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am Samstag, 1. August 2020 um 09:23

Jens Spahn prellt die Zeche!

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn prellt die Zeche - denn wer bezahlt diese Reise-Luxus-Tests?

Natürlich nicht die Verursacher selbst, sondern die Gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) und keinesfalls die Private Kran­ken­ver­siche­rung (PKV)!
"Urlauber können sich [vom 01.08.2020] an bei der Rückkehr nach Deutsch­land kosten­frei auf SARS-CoV-2 testen lassen...Hieß es in einer Vorabfassung der Verordnung gestern noch, dass alle an der hausärztli­chen Versorgung teilnehmenden Ärzte Abstriche machen sollen, sieht die neue Verord­nung vor, dass die Leistungen „durch niedergelassene Ärzte und durch die von den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) betriebe­nen Testzentren“ erbracht werden sollen. Tests sind auch beim Gesundheitsamt sowie an Teststationen an Flughäfen und Bahn­höfen möglich.

Bei der Vergütung für die Tests, die innerhalb von 72 Stunden nach der Rückkehr erfolgen sollen, hat das Ministerium leicht nachgebessert. Gestern waren noch pauschal zehn Euro [sic!] für die „Entnahme von Körpermaterial“ angedacht. Heute heißt es in der Verordnung, dass es stattdessen 15 Euro geben soll. Die Kassenärztliche Bun­des­vereinigung hält 25 Euro für kostendeckend. Die Laborkosten [50,50 €] bleiben unverändert [hoch].

Die Kosten für die Tests trägt die gesetzliche Krankenver­si­cherung (GKV). Das Ministerium rechnet mit Mehrkosten von 50,5 Millionen Euro je einer Million Tests durch Laborleis­tungen und 15 Millionen Euro durch die pauschale Vergütung für die Vertragsärzte..."
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/115214/Tests-fuer-Reiserueckkehrer-Bei-Verguetung-nachgebessert-alle-Aerzte-sollen-helfen

Weitere Ungereimtheiten aus dem Hause Jens Spahn sind sachlich und fachlich nicht zu rechtfertigende Unterlassung und Diskriminierung: "Die Testung von medizinischem Personal in ambulanten Arztpraxen, die mit einer Viel­zahl von chronischen Kranken und alten Menschen intensiv in Berührung kommen, ist nicht vorgesehen“, kritisierte zu Recht der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen, Kollege Mark Barjenbruch.

"Reiserrückkehrer können sich ab Samstag (1. August) kostenfrei auf eine SARS-CoV-2-Infektion testen lassen. Anders als zunächst vorgesehen sollen diese Tests nicht mehr nur ausschließlich Hausärzte durchführen. Das sieht eine Verordnung von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) vor, die er am Donnerstag unterzeichnet hat und die am Samstag in Kraft tritt. Das teilte sein Ministerium am Freitagnachmittag mit", so die Ärzte Zeitung. https://www.aerztezeitung.de/Politik/Kostenfreie-Coronatests-fuer-alle-Urlauber-ab-Samstag-411715.html

Diese Veränderung der „Verordnung zum Anspruch auf bestimmte Testungen für den Nachweis des Vorliegens einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2“ (SARS-CoV-2-TestV) war erwartet worden. Ihre Ausweitung des Testangebots geht auf einen Beschluss der Ge­sund­heits­mi­nis­ter von Bund und Ländern von Freitag, dem 24.07.2020 zurück.

Alle Einreisenden haben unabhängig vom Reiseort Anspruch auf einen PCR-Test binnen 72 Stunden nach ihrer Ankunft in Deutschland. Nach der Verordnung gilt für Reisende aus Ländern, die vom Robert Koch-Institut (RKI) als Risikogebiete ausgewiesen sind, die 72-Stunden-Beschränkung nicht.

Tests „durch die niedergelassenen Ärzte und durch die von den Kassenärztlichen Vereinigungen betriebenen Testzentren“ können parallel durch Testzentren an den Flughäfen Berlin, München, Düsseldorf oder Frankfurt ergänzt werden.

Für Abstrichentnahme, Beratungsgespräch und Ausstellung des Befunds erhalten Ärzte pauschal 15 Euro je Patient von ihrer KV. „Weitere Leistungen dürfen nicht in Abrechnung gebracht werden“, heißt es ebenso dezidiert wie sonstige ärztliche Tätigkeiten verachtend etwa mit Blick auf die Versicherten- oder Grundpauschale.

Die Laborärzte erhalten für die PCR-Diagnostik inklusive Versandmaterial und Transportkosten wie gehabt 50,50 Euro pro Testung.

"Kostenfreie Corona-Tests für alle Reiserückkehrer", wie von der Ärzte Zeitung jüngst tituliert, gibt es nicht! Entweder bezahlen das alle Steuerzahler/-innen über einen erhöhten Bundeszuschuss oder, wie bereits vorgesehen, die Gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) bzw. alle Ärztinnen und Ärzte mit ihrer Arbeitskraft.
Die Private Kran­ken­ver­siche­rung (PKV) ist mal wieder fein raus: Sie zahlt einfach nichts und wird freudestrahlend zum nächsten Termin mit fadenscheinigen Gründen die Versicherungsbeiträge erhöhen.

Vertragsärzte und Testzentren bekommen einen "Judaslohn" von 15,00 €, während die Laborautomaten 50,50 € erhalten.

Das ist organisierter "Scheckbetrug"!

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #656195
am Samstag, 1. August 2020 um 10:03

Aktionismus statt Rationalismus

Wieder einmal Spahn´scher Aktionismus der die Unwissenden blendet. Medizinisch völlig irrational - aber was kann man noch Sinnhaftes erwarten von der deutschen Gesundheitspolitik ? Dilettanten und Opportunisten werden Funktionäre, Fachfremde werden Minister....
Und: Niedergelassene Ärzte und insbesondere Hausärzte werden als direkt unterstellte Angestellte des Staates angesehen - zur freien Verfügung. Wo bleibt hier der Aufschrei der sogenannten Standesvertreter ? Da hat sogar der Kleintierzuchtverein eine bessere Lobby.
Niedergelassene Ärzte können nicht verpflichtet werden diese Tests durchzuführen. Wer aber glaubt das im vorauseilenden Gehorsam mitmachen zu müssen...bitte sehr. Es geht hier nicht um das geringe Honorar - wie die Funktionäre meinen, es geht hier um das grundlegende Prinzip der freiberuflichen Ärzteschaft. Diese wird seit Jahren planwirtschaftlich degradiert und sukzessive ausgehöhlt. Dieses aktuelle Urlaubs-Test-Dekret in Trump´scher Manier ist ein weiterer Baustein in diese Richtung - und die KVen ud Ärztekammern schauen wieder einmal nur zu....
Die Verantwortung arbeitsschutzrechtlich für die Angestellten trägt der Arbeitgeber - also der Arzt, ebenso die Verantwortung für die chronisch kranken Patienten, die die Praxis besuchen müssen. Sollte sich ein abwehrgeschwächter Patient in der Praxis durch einen Urlaubsrückkehrer infizieren, trägt der Praxisinhaber die Verantwortung. So einfach ist das.
Folglich: Keine Testung von Urlaubsrückkehrern in einer normalen Arztpraxis. Testung ist staatliche Aufgabe via Gesundheitsämter.
Avatar #830245
am Sonntag, 2. August 2020 um 12:43

Gefährdung der anderen Patienten bei Tests für Reiserückkehrer

Ich habe mir nach einem monatelangen Pausieren für Dienstag einen Termin bei einem Arzt geben lassen und bin infolge der Entwicklung der letzten 2 Wochen verunsichert. Ich werde den Termin wohl absagen, weil ich das Risiko einer möglichen Ansteckung bei med. Personal für sehr hoch derzeit einschätze.
Nicht nur, dass die Ärzte nun Tests für Reiserückkehrer machen müssen - hätte man Reisen nicht erlaubt, gäbe es diese Reiserückkehrer nicht - . Auch habe ich gelesen, dass bei dem Massenausbruch von Corona-Infizierten in Ba-Wü als "Patient 0" eine Ärztin diskutiert wird. Letzteres lässt den Schluss zu, dass med. Personal nicht engmaschig getestet wird. Oder doch?
Wie also schützt man chronisch Kranke vor einer Ansteckung durch med. Personal (Ärzte, deren Angestellte, Pflegepersonal in Kliniken) ?
Auch Menschen aus der Risikogruppe sollten nicht nur zu Hause bleiben müssen und wenn nötig, auch risikolos zum Arzt gehen können.

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