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Avatar #830245
am Samstag, 22. August 2020 um 21:44
geändert am 22.08.2020 21:51:55
geändert am 22.08.2020 21:53:00
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geändert am 23.08.2020 10:19:54
geändert am 23.08.2020 10:20:59

Umgekehrt wird eher ein Schuh draus

Kommentar zur Nachricht
Grüne wollen Pflegekräften mehr Verantwortung übertragen
vom Freitag, 21. August 2020
Pflegekräfte sind öfters (evtl. eine Folge der fehlenden Zeit infolge des Personalmangels?) nicht in der Lage zu erkennen, wann ein Bewohner im Altenpflegeheim einen Arzt benötigt. D. h. sie rufen den Arzt zu spät, wenn sie ihn überhaupt rufen.

Ich bin seit etlichen Jahren so gut wie täglich und häufig weit über eine Stunde bei meinen Eltern im Altenpflegeheim.
Immer wieder kam es dazu, dass eine Infektion von den Pflegern entweder nicht erkannt oder nicht ernst genug genommen wurde und dann nur durch mein Einwirken eine Behandlung erfolgte und die dann öfter im Krankenhaus erfolgen musste (z. B. bei verschleppten Lungenentzündungen ...).
Solange selbst die Gabe der Medikamente häufig nicht korrekt erfolgt, sollte man nicht darüber nachdenken, weitere Fehlermöglichkeiten zu schaffen, indem man weitere Aufgaben den Pflegern überträgt.
Ich bin der Meinung, die Pfleger müssen weniger Verantwortung bekommen, weil sie von medizinischen Dingen zu wenig verstehen und wohl auch nicht darauf ausgebildet werden.
Es sollte m. E. in jedem Pflegeheim ein Arzt angestellt werden oder man sollte zumindest einen Arzt für 2 oder 3 Pflegeheime am selben Ort beschäftigen.

Man sollte bedenken, dass der Beruf des Altenpflegers, zumindest früher, öfters von Hauptschulabgängern, die sonst nirgenwo untergekommen sind, ergriffen wurde.
Eine gewisse "geistige Flexibilität" sollten Menschen aber schon haben, die ärztliche Aufgaben übernehmen sollen.
Natürlich gibt es vereinzelt auch Pfleger, die aus der Masse herausragen. Aber die sind eher dünn gesäht.
Wenn man dann noch den Personalnotstand in den Pflegeheimen kennt, der seit vielen Jahren immer noch besteht, dann verstehe ich den Vorschlag der Grünen umso weniger.

Avatar #839961
am Sonntag, 23. August 2020 um 18:43

Die Zukunft eines guten Gesundheitssystems

@Hortnesie, sie haben den Zustand in einem Teil des deutschen Gesundheitssystems als Außenstehender recht gut erkannt, tatsächlich ist sowohl die ärztliche, pflegerische Versorgung wie auch die Personalbesetzung im Altenpflege- und Geriatriebereich mangelhaft, jedoch teile ich nicht ihren Lösungansatz, welcher aus einem retrospektiven Blickwinkel auf die Situation aus argumentiert. Einerseits ist dieser Lösungsansatz gesellschaftlich überholt (Arzt als Alleinentscheider und die Spitze der gesundheitspolitischen Hierarchie) und führt andererseits erwiesenermaßen nicht zu einer besseren gesundheitlichen Versorgung. Sie haben recht, die Ausbildung der Altenpflegefachkräfte ist nicht in allererster Linie auf die medizinische Versorgung ausgelegt und befähigt dadurch nicht unbedingt für eine Übernahme von ärztlichen Aufgaben und mehr medizinischer Verantwortung, jedoch durchlief der Pflegeberuf und -ausbildung in den letzten 20 Jahren einen krassen Wandel und hat stark wissenschaftlichem Anspruch wie auch medizinischer Tiefe zugenommen. Dies kann man am besten an dem Zusammenlegen der Ausbildung aller 3 Pflegefachberufe zu der Ausbildung zur Pflegefachperson wie auch an dem Enstehen der ersten primärqualifizierenden Pflegestudiengängen beobachten, die gerade wie Pilze aus dem Boden schießen. Mit wachsender Verantwortung für die Patientenversorgung muss auch die Qualität der Ausbildung zunehmen. Die Pflege hat in den letzten 10 Jahren den Teil mit der Verbesserung der Ausbildung schon ganz gut gemacht. Jetzt wird´s Zeit, dass wir auch mehr Autonomie und Verantwortung in der gesundheitlichen Versorgung von Menschen erhalten. Aktuell ist unser Gesundheitssystem darauf ausgelegt stark naturwissenschaftlich ausgebildete Ärzte zu Alleinentscheidern in allen Bereich der Gesundheitsversorgung und somit auch in Fragen der Ethik, der häuslichen pflegerischen Versorgung wie auch der physikalischen Therapie zu machen, um nur einige Beispiele zu nennen, für welche sie durch ihre Ausbildung nicht vorbereitet wurden und durch welche sie auch meistens überfordert sind. Zu gesundheitlichen Versorgung gehört eben viel mehr als nur von der ärztlichen Seite Krankheit zu diagnostizieren, heilen und verhüten. Als Beispiel von kann ich hier die pflegerischen Seite bennen, die, die Betreuung und Begleitung der Menschen sowie die Gesundheitsförderung und Therapieüberwachung benenne, für die wir nun eine größeren Autonomie und Verantwortung erlangen wollen und dieses Expertenwissen auch in der Therapie- und Versorgungsentscheidung einbringen wollen und dies "auf Augenhöhe mit den ärztlichen Kollegen" . Erst durch eine interdisziplinäre Zusammenarbeit aller Gesundheitsberufe, sowie flachen Hierarchien und somit dem Einfließen des Expertenwissens (Physiotherapeuten, Pflegefachkräfte, Arzte, etc.) in der Therapieentscheidung und -zielsetzung und somit auch einer ganz anderen Art von Entscheidungsfindung kann eine gute und moderne Gesundheitsversorgung und das bestmögliche Patientenwohl erreicht werden. Hier sind die Grünen als einzige Partei deutschlandweit aktuell auf der Höhe der Zeit und machen zukunftsgerichtete Gesundheitspolitik. Vielleicht sollten sie sich noch einmal in der aktuellen Situation der Pflegefachberufe herein lesen und ihre Wahlentscheidung überdenken ;) Hier kann ich die Webseite des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe (DBfK) - www.dbfk.de empfeheln! LG angehender Gesundheits- und Krankenpfleger
Avatar #830245
am Sonntag, 23. August 2020 um 23:07

Unterschiedliche Anforderungen abhängig von den Pflegeheimbewohnern

@pflegx:
Sehr interessante Ausführungen. Man erkennt sofort das Insider-Wissen.
Wenn ich von meinen Eltern ausgehe, waren bzw. sind diese schwer chronisch krank und bei beiden kommt bzw. kam es sehr auf eine gute ärztliche Versorgung an. Und leider ist das ein Problempunkt immer schon gewesen, egal in welchem Heim meine Eltern waren (sie waren nämlich nicht nur in einem).
Andere Pflegeheimbewohner mögen noch sehr rüstig sein, sind oft noch sehr selbständig und benötigen weniger Hilfen des Personals.
Ich will damit sagen, dass die Anforderungen an das Pflegepersonal je nach Bewohner sehr unterschiedlich sein können.
Wenn ich es vom Pflegegrad her sehe, würde ich sogar sagen, dass die Bewohner mit Pflegegraden 4 oder 5 in einem Pflegeheim nicht gut aufgehoben sind.
Das Pflegepersonal kann sich nicht so, wie es nötig wäre, um diese Fälle kümmern. Es liegt wohl auch an der Personalknappheit und damit an der fehlenden Zeit.
Bis einschl. Pflegegrad 3 dürfte eine Unterbringung im Pflegeheim relativ problemlos möglich sein.
Doch ist oft so, dass viele Menschen erst ab Pflegegrad 4 ins Pflegeheim kommen und bis einschl. Pflegegrad 3 zu Hause versorgt werden.

Jedenfalls halte ich es für einen falschen Vorschlag, wenn man ärztliche Aufgaben den Pflegern übertragen will. Das wird in vielen Fällen nicht funktionieren.
In Gesprächen mit den Pflegern merke ich immer wieder, dass einfachstes Grundwissen fehlt, also Wissen über Dinge, die man fast schon zur Allgemeinbildung zuordnen muss - und das auch bei der "Pflegedienstleitung".
Aufgrund eigener schwerer Erkrankungen kenne ich mich mit vielen med. Dingen schon ganz gut aus, ohne überheblich sein zu wollen.

Ich habe auch den Eindruck, dass man mangels Fachkräften schnell bereit ist, aus einem Pflegehelfer einen Pfleger zu machen. D. h. die Anforderungen an einen Aufstieg scheinen sehr gering zu sein. Und ob diese Pfleger dann immer ein gutes theoretisches Wissen haben, glaube ich eher nicht.

Da ich selbst damit rechnen muss, in den nächsten ca. 5 bis 10 Jahren auch in ein Pflegeheim gehen zu müssen (wenn mir nicht noch eine bessere Lösung einfällt), beobachte ich die Entwicklungen in Pflegeheimen schon sehr genau - und sehe für mich "schwarz".

Es wird vermutlic nicht gutgehen, wenn ich da rein müsste. Meine Ansprüche und Erwartungen würden enttäuscht werden.
Aber welche Alternativen gibt es ?
Avatar #749212
am Mittwoch, 2. September 2020 um 10:28

Neuverteilung von Kompetenzen löst nicht das Personalproblem

Grundsätzlich ist der Vorschlag der Grünen zu begrüßen, die Pflege mit mehr Kompetenzen auszustatten, allerdings kann es nicht vor allem darum gehen, ärztliche Tätigkeiten zu übernehmen, sondern meines Erachtens nach- in Anerkennung der Tatsache, dass die Pflege ein eigener Fachbereich ist ( wie von Pflegx treffend beschrieben)- die bessere Nutzung und Förderung bereits vorhandener Kompetenzen als Ergänzung und nicht in Konkurrenz zur ärztlichen Tätigkeit. Darüber hinaus kann dies wahrscheinlich nur durch eine Verbesserung der Personalsituation erfolgen und nicht durch eine zusätzliche Aufgabenbelastung der vorhandenen Personalressourcen.
Grundsätzlich kann ich die Überraschung der Politik/Unternehmen/Gesellschaft über den akuten Personalmangel im Gesundheitswesen nicht nachvollziehen; ist er doch schon prophetisch vor 30 Jahren, als ich die Pflegeausbildung begann, formuliert und in den letzten 20 Jahren zunehmend spürbar geworden. Wir ernten heute die Früchte der Entscheidung, das Gesundheitssystem dem Ökonomisierungsgedanken zu unterwerfen, und eine Gesellschaft muss nach meinem Dafürhalten diese Entscheidung neu überdenken, zumindest aber anders gestalten.

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