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Avatar #835347
am Sonntag, 12. Juli 2020 um 15:48

Irreführender Artikel

Zum Klimaaspekt: Die Evidenz, dass Fleischkonsum große Mengen an CO2-Äquivalent verursacht, eine enorme Fläche und große Mengen an Wasser verbraucht kann man nicht leugnen.
Somit ist die Überschrift bereits irreführend.
Der Autor bezieht sich im Artikel kaum auf den in der Überschrift angeführten Klimaaspekt und wenn dann nur um die Aussagen einzelner Personen zu widerlegen oder wegen ihres Reiseverhaltens zu diskreditieren (Wie bereits andere kommentiert haben kann man es durchaus anprangern, mit einem Privatjet zu fliegen, aber das hat mit dem Thema des Artikels einfach nichts zu tun.)

Den bereits veröffentlichten Kommentaren kann ich mich nur anschließen.
Hier noch ein paar Zahlen zum ökologischen Impact des einzelnen Nahrungsmittels:
1kg Rindfleisch verursacht durchschnittlich ca. 13kg CO2-Äquivalente.
(Zum Vergleich: 1kg Brot: 0,7kgCO2, 1kg Kartoffeln: 0,2kgCO2, 1kg Tomaten 0,3kgCO2, 1l Benzin verbrennen: 2,35kgCO2).
Vergleicht man das ganze mit dem Nährwert (zB. gCO2/gProtein) ergibt sich kaum ein anderes Bild, auch Fisch schneidet nicht allzu gut ab. (Tilman et al. DOI:10.1038/nature13959)

Bei der Produktion eines Kilograms Rindfleisch werden ca. 16000 l Wasser verbraucht (zum Vgl. 1kg Weizen ca. 1500 l, 1 kg Kartoffeln 130 l) (Virtual Water Trade Report 2015, http://www.waterfootprint.org/Reports/Report12.pdf)

Insbesondere ist auch die Landnutzung zu nennen: Der Weltweite Bedarf an Nährstoffen wird zu ca.18% aus tierischen Nahrungsmitteln gedeckt, während die Produktion dieser 81% der genutzten Agrarfläche ausmachen. Diese intensive Landnutzung geht mit einer Verunreinigung von Wasser durch Nitrat, Übersäuerung von Böden und auch der Abholzung von Wäldern (man schaue mal nach Brasilien) einher. (Poore et al., DOI: 10.1126/science.aaq0216)

Und das sind nur einige Aspekte, die lediglich den Umweltaspekt des Artikels betreffen.

Ich frage mich wie ein solcher Artikel, insbesondere in Zeiten in denen der Klimawandel ein Schwerpunktthema auf dem nächsten deutschen Ärztetag darstellen soll und der Lancet Countdown on climate change and health darlegt, wie gravierend die Auswirkungen eines weiterhin ungebremst voranschreitenden Klimawandels auf die Gesundheut sein können, offenbar ohne wirkliche Faktenprüfung im Ärzteblatt veröffentlicht werden konnte. Denn die Evidenz ist da: Der Konsum von Fleisch und den meisten anderen Tierprodukten ist schlecht für das Klima. (Godfray et al.: 10.1126/science.aam5324)
Avatar #835347
am Sonntag, 12. Juli 2020 um 16:03

Enthält irreführende Aussagen

Zum Klimaaspekt: Die Evidenz, dass Fleischkonsum große Mengen an CO2-Äquivalent verursacht, eine enorme Fläche und große Mengen an Wasser verbraucht kann man nicht wirklich leugnen.
Somit ist die Überschrift bereits irreführend.
Der Autor bezieht sich im Artikel kaum auf den in der Überschrift angeführten Klimaaspekt und wenn dann nur um die Aussagen einzelner Personen zu widerlegen oder wegen ihres Reiseverhaltens zu diskreditieren (Wie bereits andere kommentiert haben kann man es durchaus anprangern, mit einem Privatjet zu fliegen, aber das hat mit dem Thema des Artikels einfach nichts zu tun.)

Den bereits veröffentlichten Kommentaren kann ich mich nur anschließen.
Hier noch ein paar Zahlen zum ökologischen Impact des einzelnen Nahrungsmittels:
1kg Rindfleisch verursacht durchschnittlich 13kg CO2-Äquivalente.
(Zum Vergleich: 1kg Brot: 0,7kgCO2, 1kg Kartoffeln: 0,2kgCO2, 1kg Tomaten 0,3kgCO2, 1l Benzin verbrennen: 2,35kgCO2).
Vergleicht man das ganze mit dem Nährwert (zB. gCO2/gProtein) ergibt sich kaum ein anderes Bild, auch Fisch schneidet nicht allzu gut ab. (Tilman et al. DOI:10.1038/nature13959)

Bei der Produktion eines Kilograms Rindfleisch werden ca. 16000 l Wasser verbraucht (zum Vgl. 1kg Weizen ca. 1500 l, 1 kg Kartoffeln 130 l) (Virtual Water Trade Report 2015, http://www.waterfootprint.org/Reports/Report12.pdf)

Insbesondere ist auch die Landnutzung zu nennen: Der Weltweite Bedarf an Nährstoffen wird zu ca.18% aus tierischen Nahrungsmitteln gedeckt, während die Produktion dieser 81% der genutzten Agrarfläche ausmachen. Diese intensive Landnutzung geht mit einer Verunreinigung von Wasser durch Nitrat, Übersäuerung von Böden und auch der Abholzung von Wäldern (man schaue mal nach Brasilien) einher. (Poore et al., DOI: 10.1126/science.aaq0216)

Und das sind nur einige Punkte, die lediglich den Umweltaspekt des Artikels betreffen.

Ich frage mich wie ein solcher Artikel, insbesondere in Zeiten in denen der Klimawandel ein Schwerpunktthema auf dem nächsten deutschen Ärztetag darstellen soll und der Lancet Countdown on climate change and health darlegt, wie gravierend die Auswirkungen eines weiterhin ungebremst voranschreitenden Klimawandels auf die Gesundheit sein können, offenbar ohne wirkliche Faktenprüfung im Ärzteblatt veröffentlicht werden konnte. Denn die Evidenz ist da: Der Konsum von Fleisch und den meisten anderen Tierprodukten ist schlecht für das Klima. (Godfray et al., DOI: 10.1126/science.aam5324)
Avatar #735727
am Sonntag, 12. Juli 2020 um 22:55

Schuster bleib bei deinen Leisten

Auch ich möchte hier mein Unverständnis zum Ausdruck bringen wie eine solcher Artikel seinen Weg in in das DÄ gefunden hat.
Die kritische Auseinandersetzung mit dem Inhalt hat schon in vorangegangenen Kommentaren stattgefunden und muss durch mich nicht ergänzt werden.
Vom Autor möchte ich mir wünschen zum Zwecke einer besseren wissenschaftlichen Auseinandersetzung das Themenfeld eines ca. 4 Seiten langen Artikels stärker einzugrenzen. Insbesondere der ökologische als auch der Tierwohlaspekt erscheinen mir sprunghaft in die Erzählung einzufließen und mehr als unvollständig gewürdigt zu sein. Quellenangaben die hinter der Paywall großer Tageszeitungen versteckt sind und Zitationen aus Sekundärquellen erschweren das Nachvollziehen der Argumente. Der Wechsel zwischen episodischen Ereignissen und fachlichen Untersuchungen/Argumenten tragen das Thema inhaltlich leider wenig voran.
Nachdem nun also das Herzkreislaufsystem einiger Kollegen ordentlich in Schwung gebracht wurde hoffe ich wenigstens der Autor profitiert im Rahmen einer handfesten Veröffentlichung die er seinem researchgate Profil und der Internetpräsenz der Deutschen Akademie für Präventivmedizin e.V. hinzufügen kann.
Dr. med. Messer
Avatar #723951
am Montag, 13. Juli 2020 um 08:31

unglaublich wenig wissenschaftlich!

Auch ich komme nicht umher, mein Unverständnis und auch ein Stück Entsetzen zum Ausdruck zu bringen! Ich kann meinen Vorkommentatoren nur zustimmen - der Artikel beinhaltet keine konstruktive wissenschaftliche Diskussion, sondern ist eher populärwissenschaftlich formuliert: Es findet sich wenig kritische Auseinandersetzung mit harter Evidenz, als Stimmungsmache in so gut wie jedem Absatz. Es ist mir ein Rätsel, wie es ein solch schlechter Artikel das Peer-Review Verfahren durchlaufen konnte!
Avatar #770977
am Montag, 13. Juli 2020 um 09:55
geändert am 13.07.2020 14:07:34

aus ernährungswissenschaftlicher Sicht...

Ich möchte mich bei dem Autor für den Bericht bedanken. Das Thema Fleisch und Klimawandel wird bei den Ernährungsberatern intensiv und häufig auf eine zu emotionale Art und Weise diskutiert.
In der Beratung habe ich viele Patienten, die glauben, dass sie durch den Fleischverzicht gesünder leben und das Klima schützen. Da eindeutige Belege, für mehr Gesundheit durch eine vegetarische Ernährung fehlen, weise ich meine Patienten auf einen maßvollen Genuss von Fleisch aus biologischer Haltung hin. Fleisch hat eine hohe Nährstoffdichte (Eiweiß, gesunde Fettsäuren, Zink, Eisen etc.) und einen tollen Sättigungseffekt. Die meisten Patienten sind übergewichtig, bewegen sich kaum und bekommen von mir hypokalorische eiweißreichere und kohlenhydratreduzierte Pläne. Ich kenne keine randomisierte Studie, die zeigte, dass eine Fleischreduktion einen gesundheitlichen Vorteil bringt. Falls doch, dann freue ich mich über die Studiennennung und auf eine sachliche Diskussion.

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