DÄ plusForenKommentare PrintZum Artikel: Fleischfrei, gesund und klimafreundlich essen - die Evidenz fehlt. Deutsch. Aerztblatt

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Avatar #549282
am Montag, 13. Juli 2020 um 15:39

Ernährungsmedizin mit fehlendem Wissen - nein Danke!

Schon das Foto ist ein Klischee, die Denkweise, fleischfrei heißt Fleischersatz ist ebenso ein Klischee. Wer in seinem Titel Ernährungsmedizin stehen hat, sollte wirklich besser Bescheid wissen.
Der Artikel ist einer den man eher in "Bild" erwartet hätte - nicht im Deutschen Ärzteblatt.
Dem Autor sollte seien die unten angegebenen Studien zum Lesen angeraten. Und als Ernährunggsmediziner sollte er sich das Buch "Vganklischees ade" zulegen und lesen.
Dabei ist schon eine vegetarische Ernährung fleischlos, es muss somit noch nicht einmal vegan sein.
Peinlich für das Redaktionsteamm, so einen Artikel zu veröffentlichen, Da nutzt auch der kleingedruckte Hinweis "unterliegt nicht dem Peer-Review-Verfahren" nichts.
Avatar #599717
am Montag, 13. Juli 2020 um 23:24

Zum Artikel: Fleischfrei, gesund und klimafreundlich essen - die Evidenz fehlt. Deutsch. Aerztblatt

Ich bedauere es sehr, dass sich das DÄ nicht zu schade ist, einen derartigen Artikel ohne Peer Review an prominenter Stelle zu veröffentlichen. Das Thema Klimaschutz und Reduktion von Treibhausgasen ist für uns alle zu relevant, als dass es an solcher Stelle unwissenschaftlich und unreflektiert behandelt werden sollte.
Die Berufsordnung der Bundesärztekammer bezieht eindeutig Stellung zur Verantwortung von Ärzten und Ärztinnen in Bezug auf die Umwelt: „ Aufgabe der Ärztinnen und Ärzte ist es, an der Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen im Hinblick auf ihre Bedeutung für die Gesundheit der Menschen mitzuwirken.“
Die Klimakrise ist die grösste Bedrohung und Herausforderung für die Gesundheit der Menschheit. Sie bedroht die Lebensgrundlage aller Menschen. Nach unserer Berufsordnung ist es also unsere Pflicht als Ärztinnen und Ärzte, alles zu tun, um den Klimawandel aufzuhalten und zum Klimaschutz beizutragen.

Der Autor verkennt in diesem Zusammenhang völlig, dass die Landwirtschaft und damit auch insbesondere die industrielle Tierhaltung, einen erheblichen Einfluss auf den Treibhausgasausstoss hat, sie wird daher zu Recht im Klimaschutzplan der Bundesregierung 2050 als klimarelevanter Sektor aufgeführt. Dass andere Sektoren noch erheblich schlechter dastehen, ist in diesem Zusammenhang nicht relevant und enthebt uns nicht der Pflicht, über Klimaneutralität in der Nahrungsmittelproduktion und damit vorrangig über eine Reduktion der Nutztierbestände zu sprechen.
Dass der Präsident der dt. Akademie für Präventivmedizin in diesem Zusammenhang die Empfehlung der DGEM nicht einmal ansatzweise erwähnt, die auch unter gesundheitlichen Aspekten einen deutlich geringeren Fleischkonsum als den aktuellen Pro-Kopf-Verbrauch favorisiert, ist traurig.
Es ist bedauerlich, dass suggeriert wird, dass der durchschnittliche Veganer seinen CO2 Umsatz nur reduziert, um danach zum Shoppen nach New York zu jetten.
Der Autor lässt die unwürdigen Bedingungen für Mensch und Tier ausser acht, unter denen Fleisch aktuell produziert wird, ebenso die Einstufung von verarbeiteten Fleischprodukten als krebserregend durch die WHO 2015, die Verschmutzung des Grundwassers, die exzessive Landnutzung und natürlich auch die Resistenzprobleme, die uns die Massentierhaltung mit ihrem katastrophalem Antibiotikaverbrauch in der alltäglichen Medizin bereitet.

Die Reduktion des Fleischkonsums ist Klimaschutz, und Klimaschutz ist Prävention im besten Sinne und sollte dem Präsidenten der dt. Akademie für Prävention ein Herzensanliegen sein. Dies scheint nicht der Fall zu sein.

Ich wünsche mir eine breite Diskussion im Ärzteblatt zu diesem Thema, nicht zuletzt auch da die Klimakrise ein Schwerpunktthema auf dem nächsten Ärztetag sein wird, aber nicht auf diesem bedauerlichen Niveau.

Mit freundlichen Grüssen

Dr. med. P. Schweiger
Avatar #687320
am Dienstag, 14. Juli 2020 um 11:20

Herdentrieb bei Tierischem

Endlich erscheint auch einmal – ganz gegen den Zeitgeist – ein Bericht über die marktpolitisch und ideologisch geprägten Hintergründe der Diskussion um Fleischkonsum, Fleischersatz und Veganismus, wie auch über die dürftige wissenschaftlichen Evidenz bezüglich der gesundheitlichen Auswirkungen eines reduzierten Fleischkonsums. Statt die pointierte Darstellung der sicherlich weithin unbekannten Hintergründe willkommen zu heißen und sich mit den genannten Fakten auseinander zu setzen, erfolgt ein Identitätsaufschrei empörter Fleischgegner und persönliche, wütende Angriffe auf den Autor. Wie könne man nur daran zweifeln, dass Fleischverzicht die Gesundheit fördern und das Weltklima retten würde?

Wenn es um Ernährung geht, verliert sich die Rationalität schnell und wenn es um „tierische“ handelt erst recht. Aber Fakt ist: Für den Gesundheitsaspekt des Fleischverzichts gibt es nur ein ganz schwache und überdies widersprüchliche und damit angreifbare Datenlage.

In der Ernährungsmedizin sollte eigentlich ein Grundsatz immer noch gelten: Wenn man von Verbrauchern fordert, ein traditionelles, beliebtes Nahrungsmittel einzuschränken, dann muss man eindeutige und starke Beweise vorlegen, dass damit auch die versprochenen Vorteile erreicht werden.

Und? Fehlanzeige – es wir dafür um so heftiger in der Evidenz-freien Zone pauschaliert. Prototypisch dafür die Einteilung in „pflanzlich“ = „gut“ und „tierisch“ = „schlecht“. Ernährungsphysiologisch ist das zwar frei von jeglichem Sinn und dennoch hat es sich über die Medien im Bewusstsein der Verbraucher festgesetzt.
Avatar #835716
am Mittwoch, 15. Juli 2020 um 15:11

Beitrag der Landwirtschaft/Fleischproduktion an den Treibhausgasen

Ich kann mich der Kritik an dem Artikel nur anschließen. Es werden Studien referenziert, die wenig bekannt sind. Ganz konkret: Vor allem zum Aspekt des Einflusses der Fleischproduktion auf den Klimawandel gibt es gute nationale und internationale seriöse Quellen wie IPCC oder das Umweltbundesamt. Eine einfache und schnelle Recherche hätte bei einzelen Aussagen ein gänzlich anderes Bild zum Einfluss der Fleischproduktion, nicht nur in Deutschland, vor allem auch in Südamerika gezeichnet. Daher sei u.a. der Link zum UBA ergänzt: https://www.umweltbundesamt.de/daten/land-forstwirtschaft/beitrag-der-landwirtschaft-zu-den-treibhausgas#treibhausgas-emissionen-aus-der-landwirtschaft. Sowie zum Fleischkonsum: https://www.umweltbundesamt.de/themen/warum-fleisch-zu-billig-ist.
Gerade die Entwaldung in Südamerika wird in zahlreichen Berichten deutlich als Problem herausgearbeitet. Der IPCC-Bericht (der ebenfalls hier schon erwähnt wird), weist die Evidenz der Entwaldung zur Fleischproduktion als Treiber des Klimawandels aus. Bedauerlich daher die Veröffentlichung im DÄ. Hier sei künftig bei tendenziösen Artikeln ein unabhängiges Review empfohlen.
Avatar #762833
am Donnerstag, 16. Juli 2020 um 08:22

Tendenziös, Einseitig, völlig daneben

Was hält Covid -19 am Laufen? Was wird weitere Pandemien auslösen?

Der UN-Report: "Preventing the next pandemic - Zoonotic diseases and how to break the chain of transmission" nennt:

DISEASE DRIVERS
Seven human-mediated factors are most likely driving the emergence of zoonotic diseases:

1) increasing human demand for animal protein;
2) unsustainable agricultural intensification;
3) increased use and exploitation of wildlife;
4) unsustainable utilization of natural resources accelerated by urbanization, land use change and extractive industries;
5) increased travel and transportation;
6) changes in food supply; and
7) climate change.

https://www.unenvironment.org/resources/report/preventing-future-zoonotic-disease-outbreaks-protecting-environment-animals-and

Unsere Landwirtschaft und unsere Ernährungsweise ist also Motor Nummer 1 für
Umwelt-Erosion (https://www.ecologyandsociety.org/vol22/iss4/art8/),

Pandemie-Treiber (UN-Report s.o.)

und Entstehen unserer Zivilistations-Krankheiten (https://www.aerzteblatt.de/archiv/161704/Entwicklung-der-Krankheitslast-in-Deutschland)

und nimmt eine wichtige Rolle in der Entwicklung von Antuibiotika-Resistenzen bei Bakterien ein... (weitere Quellen folgen...)

Ich würde mir eine saubere Selektion von gut recherchierten Artikeln wünschen...

mit freundlichen Grüßen
Sebastian Göbel

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