, 9. Juli 2020 um 22:25

Eine kurze Frage an den Autor

Eine kurze Frage an den Autor:
wie genau müsste eine Studie designt sein, damit sie Ihren Anforderungen an Evidenz in diesem Setting genügt?

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